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Enerige & Management > Stromnetz - 50 Hertz schaltet Südwest-Kuppelleitung frei
Bild: Fotolia.com, Gina Sanders
STROMNETZ:
50 Hertz schaltet Südwest-Kuppelleitung frei
Der Stromtransport in Deutschland kann jetzt mit der Südwest-Kuppelleitung auf eine weitere leistungsstarke Nord-Süd-Verbindung im mitteldeutschen Raum zurückgreifen.
 
Einer der größten Nord-Süd-Transportengpässe im deutschen Stromnetz ist beseitigt. Die am 14. September von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) freigeschaltete Südwest-Kuppelleitung wird große Mengen Windstrom aus Ostdeutschland in Richtung Süden und Westen bringen. Die auch als Thüringer Strombrücke bezeichnete 380-kV-Freileitung führt von Bad Lauchstädt bei Halle in Sachsen-Anhalt über Erfurt nach Redwitz im nordbayerischen Landkreis Lichtenfels.

„Der Netzausbau hilft und er kommt voran“, sagte Boris Schucht, Geschäftsführer des ostdeutschen Übertragungsnetzbetreibers 50 Hertz Transmission GmbH, in dessen Netzgebiet die neue Leitung zum größten Teil verläuft, bei der Inbetriebnahme in der Berliner Unternehmenszentrale.

Frank Golletz, technischer Geschäftsführer des Unternehmens, sprach von einem „wichtigen Lückenschluss“, der durch die neue Leitung geschaffen wurde. Sie erhöhe die Übertragungsfähigkeit von Nord nach Süd um rund 5 000 MW. Damit könnten große Mengen Windstrom aus Sachsen-Anhalt nach Bayern transportiert werden. „Wir lassen unsere Brüder und Schwestern im Süden nicht im Stich", sagte Haseloff. „Wir liefern Strom.“

Schucht wies darauf hin, dass sich mit der Leitung die Integration erneuerbar erzeugten Stroms im Nordosten Deutschlands beträchtlich verbessere. Zudem werde mit der nun wesentlich höheren Übertragungskapazität in Richtung Süddeutschland eine wesentliche Voraussetzung für den Atomausstieg geschaffen.

Die Kosten für das Engpassmanagement könnten so trotz des weiteren Ausbaus der Erneuerbaren auch in diesem Jahr voraussichtlich stabil bleiben, so der 50-Hertz-Chef. Rund 80 Prozent der in der Vergangenheit bei 50 Hertz aufgelaufenen Redispatch-Kosten − 2015 waren es 350 Mio. Euro − seien den Engpässen an der bislang einzigen Verbindungsleitung aus dem 50-Hertz-Gebiet nach Bayern von Remptendorf nach Redwitz geschuldet gewesen. Bereits die Inbetriebnahme des ersten von nun zwei Stromkreisen der Südwest-Kuppelleitung Ende 2015 habe 2016 die Engpassmanagementkosten um rund 80 Mio. Euro verringert.

Die Südwest-Kuppelleitung wurde für den überregionalen Stromtransport von Norden nach Süden, von den östlichen zu den südlichen und südwestlichen Bundesländern, gebaut. Sie wird gebraucht, um den Erzeugungsausfall nach der Abschaltung des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld bei Schweinfurt im Jahr 2015 mit Strom aus Ostdeutschland zu kompensieren. Deshalb fand die Verbindung auch Aufnahme als Vorrangprojekt in das Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) von 2009. Seit 2011 war sie auch ein europäisches Vorrangprojekt im Rahmen der EU-Initiative North-South-Energy Interconnections.

Schrittweise Inbetriebnahme seit 2008

Der Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz war für den Bau der 160 Kilometer zwischen Bad Lauchstädt und der Landesgrenze zwischen Thüringen und Bayern zuständig. Bereits Ende 2008 war der Abschnitt zwischen Lauchstädt und Erfurt-Vieselbach in Betrieb genommen worden, im Juli 2015 der Abschnitt zwischen Vieselbach und Altenfeld im Thüringer Wald. Zwischen Altenfeld und der Landesgrenze zu Bayern war die Strombrücke seit Ende 2015 teilweise – mit einem von zwei Stromkreisen – nutzbar. Den anschließenden 30 Kilometer langen Teilabschnitt auf bayerischem Gebiet hatte der Übertragungsnetzbetreiber Tennet Ende 2015 in Betrieb genommen. 50 Hertz investierte 320 Mio. Euro in die Thüringer Strombrücke – geplant waren 250 Mio. Euro.

Der Bau der Südwest-Kuppelleitung stieß vor allem auch auf dem Teilstück durch den Thüringer Wald immer wieder auf erheblichen Widerstand von Anliegern und Naturschützern. 50 Hertz reagierte darauf unter anderem mit ökologischen Schneisen- und Trassenplanungen. „Gerade in Thüringen, besonders betroffen durch zwei der drei Leitungsabschnitte, gab es vor einigen Jahren phasenweise ja enormen Protest gegen die Südwest-Kuppelleitung“, räumte Golletz ein. Das Unternehmen habe dabei viel gelernt für den weiteren Netzausbau in Deutschland, zum Beispiel auch für die Verlegung der Gleichstromleitung Südostlink. Er sei „optimistisch, dass wir den Leitungsbau schaffen können“, sagte der Geschäftsführer.

Für Sachsen-Anhalt sei die Freischaltung der Südost-Kuppelleitung von „existenziellem Interesse“, weil sie ermögliche, erhebliche im Land erzeugte erneuerbare Strommengen zu Verbrauchern weiterzutransportieren, sagte Ministerpräsident Haseloff. Nur so sei es möglich, in dem Bundesland, das mit hohen Strompreisen in Folge der Energiewende umgehen müsse, die Akzeptanz für die Energiewende zu erhalten. „Wir wollen, dass das Gesamtprojekt gelingt“, unterstrich er die Unterstützung für die Energiewende. Die nächste große Aufgabe sei der Bau des Südostlink, die wie die Südwest-Kuppelleitung in Sachsen-Anhalt ihren Ausgang nehme.

Bayerns Energieministerin Ilse Aigner bezeichnete die Inbetriebnahme der Thüringer Strombrücke als wichtigen Beitrag für das Gelingen der Energiewende. „Um unser Ziel einer weitgehend auf Erneuerbaren basierenden Energieversorgung zu erreichen, müssen wir mit dem beschlossenen Netzausbau zügig voranschreiten“, erklärte sie.
 

Peter Focht
Redakteur
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Donnerstag, 14.09.2017, 17:20 Uhr

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