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Öffentliche Versorgungsrücklagen und Pensionsfonds von Bund und Ländern könnten laut Stiftung Klimaneutralität höhere Erträge erzielen und Milliarden in Energienetze investieren.
Öffentliche Versorgungsrücklagen und Pensionsfonds von Bund und Ländern könnten ihre jährlichen Erträge durch eine veränderte Anlagestrategie um rund 1,9 Milliarden Euro steigern. Gleichzeitig ließen sich rund 6 Milliarden Euro für den Ausbau deutscher Strom- und Wärmenetze mobilisieren. Zu diesem Ergebnis kommt ein neues Gutachten der Stiftung Klimaneutralität, einer 2020 in Berlin gegründeten Denkfabrik.
Nach Angaben der Stiftung verwalten die betrachteten Fonds derzeit rund 126 Milliarden Euro. Viele dieser Rücklagen folgten jedoch weiterhin Anlagerichtlinien, die auf den 1990er Jahren basierten. Co-Autor Frederik Digulla, Lead Advisor der Stiftung Klimaneutralität, sieht darin ungenutztes Potenzial.
Eine Modernisierung der Portfolios nach dem Vorbild des Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung (Kenfo) oder der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) könne sowohl die Rendite erhöhen als auch Kapital für den Netzausbau bereitstellen. Zusätzliche Haushaltsmittel seien dafür nicht erforderlich.
Fünf Prozent der Anlagen in die EnergieinfrastrukturGrundlage der Analyse ist ein Vergleich deutscher Versorgungsrücklagen und Pensionsfonds mit internationalen Pensions- und Staatsfonds sowie den bereits modernisierten deutschen Fonds Kenfo und VBL. Daraus leiten die Autoren eine Referenzallokation ab.
Diese sieht einen Anteil von 50 Prozent Aktien, 25 Prozent verzinslichen Anlagen sowie 25 Prozent privaten Märkten und Infrastrukturinvestitionen vor. Zehn Prozentpunkte des Gesamtportfolios sollen demnach in Deutschland investiert werden, davon die Hälfte in Energieinfrastruktur.
Nach Berechnungen der Autoren sind die untersuchten Fonds derzeit im Durchschnitt zu rund 36 Prozent in Aktien und zu 64 Prozent in Anleihen investiert. Eine Umschichtung auf die vorgeschlagene Portfolioaufteilung würde die erwartete jährliche Rendite um etwa 1,5 Prozentpunkte erhöhen. Das entspreche zusätzlichen Erträgen von rund 1,9 Milliarden Euro pro Jahr. Den größten Beitrag dazu leisteten Investitionen in private Märkte und Infrastruktur, gefolgt von einer höheren Aktienquote.
Sechs Milliarden Euro für InvestitionenAus der vorgeschlagenen Allokation ergäbe sich laut Gutachten ein Investitionsvolumen von rund 6 Milliarden Euro für den Ausbau der Strom- und Wärmenetze. Nach Angaben der Stiftung Klimaneutralität könnte damit ein erheblicher Teil der Eigenkapitallücke kommunaler Energieversorger geschlossen werden. Diese belaufe sich bis 2035 auf mindestens 13 Milliarden Euro.
Grundlage dafür sei eine frühere Analyse von Agora Energiewende, der Stiftung Klimaneutralität und Dezernat Zukunft. Die Autoren sprechen sich zudem für einen sogenannten Public-Investor-Pool aus. Anders als ein im Zusammenhang mit dem Deutschlandfonds diskutierter Private-Investor-Pool benötige ein solcher Ansatz mit öffentlichem Kapital nach ihrer Einschätzung keine zusätzlichen staatlichen Garantien.
Effizienteres Management vorhandenen KapitalsÖffentliche Fonds verfügten über einen langfristigen Anlagehorizont und könnten Beteiligungen an der heimischen Energieinfrastruktur als strategische Investition bewerten. Private Investoren wie Versicherungen könnten sich später zu denselben Bedingungen beteiligen. Digulla betont, dass es nicht um zusätzliche staatliche Ausgaben gehe, sondern um ein effizienteres Management vorhandenen Kapitals.
Eine dauerhaft um 1,5 Prozentpunkte höhere Rendite auf ein Vermögen von 126 Milliarden Euro könne über mehrere Jahrzehnte hinweg einen zweistelligen Milliardenbetrag erwirtschaften und damit die Haushalte von Bund und Ländern entlasten. „Voraussetzung ist jedoch, dass Bund und Länder ihre Anlagerichtlinien für die öffentlichen Versorgungsrücklagen entsprechend anpassen“, so Digulla.
Das
Gutachten von Frederik Digulla und Johannes Schroeten steht im Internet bereit.
(sh)
Mittwoch, 15.07.2026, 14:18 Uhr
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