Windparks in Deutschland wachsen weiter in den Himmel. Quelle: VSB-Gruppe
China gibt den Spielverderber. Weil im Reich der Mitte der Ausbau der Windenergie nachlässt, drückt dies die globale Prognose für 2026. Der Rest der Welt baut dagegen weiter zu.
Laut einer Studie des Beratungshauses Wood Mackenzie lässt sich der Rekordzubau der Windenergie aus 2025 weltweit im laufenden Jahr nicht wiederholen. Die neu entstehenden Kapazitäten sollen um 6 Prozent niedriger liegen als die rund 170.000 MW aus 2025, lautet die Prognose aus dem Ende vergangenen Jahres vorgelegten Papier „Wind power: What to look for in 2026“.
Den Hauptgrund der Entwicklung sieht „Woodmac“ in dem Auslaufen des aktuellen Fünf-Jahres-Plans in China, dem eine weniger dynamische Ausbaustrategie folgt. Der Windkraftausbau in den anderen Weltregionen könne den Rückgang in China nicht auffangen. Das Beratungsunternehmen sieht gleichwohl ein „starkes Wachstum“ außerhalb Chinas.
Deutschland betrachtet die Studie als Haupttreiber der positiven Entwicklung in Europa. Die Branche hierzulande profitiere von dem Schub an Genehmigungen für Windkraft an Land aus dem Jahr 2024.
Kaum Risiken für globale Projekte – mit Ausnahme der USAInsgesamt sei für 84 Prozent des global für 2026 erwarteten Zubaus die finale Investitionsentscheidung der Projektierer bereits gefallen – oder die Anlagen befänden sich bereits im Bau. Für den Rest der Vorhaben sieht Woodmac kaum Risiken, weil diese meist Parks von weniger als 100 MW beträfen und somit binnen kurzer Zeit leichter umzusetzen seien.
Einen Sprung werde die weltweite Offshore-Windkraft machen, glaubt Woodmac. Der Zubau von 2025 solle ein Jahr später mehr als doppelt so hoch ausfallen. Diese Vorhersage ist relativ sicher, da Meeresparks Ergebnis einer langfristigen Planung sind und 75 Prozent der 2026 entstehenden Kapazitäten bereits im Bau seien. Ein Ergebnis des Offshore-Zubaus werde sein, dass die Strompreise sinken. Das Angebot an Offshore-Strom werde die (steigende) Nachfrage übersteigen und dadurch teure fossile Energieträger (Gas) aus dem Mix drängen.
Für den Onshore-Markt in Europa und Amerika sieht Woodmac ein Ende des Preisdrucks gekommen, der auf Anlagenherstellern lastet. Die Preise sollen sich demnach stabilisieren. Für Meeresanlagen sagt das Unternehmen ebenfalls stabile Preise voraus. Angebot und Nachfrage sollen sich einander annähern, wodurch die Lieferanten ihre bisherige „Preismacht“ verlieren würden.
Für viele Anlagenbauer und Projektierer aus Europa stellen die USA zunehmend ein Investitionsrisiko dar. Die Trump-Administration hatte zuletzt mit Blockaden fast fertiggestellter Meeresparks für Aufsehen und Verunsicherung gesorgt (wir berichteten). Woodmac sieht die US-Windenergie entsprechend im Jahr 2026 „an einem Scheideweg“ angekommen. Dies auch, weil Tarifdruck und Engpässe bei Genehmigungen zu erwarten seien. Dem stehe ein „dringender Beschaffungsdruck“ von Projektieren gegenüber, für die im Juli eine Produktionssteuergutschrift (PTC) ausläuft.
Dies führt kurzfristig paradoxerweise zu einem Schub der Windenergie in den USA. Denn Entwickler würden „darum wetteifern, sich auslaufende Förderungen zu sichern“. Ohnehin hält Woodmac es für denkbar, dass der steigende Strombedarf in den Vereinigten Staaten mäßigend auf die restriktive Erneuerbaren-Politik der Regierung wirkt. Dann sei es auch möglich, dass es zu Ausschreibungen von zusätzlichen Kapazitäten komme.
Das Analysepapier „
Wind power: What to look for in 2026“ stellt Wood Mackenzie auf Anforderung über das Internet zur Verfügung.
Donnerstag, 8.01.2026, 14:10 Uhr
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