Quelle: Shutterstock / Nutthapat Matphongtavorn
Der Bundesverband Energiespeicher Systeme (BVES) fordert einen Branchendialog zu flexiblen Netzanschlussverträgen von Eon. Der Verband warnt vor pauschalen Einschränkungen für Speicher.
Am 18. Juni kündigte der Energiekonzern Eon an, das bislang im Netzgebiet der Tochter Schleswig-Holstein Netz eingesetzte Modell für sogenannte Flexible Connection Agreements (FCA) künftig konzernweit einzuführen. Dies stößt auf Widerstand der Speicherbranche.
Der Bundesverband Energiespeicher Systeme (BVES) begrüßt grundsätzlich den Einsatz flexibler Netzanschlussvereinbarungen für Batteriespeicher. Zugleich fordert der Verband eine stärkere Einbindung der Speicherbranche in die weitere Ausgestaltung der Regelungen.
Laut BVES können flexible Netzanschlüsse dazu beitragen, Speicherprojekte schneller ans Netz zu bringen und vorhandene Netzkapazitäten effizienter zu nutzen. FCA sollen insbesondere dort den Anschluss neuer Speicher ermöglichen, wo Netzkapazitäten vorübergehend begrenzt sind. Dafür akzeptieren Betreiber bestimmte Einschränkungen bei Bezug oder Einspeisung.
„Flexible Netzanschlussvereinbarungen können ein wichtiges Instrument sein, um den Speicherhochlauf zu beschleunigen und Netzengpässe pragmatisch zu überbrücken“, erklärte BVES-Geschäftsführer Urban Windelen. Entscheidend sei jedoch die konkrete Ausgestaltung. FCA müssten wirtschaftlich tragfähig, technisch nachvollziehbar und verhältnismäßig sein.
BVES: Wirtschaftlich nicht tragfähig
Kritisch bewertet der Verband die bislang bekannten Bedingungen des in Schleswig-Holstein entwickelten Modells. Aus Sicht vieler Speicherbetreiber seien die vorgesehenen Einschränkungen wirtschaftlich und operativ nicht tragfähig. Zudem bestehe die Gefahr, dass FCA dazu genutzt werden, Defizite bei Digitalisierung, Transparenz und moderner Netzführung auszugleichen.
Windelen betonte, Speicher dürften nicht dauerhaft unter den Bedingungen einer veralteten Netzführung betrieben werden. Maßstab müsse vielmehr der aktuelle Stand moderner Netzsteuerung sein. Der vollständige Netzanschluss müsse weiterhin der Regelfall bleiben.
Der BVES kritisiert außerdem den Entwicklungsprozess bei Eon. Nach Angaben des Verbands ist die Speicherbranche zunächst in die Erarbeitung der FCA eingebunden worden. Dieser Dialog sei jedoch nicht konsequent fortgeführt worden. Vor einer flächendeckenden Einführung bei einem der größten Verteilnetzbetreiber Deutschlands sollten die Marktakteure erneut beteiligt werden.
Eon verspricht schnellere Anschlüsse
Eon verteidigt den neuen Standard. Der Essener Energiekonzern sieht in den flexiblen Netzanschlussverträgen einen wichtigen Baustein für die Integration von Batteriespeichern. Nach Unternehmensangaben liegen den Eon-Netzgesellschaften bereits Anschlusszusagen für rund 25.000 MW Speicherkapazität vor. Hinzu kämen Anfragen für weitere Projekte mit einer Leistung von mehr als 500.000 MW.
Nach Angaben von Eon basiert das Modell darauf, den Betrieb von Batteriespeichern stärker an die tatsächliche Netzauslastung und die Einspeisung erneuerbarer Energien anzupassen. In Zeiten hoher Auslastung können Netzbetreiber die Einspeise- oder Bezugsleistung zeitweise begrenzen. Im Gegenzug erhalten Betreiber einen schnelleren Netzanschluss.
Dialog für regionale Kriterien
Der BVES spricht sich gegen einen bundesweit einheitlichen Standardvertrag aus. Stattdessen schlägt der Verband einen Kriterienkatalog nach dem Baukastenprinzip vor. Demnach sollten nur jene Einschränkungen gelten, die im jeweiligen Netzgebiet tatsächlich erforderlich sind.
Darüber hinaus fordert der Verband eine Anpassung des Baukostenzuschusses. Da FCA die tatsächlich nutzbare Anschlusskapazität begrenzen, sollte nach Auffassung des BVES auch der Baukostenzuschuss entsprechend reduziert werden. Je stärker Speicherbetreiber netzdienliche Aufgaben übernehmen, desto höher solle die finanzielle Entlastung ausfallen.
Der Verband fordert deshalb einen erneuten Branchendialog zur Weiterentwicklung der FCA-Regeln. Ziel müsse es sein, die Integration von Speichern zu beschleunigen, die Systemstabilität zu stärken und gleichzeitig einseitige Festlegungen zu vermeiden.
Freitag, 19.06.2026, 13:49 Uhr
Susanne Harmsen
© 2026 Energie & Management GmbH