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Die EU-Kommission fordert Mitgliedstaaten zu früher Gasspeicherbefüllung auf, während die Deneff in Deutschland Effizienzmaßnahmen als Alternative zu strategischen Reserven vorschlägt.
Die Europäische Kommission hat die Mitgliedstaaten aufgefordert, bereits im April mit der Befüllung ihrer Gasspeicher zu beginnen. Hintergrund sind gestiegene Risiken für die Gasversorgung infolge des Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran. Laut der Kommission sollen die Staaten damit frühzeitig auf mögliche Marktverwerfungen reagieren.
Die Gaspreise in Europa sind seit Beginn der militärischen Eskalation am 28.
Februar deutlich gestiegen. Nach Angaben der Kommission legten sie um mehr als 70
Prozent zu. EU-Energiekommissar Dan Jorgensen rief die Mitgliedstaaten dazu auf, bestehende Flexibilitätsregelungen im EU-Recht zu nutzen. Diese erlauben es, das Speicherziel vor dem Winter von regulär 90
Prozent auf 80
Prozent der Kapazität abzusenken.
Die Füllstände der Gasspeicher liegen derzeit deutlich unter dem saisonalen Durchschnitt. Nach Daten des Branchenverbands Gas Infrastructure Europe (GIE), der die Infrastrukturbetreiber in Europa vertritt und ebenfalls in Brüssel ansässig ist, sind die Speicher aktuell nur zu 28
Prozent gefüllt. In einzelnen Ländern ist die Lage noch angespannter: In den Niederlanden etwa beträgt der Füllstand lediglich rund sechs Prozent der Kapazität.
Versorgungssicherheit durch EffizienzParallel zur europäischen Debatte über Speicherziele nimmt in Deutschland die Diskussion über die Versorgungssicherheit Fahrt auf. Die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff), ein Netzwerk von Unternehmen mit Fokus auf Energieeffizienz mit Sitz in Berlin, spricht sich gegen den Aufbau zusätzlicher physischer Gasreserven aus und schlägt stattdessen eine sogenannte Effizienzreserve vor.
Der Branchenverband Initiative Energien Speichern (Ines), der Betreiber von Gasspeichern in Deutschland vertritt, hatte zuvor eine strategische Gasreserve von rund 78
Milliarden kWh ins Gespräch gebracht. Laut Schätzungen könnten dafür zusätzliche Kosten von zwei bis vier Milliarden Euro entstehen. Die Deneff sieht darin jedoch keinen nachhaltigen Ansatz.
Geschäftsführer Christian Noll erklärte, es sei nicht zielführend, weiterhin erhebliche Mittel in den Import fossiler Energieträger zu investieren. Stattdessen solle die Politik stärker auf Effizienzmaßnahmen setzen, die den Energieverbrauch dauerhaft senken und gleichzeitig die heimische Wertschöpfung stärken.
Kurzfristige Maßnahmen umsetzenNach Angaben des Verbandes könnten bereits kurzfristig umsetzbare Maßnahmen Einsparungen in einer ähnlichen Größenordnung wie die diskutierte Gasreserve ermöglichen. Etwa ein Drittel dieser Potenziale lasse sich innerhalb eines Jahres realisieren, die volle Wirkung innerhalb von zwei bis drei Jahren.
Im Gebäudesektor könnten demnach Maßnahmen wie die Optimierung von Heizungssteuerungen oder Verbesserungen an der Gebäudehülle bereits im ersten Jahr Einsparungen von bis zu 10
Milliarden kWh bringen. Auch in der Industrie sieht die Initiative kurzfristige Potenziale: Effizientere Nutzung von Prozesswärme, Druckluft oder Antriebssystemen könne ebenfalls Einsparungen von bis zu 10
Milliarden kWh ermöglichen. Ergänzend könnten Maßnahmen im Verkehrssektor die Abhängigkeit von Energieimporten weiter reduzieren.
Die Deneff kritisiert zudem politische Überlegungen, bestehende Effizienzvorgaben wie das Gebäudeenergiegesetz oder das Energieeffizienzgesetz abzuschwächen. Dies wäre aus Sicht der Organisation ein falsches Signal angesichts der aktuellen geopolitischen Lage.
Freitag, 27.03.2026, 13:45 Uhr
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