Studie zum Netzanschlusspaket. Quelle: E-Bridge
E-Bridge hat im Auftrag des BMWE Priorisierungskriterien und regionale Engpässe untersucht, um Netz- und EE-Ausbau besser zu koordinieren.
Die Nachfrage nach Netzanschlusskapazität wächst in Deutschland schneller als die verfügbaren Kapazitäten. Das zeigt eine Analyse von E-Bridge Consulting im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWE). Die Unternehmensberatung hat zwei Instrumente des geplanten Netzanschlusspakets untersucht: Kriterien für die Priorisierung konkurrierender Anschlussbegehren sowie eine Datengrundlage für die regionale Koordination von Netzen und Erneuerbaren-Ausbau.
Das Netzanschlusspaket soll die Verfahren an die steigende Anschlussnachfrage anpassen und knappe Kapazitäten effizienter nutzen. Zugleich soll der Ausbau von Erzeugungsanlagen, Netzen, Speichern und Verbrauchern stärker am Nutzen für das Energiesystem ausgerichtet werden. E-Bridge hat die beiden Analysen am 10.
September veröffentlicht.
Sieben Kriterien für AnschlussbegehrenNach Angaben von E-Bridge führen insbesondere Batteriespeicher, Rechenzentren sowie die zunehmende Elektrifizierung von Industrie, Wärmeversorgung und Verkehr zu einer wachsenden Konkurrenz um Netzanschlüsse. In vielen Netzgebieten übersteigt die Nachfrage die verfügbaren Kapazitäten. Die Vergabe müsse deshalb transparent, diskriminierungsfrei und nachvollziehbar erfolgen.
Das BMWE sieht dafür im Netzanschlusspaket einen Rahmen für die Priorisierung von Anschlussbegehren vor. Netzbetreiber sollen bei konkurrierenden Anfragen künftig zusätzliche Kriterien berücksichtigen können, anstatt die Anschlüsse ausschließlich nach dem Windhundprinzip zu vergeben.
E-Bridge hat den vom BMWE vorgeschlagenen „Werkzeugkasten“ mit sieben Priorisierungskriterien fachlich analysiert und anhand von Anwendungsbeispielen aus der Netzpraxis erläutert. Die Kriterien sollen abhängig von Netzebene, regionaler Situation und Art der Anschlusskonkurrenz eingesetzt werden können. Ziel sei es, knappe Anschlusskapazitäten stärker nach systemischen Gesichtspunkten zu vergeben.
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Kriterien zur Priorisierung von Netzanschlüssen (zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken) Quelle: E-Bridge |
Engpässe konzentrieren sich auf HotspotsFür ein weiteres Instrument des Netzanschlusspakets hat E-Bridge gemeinsam mit dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und 21 Hochspannungsnetzbetreibern rund 3.000 Umspannwerke untersucht. Die Auswertung soll eine deutschlandweit konsistente Datengrundlage für eine regionale Steuerung des Ausbaus erneuerbarer Energien liefern.
Das geplante Instrument soll Anreize schaffen, neue Erzeugungsanlagen bevorzugt dort zu errichten, wo ausreichend Netzkapazität vorhanden ist und der erzeugte Strom weitgehend ohne Abregelung aufgenommen werden kann. Damit sollen Netz- und Erneuerbaren-Ausbau stärker aufeinander abgestimmt werden.
Die Untersuchung zeigt laut E-Bridge, dass sich Kapazitätsbegrenzungen auf vergleichsweise wenige regionale Gebiete konzentrieren. Rund sechs
Prozent der untersuchten Umspannwerke seien für Windenergie kapazitätslimitiert. Bei Photovoltaik liege der Anteil bei rund fünf
Prozent.
Gleichzeitig haben diese Netzgebiete eine hohe Bedeutung für den Redispatch. Nach den Ergebnissen entfallen rund 72
Prozent des zusätzlichen Redispatch-Bedarfs auf die identifizierten Gebiete. Daraus leitet E-Bridge ab, dass ein regional ausgerichtetes Steuerungsinstrument gezielt dort ansetzen könne, wo Netzengpässe besonders relevant sind.
Erneuerbare Anlagen oft nicht betroffenDer überwiegende Teil des Ausbaus erneuerbarer Energien wäre demnach von einer solchen Steuerung nicht betroffen. Nach Einschätzung von E-Bridge könnten die Anreize dazu beitragen, erneuerbare Erzeugung besser in das bestehende Netz zu integrieren und Redispatch-Mengen zu reduzieren. Dadurch könnten auch Systemkosten und damit verbundene CO2-Emissionen sinken.
„Das Netzanschlusspaket schafft einen neuen Rahmen, um den Ausbau von Netzen, Erzeugungsanlagen, Speichern und Verbrauchern besser aufeinander abzustimmen“, erläutert Henning Schuster, Geschäftsführer von E-Bridge Consulting. Die Aufgabe seines Unternehmens habe darin bestanden, dafür belastbare fachliche Grundlagen zu erarbeiten.
Die Analysen zeigten, dass sowohl transparente Priorisierungskriterien als auch die gezielte Berücksichtigung struktureller Netzengpässe dazu beitragen könnten, Anschlusskapazitäten effizienter zu nutzen und die Integration erneuerbarer Energien zu verbessern, erklärte Schuster.
Beide E-Bridge Analysen stehen als Hintergrundpapiere zum Download bereit. (sh)
Freitag, 11.09.2026, 09:20 Uhr
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