• Strom leichter, CO2 schwächer, Erdgas meistens schwach
  • Mainova macht Straßenleuchte zum Hotspot
  • Ohne Klimaprämie wird Energie teurer warnt Verivox
  • Siemens Gamesa reicht neuerdings Stahlkosten durch
  • Würzburger Versorger kommt glimpflich durch die Pandemie
  • Strompreis-Explosion macht Braunkohle wieder rentabel
  • Supercomputer "HoreKa" am KIT eingeweiht
  • Dorfen schließt zwei Großprojekte ab
  • Mixed-Matrix-Membran trennt CO2 effizient ab
  • Andritz und MAN Energy Solutions vereinbaren Kooperation
Enerige & Management > Stromnetz - 50 Hertz mahnt neues Strommarktdesign an
Bild: Fotolia/JWS
STROMNETZ:
50 Hertz mahnt neues Strommarktdesign an
Vor dem Hintergrund der anspruchsvollen neuen Klimaschutzziele fordert der Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz schnellere Genehmigungsprozesse und ein passendes Strommarktdesign.
 
Für das deutsche Klimaneutralitätsnetz 2045 hält 50 Hertz zwei Punkte für dringend notwendig: eine Beschleunigung von Genehmigungsprozessen und eine erneute Diskussion über die Reform des derzeitigen Strommarktdesigns. „Es ist fraglich, ob das jetzige Marktsystem ausreichend Anreize setzt für Investitionen in regelbare Kraftwerke, die auch in Zukunft dringend zur Gewährleistung von Versorgungssicherheit in wind- und sonnenschwachen Zeiten gebraucht werden“, erklärte der Vorsitzende der Geschäftsführung von 50 Hertz, Stefan Kapferer.

In einem digitalen Pressegespräch am 18. Juni wurde zugleich ein Bericht des Beratungsunternehmens Consentec vorgestellt. Im Auftrag von 50 Hertz wurden die Vor- und Nachteile verschiedener Modelle zwischen Energy Only Markt (EOM) und zentralem Kapazitätsmechanismus untersucht.

Mehr erneuerbare Erzeugung und Netze nötig

Aktuelle wissenschaftliche Studien zeigten, dass in den kommenden Jahrzehnten nur durch mehr strombasierte Anwendungen die Sektoren Verkehr, Gebäude und Industrie klimaneutral werden können. Stefan Kapferer forderte daher: „Um diesen zukünftigen Strombedarf decken zu können, ist ein beschleunigter Ausbau der erneuerbaren Energien an Land und auf dem Meer in Verbindung mit einem starken Ausbau der Übertragungsnetzinfrastruktur erforderlich.“

Dies werde nur funktionieren, wenn die Verstärkung oder der Bau von Windkraftanlagen, Solarparks, Stromleitungen oder Umspannwerken nicht durch jahrelange bürokratische Verfahren verzögert werde. „Leider geht die Beschleunigung in der Gesetzgebung in vielen Fällen mit einer Entschleunigung bei Verwaltungsvorgängen einher“, kritisierte Kapferer. 50 Hertz fordert daher das Vordenken eines Klimaneutralitätsnetzes 2045 mit einer entsprechend klaren Priorisierung von Vorhaben durch die Politik und deren nachgelagerte Behörden.
  Darüber hinaus rief Kapferer dazu auf, in der politischen Diskussion über die Klimaschutzziele die Versorgungssicherheit im Blick zu behalten. Mit dem Ausstieg aus der Kernenergie und der Kohleverstromung verliere Deutschland über 50.000 MW gesicherte und regelbare Leistung. Der europäische Strombinnenmarkt könne diese Verluste nur teilweise ausgleichen. Zudem nehme die Transformation der Energiesysteme in den Nachbarländern an Fahrt auf.

Zu wenig Ausgleich für Kohleausstieg geplant

„Wir brauchen auch langfristig regelbare Kraftwerke, um die Versorgungssicherheit in Deutschland zu gewährleisten“, sagte Kapferer. Derzeit seien jedoch nur wenige dieser Kraftwerke in Bau, die mit Erdgas oder grünem Methan betrieben werden können. Deren Gesamtkapazität betrage nur 1.200 MW. Planungen für weitere Kraftwerke lägen auf Eis, weil es keine Refinanzierungsperspektive gebe.

In der Untersuchung von Consentec werden fünf verschiedene Modelle miteinander verglichen. Der derzeitige Energy Only Markt (EOM) plus Kapazitätsreserve sowie ein reiner EOM 2.0 ohne Reserveleistung. Außerdem ein zentraler und ein dezentraler Kapazitätsmarkt, wie in anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Großbritannien oder Polen üblich, sowie ein Modell der Betriebs- und Investitionsbeihilfen.

Marktmechanismus für Regelkraftwerke nötig

Dirk Biermann, Geschäftsführer Märkte und Systembetrieb von 50 Hertz, resümierte: „Die vergleichende Analyse zeigt, dass der heutige, auf dem Energy Only Markt basierende Mechanismus langfristig nicht zwangsläufig die kosteneffizienteste und beste Lösung ist.“

Er biete kaum Anreize, heute in Kraftwerke zu investieren, die vielleicht erst in einigen Jahren nach dem vollständigen Ausstieg aus der Steinkohle- und dem überwiegenden Ausstieg aus der Braunkohleverstromung erforderlich sind. Wegen der langen Planungs- und Genehmigungszeiträume müsse rechtzeitig ein geeigneter Marktmechanismus installiert werden, der diese Situation lösen kann, appellierte Biermann an die Politik.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
+49 (0) 151 28207503
eMail
facebook
© 2021 Energie & Management GmbH
Freitag, 18.06.2021, 16:07 Uhr

Mehr zum Thema