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Der Verband Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft diskutierte mit dem dänischen Thinktank Concito Erfahrungen zur gesellschaftlichen Akzeptanz von CCS und Lehren daraus für Deutschland.
Der Aufbau einer Infrastruktur für Transport und Speicherung von CO2 gilt als Voraussetzung für funktionierende Wertschöpfungsketten im Kohlenstoffmanagement. Neben der technischen Machbarkeit rückt jedoch die gesellschaftliche Akzeptanz in den Fokus. Wie sich diese entwickeln lässt, stand im Zentrum eines Webinars am 17. Februar, organisiert vom Verband „Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft“ und der Deutschen Carbon Management Initiative.
Hilmar Girnus von Navos – Public Dialogue Consultants ordnete die Debatte als gesellschaftliche Frage ein. Die Akzeptanz der CO2-Speicherung an Land sei häufig eine klassische Diskussion von: „Nicht in meinem Hinterhof“. CO2 bleibe für viele Menschen ein unbekanntes Thema, weshalb Aufklärung und Kommunikation früh einsetzen müssten. Laut einer Ende 2025 veröffentlichten Civey-Umfrage befürworten nur 28 Prozent der Befragten CCS, davon neun Prozent ausschließlich unter dem Meer. 25 Prozent lehnen CCS grundsätzlich ab, 29 Prozent geben an, nichts darüber zu wissen.
Daher brauche es politische Unterstützung vom Bund über die Länder bis zur kommunalen Ebene, um das Thema populär zu machen. Er zitierte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), die nach dem Beschluss zum CCS-Gesetz sagte: „Jetzt brauchen wir Mutige, die vorangehen.“ Mit Blick auf die anstehende nationale Gesetzgebung in Deutschland fehle eine geschlossene Haltung der verschiedenen politischen Ebenen, bedauerte Girnus.
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Umfragen zu Akzeptanz von CCS in Deutschland. Zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken Quelle: BVEG |
Dänemark als BeispielErfahrungen aus Dänemark und Kommunikations- und Beteiligungsstrategien, die sich in der Praxis bewährt haben, trug Tobias Johan Sorensen Senior Analyst beim dänischen Klima-Thinktank Concito bei. Auch hier hätten Menschen durchaus Vorbehalte gegen eine CO2-Einlagerung, besonders in ihrem direkten Lebensumfeld, sagte er. Allerdings seien diese oftmals praktischer Natur, da die dänische Politik seit sieben Jahren CCS vorantreibt.
Die gesellschaftliche Debatte in Dänemark zeigt laut Sorensen vielfältige Bedenken. Bürger äußern Sorgen zu Umwelt- und Sicherheitsfragen, Verkehr oder Auswirkungen auf Immobilienwerte. Andere kritisieren mögliche CO2-Importe aus Nachbarländern oder befürchten eine Verlängerung der Nutzung fossiler Energieträger. Auch Fragen nach Vertrauen in Behörden und Experten spielen eine Rolle.
Das Land habe aber seit 2020 konsequent rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen für CCS geschaffen und die Offshore-Entwicklung vorangetrieben, erläuterte Sorensen. 2024 vergab der Staat erste Onshore-Explorationslizenzen. Im Rahmen des Projekts Greenstore laufen seismische Untersuchungen auf einer Fläche von 500 Quadratkilometern.
Seit 2020 Gesetze erlassenPolitisch legte Dänemark bereits 2019 mit der sogenannten „Klimawahl“ den Grundstein. 2020 verabschiedete das Parlament ein Klimagesetz mit dem Ziel, die Emissionen bis 2030 um 70 Prozent zu senken. Der Dänische Rat für Klimawandel empfahl, alle verfügbaren Instrumente parallel einzusetzen – einschließlich CCS.
Zwischen 2020 und 2022 vereinbarte die Politik drei Förderprogramme mit einem Volumen von insgesamt fünf Milliarden Euro für den Zeitraum 2025 bis 2046.
Ergänzend führte das Land eine CO2-Steuer von 13 bis 100 Euro pro Tonne zusätzlich zum EU-Emissionshandel ein. Die nationale CCS-Strategie von 2021 sieht vor, Dänemark zu einem europäischen CO2-Speicherzentrum zu entwickeln. Der Staat schrieb drei Offshore-Explorationslizenzen aus, die 2023 vergeben wurden. 2024 folgte ein Pipeline-Gesetz, einschließlich Regelungen zum CO2-Transport. Schon ab diesem Jahr erwartet die Regierung erste CCS-Wertschöpfungsketten im Betrieb, unter anderem mit Beteiligung des Energieunternehmens Orsted.
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Uberblick über lizenzierte CO2-Lagerstätten in Dänemark. Zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken Quelle: Nordseefond Dänemark |
CCS auch an Land in VorbereitungParallel dazu sondierte die staatlich, geologische Behörde GEUS geeignete Speicherstandorte und führte Gespräche mit Kommunen. Acht Gebiete wurden für Umweltprüfungen ausgewählt, fünf an Land und drei küstennah. Laut vorgelegtem Arbeitsprogramm soll 2030 die erste CO2-Speicherung an Land starten.
Sorensen betont, dass frühe und kontinuierliche Beteiligung entscheidend sei. Kommunen sollten lokale Prioritäten einbeziehen und prüfen, ob Projekte regionale Wertschöpfung schaffen können, etwa durch Zahlungen pro gespeicherter Tonne CO2 an die Gemeinde. Ziel sei nicht, alle zu überzeugen, sondern transparente Prozesse zu etablieren. Zudem sei eine breite politische Unterstützung auf nationaler und lokaler Ebene notwendig. Diese wünschte sich abschließend
Hilmar Girnus auch in Deutschland.
Dienstag, 17.02.2026, 14:58 Uhr
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