Herr Grotholt, kürzlich haben Sie den Lifetime Award der Cogen Europe verliehen bekommen. Herzlichen Glückwunsch nachträglich! Welche Bedeutung hat diese Auszeichnung für Sie persönlich und welche für die Sichtbarkeit dezentraler Technologien im politischen Umfeld?Der Lifetime Award der Cogen Europe ist für mich persönlich eine große Ehre − aber vor allem ist er eine Auszeichnung für das gesamte Team. Der Erfolg der vergangenen drei Jahrzehnte beruht auf der Leidenschaft, Innovationskraft und Beharrlichkeit unserer Mitarbeiter sowie unserer Kunden, die uns zum Teil schon früh ihr Vertrauen schenkten. Herzlichen Dank dafür! Unser Anspruch war stets, technologische Entwicklungen am Puls der Zeit voranzutreiben und Kraft-Wärme-Kopplung kontinuierlich weiterzudenken. Dass dies nun gewürdigt wird, freut mich sehr.
Zugleich verstehe ich den Preis als Signal für die Bedeutung dezentraler Technologien insgesamt. KWK-Anlagen sind das verlässliche Rückgrat für Wind- und Solarenergie, weil sie Versorgungssicherheit und Systemstabilität gewährleisten. Ich hoffe, dass dieser volkswirtschaftliche Mehrwert in den anstehenden Debatten zum Strommarktdesign der Zukunft stärker berücksichtigt wird. Wir werden unseren innovationsgetriebenen Weg jedenfalls konsequent weitergehen.
Welche Anwendungsfelder bieten aus Ihrer Sicht künftig das größte Potenzial für dezentrale KWK-Systeme?Das größte Potenzial für dezentrale KWK-Systeme liegt künftig eindeutig in ihrer Rolle als flexible Back-up-Lösung für Wind und Sonne. Mit dem steigenden Anteil erneuerbarer Energien wächst der Bedarf an gesicherter, schnell verfügbarer Leistung. Genau hier spielen dezentrale Anlagen ihre Stärke aus. Gleichzeitig sind sie eine wichtige Option in der kommunalen Wärmeplanung, insbesondere in Kombination mit Großwärmepumpen und Speichern. Ihre besondere Qualität ist die Brennstoffflexibilität: Ob Biogas, Wasserstoff oder − übergangsweise − Erdgas, auch in variablen Mischverhältnissen, die Systeme lassen sich anpassen.
Vor allem der Stadtwerkesektor wird eine zentrale Rolle einnehmen, da er nahe am Kunden und an der Infrastruktur agiert. Aber auch in der klassischen Objektversorgung leisten KWK-Anlagen einen wichtigen Beitrag zur lokalen Netzstabilisierung und zur effizienten, wirtschaftlichen Energieversorgung. Die KWK mutierte in den vergangenen Jahren vom grauen Dauerläufer zum grünen Teamplayer.
Wie hat sich Ihre Sicht auf das zukünftige Energiesystem durch drei Jahrzehnte unternehmerische Arbeit verändert?Als wir 1995 gestartet sind, war der Energiemarkt von großen zentral organisierten Kraftwerken geprägt. Kaum jemand hätte damals erwartet, dass erneuerbare Energien und dezentrale Versorgungsstrukturen einmal systemrelevant sein würden. Diese Entwicklung hat mir gezeigt, wie entscheidend politische Weichenstellungen, Pioniergeist bei Investoren und Innovation, unternehmerischer Mut und ein starkes Team auf der Anbieterseite sind. Fortschritt entsteht dort, wo Technologieoffenheit und Kreativität aufeinandertreffen.
Auch wenn die öffentliche Debatte bis heute von Skepsis begleitet wird, bin ich überzeugt, dass die Energiewende enorme Chancen für den Wirtschaftsstandort Deutschland bietet − sowohl für Anbieter und Betreiber von Kraftwerken und Energiespeichern als auch für die Abnehmer von elektrischer und thermischer Energie. Unser Antrieb bei 2G Energy bleibt das Zieldreieck der Energiewende. Wir wollen dazu beitragen, Mensch und Ökonomie sicher, umweltfreundlich und wirtschaftlich mit Energie zu versorgen.
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Christian Grotholt ist Gründer und ehemaliger CEO der 2G Energy AG mit Sitz in Heek (Nordrhein-Westfalen) Quelle: 2G Energy |
Montag, 27.04.2026, 08:16 Uhr
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