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Deutschland will LNG aus Patagonien einführen. Quelle sind Ölschiefervorkommen, die per Fracking erschlossen werden. Menschen vor Ort sorgen sich um ihr Trinkwasser.
Neuer deutscher Handelspartner für die Gasversorgung: Die staatliche Gesellschaft Securing Energy for Europe (Sefe) in Berlin hat mit dem argentinischen Unternehmen Southern Energy Anfang Dezember eine Absichtserklärung über eine achtjährige LNG-Lieferpartnerschaft unterzeichnet.
Sefe will ab 2027 über einen Zeitraum von acht Jahren jährlich bis zu zwei Millionen Tonnen (rund 30 TWh) verflüssigtes Erdgas (LNG) aus dem südamerikanischen Land beziehen. Das entspricht laut Sefe etwa einem Drittel der zukünftigen LNG-Jahresproduktion von Southern Energy.
Southern Energy ist ein Konsortium aus fünf Unternehmen, zu denen die staatliche Öl-Gesellschaft YPF gehört. Das Konsortium soll dem Vernehmen nach das erste groß angelegte LNG-Exportprojekt realisieren. Basis dafür sollen schwimmenden LNG-Terminals (FLNG) werden. Die Terminals sollen eine Gesamtkapazität von rund sechs Millionen Tonnen Verflüssigungsleistung jährlich haben.
Produktionsstart für Ende 2027 geplant
Der Produktionsstart für das erste FLNG ist für Ende 2027 vorgesehen. Beide Terminals chartert Southern Energy von Golar LNG, einem seiner Anteilseigner, wie es heißt. Die Terminals sollen 20 Jahre lang im Golf San Matias in der argentinischen Provinz Rio Negro zum Einsatz kommen.
Das Erdgas wird laut Medienberichten im patagonischen „Vaca Muerta“ (deutsch: Tote Kuh) gewonnen. „Vaca Muerta“ gehört geologisch zum Neuqunbecken. Das Becken gilt als eines der größten Ölschiefervorkommen weltweit. Um das Gas zu fördern, muss das Schiefergestein gefrackt werden.
Bewohner protestieren seit Langem gegen das Fracking, weil dadurch das Grundwasser beeinträchtigt werden kann. Und das in einer Region, die ihren Namen Tote Kuh nicht zuletzt der Tatsache verdankt, die sie weitgehend trocken ist und es an Trinkwasser mangelt.
Sefe will Umweltstandards verbindlich festgelegen
Sefe betont auf Anfrage der Redaktion, dass man „Umwelt- und Sozialbelange sehr ernst“ nehme. „Die unterzeichnete Absichtserklärung mit Southern Energy definiert den Rahmen für künftige LNG-Käufe. Konkrete Umweltauflagen und Standards werden im noch auszuhandelnden Kaufvertrag verbindlich festgelegt“, teilt eine Sprecherin des Unternehmens mit. Sefe setze sich dafür ein, „dass die Partnerschaft internationalen Umweltstandards entspricht und die Interessen der lokalen Bevölkerung gewahrt bleiben“.
Frederic Barnaud, CCO von Sefe, verweist auf die Versorgungssicherheit. „Unsere erste LNG-Partnerschaft mit einem südamerikanischen Lieferanten trägt nicht nur zur geografischen Diversifizierung unseres Bezugsportfolios bei, sondern stärkt auch die Energiesicherheit Europas“, wird er in einer Unternehmensmitteilung zitiert. Rodolfo Freyre, Vorsitzender von Southern Energy, nennt die Vereinbarung einen wichtigen „Meilenstein für die zukünftige Entwicklung der Gasvorkommen von Vaca Muerta“.
Dienstag, 9.12.2025, 09:23 Uhr
Manfred Fischer
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