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Enerige & Management > Gasnetz - 133 Kilometer Gasleitungen im Ahrtal verrichten wieder ihren Dienst
Quelle: Shutterstock / CDuschinger
GASNETZ:
133 Kilometer Gasleitungen im Ahrtal verrichten wieder ihren Dienst
In einem kollektiven Kraftakt haben Fachkräfte aus ganz Deutschland und der Versorger EVM die Gasversorgung im vom Hochwasser heimgesuchten Ahrtal wieder hergestellt.
 
Die Energieversorgung Mittelrhein (EVM) hat fast punktgenau sämtliche Gasleitungen im vom Juli-Hochwasser stark betroffenen Ahrtal (Rheinland-Pfalz) wieder in Betrieb genommen. Der regional zuständige Versorger vermeldet am 7. Dezember, mit der Verzögerung von nur einer Woche insgesamt 133 Kilometer Leitungen ersetzt oder repariert zu haben.

Unterstützung erhielt die EVM-Gruppe aus ganz Deutschland. Neben den 230 Beschäftigten des regionalen Versorgers halfen zusätzlich 500 Mitarbeitende anderer Unternehmen beim Wiederaufbau der Gasnetze mit. Sie verteilen sich auf mehr als 80 Netzbetreiber, Energieversorger, Rohr- und Tiefbauunternehmen, Ingenierbüros und Installationsbetriebe. „Wir sind sehr beeindruckt von der großartigen Solidarität, die so viele Unternehmen bewiesen haben“, sagt EVM-Vorstandsvorsitzender Josef Rönz.
 
Inzwischen hat die EVM-Gruppe, hier mit Sprecher Marcelo Peerenboom (l.), 133 Kilometer Gasleitungen im Ahrtal repariert oder ersetzt
Quelle: Volker Stephan

Mit der Inbetriebnahme der Gasleitungen verfügt ein Großteil der 8.250 betroffenen Haushalte im Ahrtal wieder über funktionierende Hausanschlüsse. Aber eben nicht alle. Bei zehn Heizungsanlagen sind nur noch kleinere Arbeiten erforderlich. Zwischen 100 und 200 Haushalte, so EVM-Sprecher Marcelo Peerenboom auf Anfrage unserer Redaktion, seien zwar wieder ans Gasnetz angeschlossen. Da diese aber aktuell noch nicht über eine funktionierende Heizung verfügen, seien ihre Anschlüsse direkt wieder verplombt worden.

Mehr als 2.000 Gebäude mit ungewisser Perspektive

Bei bis zu 2.500 Gebäuden sei zudem nicht absehbar, so Peerenboom, ob und wann sie wieder bezogen werden. Teils stehen die Häuser leer oder befinden sich in der Sanierung. Hinzu kommen Lieferschwierigkeiten für bestellte Heizungen. So gesehen, resümiert Peerenboom, sei seine Einschätzung von Ende August zutreffend, dass nicht alle Haushalte Weihnachten mit der gewohnten Wärmeversorgung erleben würden. „Es friert aber niemand, weil die Menschen sich Übergangslösungen gesucht haben.“

Beim Ersatz zerstörter Heizanlagen hat die EVM-Gruppe auch vielfach die Neigung zum Wechsel des Energieträgers festgestellt. 120 Haushalte hätten sich demnach entschieden, von Öl auf Gas umzusteigen.

Insgesamt hat der Gasversorger 25 Mio. Euro in die Arbeiten investiert, von der Reparatur und Instandsetzung der Leitungen über den Ersatz von Gasregelstationen bis hin zum Bau von Flussquerungen und weiteren Anlagen. Die EVM-Gruppe verlasse sich darauf, so Peerenboom, dass Bund und Länder über ihre Hilfsfonds auch tatsächlich die kompletten Kosten übernehmen. Andernfalls bleibe nur die Möglichkeit, nicht erstattete Gelder auf die Netzengelte umzulegen.

Die deutschen Versicherer hatten die Prognose über die Gesamtkosten der Flutkatastrophe im Rheinland und in der Eifel zuletzt um 1 Mrd. Euro nach oben korrigiert. Nach einer Umfrage der Finanzaufsicht BaFin seien Schäden von bis zu 8,2 Mrd. Euro zu ersetzen.

Als ein Beispiel für die bundesweite Kooperation im Katastrophengebiet verweist der Gasversorger auf die Hilfe des Unternehmens Gasnetz Hamburg, das etwa bei der Trennung des Netzes und bei Schweißarbeiten unterstützte. „Wir sind stolz, dass die Kompetenz unserer Teams geholfen hat, die Gasversorgung rechtzeitig vor dem Winter wieder betriebsfähig zu machen“, so Michael Dammann, Technischer Geschäftsführer bei den Hanseaten.

Zu den Helfenden zählten auch mehr als 60 Beschäftigte der Westenergie-Tochter Westnetz. Durch das Prüfen, Reinigen und Begasen von etwa 700 Anschlüssen und Gasleitungen von mehr als 15 Kilometern Länge habe Westnetz „dazu beitragen, die Versorgungssituation für die Menschen vor Ort deutlich zu verbessern“, so Stefan Küppers, Technikvorstand der Westenergie. Das Tief- und Rohrbauunternehmen Niederländer aus dem Saarland zog gleich sämtliche Beschäftigte von anderen Baustellen ab. "In einer solchen Ausnahmesituation muss man Prioritäten setzen", so Firmenchef Hubert Niederländer.

Die Arbeiten der EVM-Gruppe sind mit dem Wiederherstellen der Gasversorgung noch nicht beendet, sondern reichen weit bis ins nächste Jahr hinein. Alte und zerstörte Leitungen entlang der Ahr sind zu sichern oder rückzubauen. „Das größte Projekt ist jedoch der Bau einer neuen, endgültigen Hochdruckleitung im Bereich der Heerstraße“, so Andreas Hoffknecht, Geschäftsführer der Energienetze Mittelrhein. Sie soll in Bad Neuenahr-Ahrweiler die Übergangsleitung ersetzen, die in die unteren Bereiche der Weinberge verlegt worden ist.
 

Volker Stephan
© 2022 Energie & Management GmbH
Dienstag, 07.12.2021, 15:34 Uhr

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