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Enerige & Management > Wärme - 50 % Einsparpotential bei Sanierung älterer Wohnhäuser
Bild: Ralf Kalytta, Fotolia
WÄRME:
50 % Einsparpotential bei Sanierung älterer Wohnhäuser
Eine Studie im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion berechnet, dass allein die energetische Sanierung der ältesten Wohnhäuser die Klimaschutzziele im Gebäudesektor erfüllen würde.
 
Die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen beauftragte das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (Ifeu) mit einer Studie zum Klimaschutzpotenzial der Gebäudesanierung. Im Ergebnis verursachen 31 % der Wohngebäude in Deutschland die Hälfte der Treibhausgasemissionen (THG). Diese Gebäude bieten zugleich niedrigen Komfort und geringe Wohngesundheit. Würden sie saniert, sinke ihr Energieverbrauch durchschnittlich um 78 %.

 
Durchschnitt des End-und Primärenergiebedarfs von Gebäuden nach Baujahr Grafik: Dena

Würden alle Gebäude der schlechtesten Effizienzklassen G und H zu Effizienzhäusern 55 saniert, könnten sie rund 60 Mio. t Klimagase jährlich vermeiden, indem sie ihren Energieverbrauch auf die Hälfte reduzieren. Julia Verlinden, Sprecherin für Energiepolitik der grünen Fraktion, kommentierte die Studie: „Minister Seehofer muss jetzt schleunigst ein Sofortprogramm für den Gebäudebereich vorlegen, um beim Klimaschutz aufzuholen.“ Die Studie liefere einen geeigneten Ausgangspunkt dafür.

Chris Kühn, Sprecher für Bau- und Wohnungspolitik der Bundestagsfraktion, sagte: „Wir wollen dafür sorgen, dass Menschen auch in älteren Häusern und Wohnungen behaglich und klimaschonend leben können.“ Dafür müsse es mit der energetischen Sanierung jetzt zügig vorangehen, ohne dass Eigentümer und Mieter finanziell überfordert werden. „Wir schlagen kostenfreie Sanierungsfahrpläne und zusätzlich einen Extrabonus für die Sanierung der energetisch schlechtesten Gebäude vor“, sagte Kühn. So sei sichergestellt, dass mehr Sanierungen erfolgen und diese auch zum Ziel führen.

Aktuelles Gebäudeenergiegesetz genügt nicht

Bauexperten hatten in der vergangenen Woche auf den Berliner Energietagen kritisiert, dass das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG) nicht ambitioniert genug sei, um die Klimaziele im Gebäudesektor zu erreichen. Sie forderten anspruchsvollere Energiestandards für Neubau und Bestand, die stufenweise erreicht werden müssen, sowie eine Versorgung mit erneuerbaren Energien.

Das am 1. November 2020 in Kraft getretene GEG führe dagegen nur die Vorgaben verschiedener bis dahin geltender Gesetze zusammen. Wenn sich Sanierungswillige an diesen Vorgaben orientierten, werde die von der Bundesregierung angestrebte Klimaneutralität für den Gebäudesektor mit Sicherheit verfehlt, urteilten die Experten. Daher brauche es eine baldige Überarbeitung des erst sechs Monate alten Gesetzes, deutlich vor der regulären Überprüfung 2023.

Bei alten Häusern beginnen

Die Studie des Ifeu rät, die Wohngebäude mit den schlechtesten Effizienzklassen „G“ und „H“ zuerst zu sanieren. Der Energieverbrauch in Klasse G ist sechsmal höher als in der besten Klasse A+ - in Klasse H ist er sogar mehr als achtmal höher. Damit ist auch der Treibhausgas-Ausstoß dieser Gebäude extrem hoch, da sie zumeist mit Öl oder Erdgas beheizt werden. Als Ziel-Standard wurde das Niveau „Effizienzhaus 55“ der KfW-Förderbank angesetzt. Dieser Standard entspricht der Effizienzklasse A oder B, je nach Größe des Gebäudes.

Durch den niedrigeren Verbrauch würden die Bewohner aber nachhaltig finanziell entlastet und seien langfristig unabhängig von Energiepreisen und dem CO2-Preis, der seit diesem Jahr erhoben wird, argumentiert die Studie. Zudem steige die Behaglichkeit des Wohnens und das Raumklima, da heute diese Gebäude aus Kostengründen oft nicht ausreichend beheizt würden.
 
THG-Emissionen in den Effizienzklassen G und H heute und nach einer hypothetischen Sanierung auf EH 55-Standard
Grafik: Ifeu

Die Kurzstudie des IFEU „Klimaschutzpotenzial der unsanierten Gebäude in Deutschland“   steht im Internet als PDF zum Download bereit.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Mittwoch, 05.05.2021, 16:12 Uhr

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