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Energie & Management > Wirtschaft - Baywa will Energiegeschäft loswerden
Die Zentrale der Baywa in München. Quelle: Baywa
Wirtschaft

Baywa will Energiegeschäft loswerden

Der Baywa-Konzern will nun auch die Sparte Wärme und Mobilität veräußern. Parallel soll die Erneuerbaren-Tochter Baywa Re an einen „Transformations-Gesellschafter“ gehen. 
Die Baywa AG hat sich mit ihren wichtigsten Finanzierungspartnern und den beiden Großaktionären Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG sowie Raiffeisen Agrar Invest AG auf die Eckpunkte einer neuen Sanierungsvereinbarung verständigt. Das geht aus einer Ad-hoc-Meldung des Konzerns hervor. Die Vereinbarung soll die bislang geltende Sanierung fortschreiben und den Zeitraum bis Ende 2030 verlängern.

Zur Absicherung der Finanzierungspartner sollen die beiden Großaktionäre ihre zusammen rund 67,1 Prozent der Baywa-Aktien auf einen Treuhänder übertragen. Voraussetzung dafür ist eine Befreiung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht von den Vorgaben des Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetzes.

Im operativen Geschäft will sich die Baywa künftig auf die Bereiche Agrar, Technik und Baustoffe konzentrieren und sich vollständig aus dem Energiegeschäft zurückziehen. Was neu am Sanierungsplan ist: Der Geschäftsbereich „Wärme und Mobilität“ soll demnach nun bis Ende 2029 veräußert werden. Das umfasst mehrere Geschäfte vom Heizöl- und Holzpelletverkauf bis zum Bau von Ladeparks. 

Die Erlöse will das Unternehmen überwiegend für den Abbau seiner Finanzverbindlichkeiten einsetzen. Zur Verbesserung der Refinanzierungsmöglichkeiten sollen die Geschäftsbereiche Agrar und Technik in eine Tochtergesellschaft eingebracht werden.

Baywa Re verlässt den Konsolidierungskreis

Parallel zur Sanierung der Baywa wird auch die Restrukturierung der Erneuerbaren-Gesellschaft Baywa Re fortgesetzt. Baywa und der Mitgesellschafter Energy Infrastructure Partners (EIP) wollen ihre Anteile an einen „Transformations-Gesellschafter“ übertragen, schreibt die Baywa in ihrer Mitteilung − nennt aber keinen Namen. Dieser soll die Restrukturierung begleiten und anschließend den Verkauf der Beteiligung vorbereiten. Damit soll die Baywa Re aus dem Konzernabschluss der Baywa entkonsolidiert werden.

Die Finanzierungspartner erwarten, Finanzverbindlichkeiten von bis zu 900 Millionen Euro vollständig aus den Erlösen des Verkaufs der Baywa Re-Anteile zurückzuführen. Sollten die Erlöse geringer ausfallen, fließt der verbleibende Betrag ebenfalls in das nachrangige Finanzierungsinstrument ein.

Die Details zur künftigen Eigentümerstruktur sollen „in wenigen Wochen“ kommuniziert werden, wie es in einer Mail des Baywa-Re-Chefsanierers Hans-Joachim Ziems an die Führungskräfte der Gesellschaft heißt, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Bislang ist die Erneuerbaren-Tochter ein Gemeinschaftsunternehmen der Mutter Baywa AG und des Schweizer Investors EIP. „Damit setzen wir unsere Transformation noch zügiger fort, und zwar in Eigenregie“, schreibt Ziems.

Contracting-Gesellschaft bereits verkauft

Bereits im November vergangenen Jahres hatte die Baywa die Tochtergesellschaft „BayWa Energie Dienstleistungs GmbH“ (EDL) an den Düsseldorfer Energiedienstleister EGC verkauft und dafür einen „zweistelligen Millionen Euro-Betrag“ erhalten (wir berichteten). 

Die auf den Betrieb von Biomasse-Heizungsanlagen und Nahwärmenetzen spezialisierte Tochtergesellschaft EDL mit Sitz in München wurde im Jahr 2009 gegründet. Das Unternehmen betreibt an 52 Standorten Wärmeerzeugungsanlagen, die vorwiegend durch Biomasse (Holzpellets und -hackschnitzel) betrieben werden und jährlich rund 51,2 Millionen kWh Wärme erzeugen. EDL betreut eine breite Kundenbasis – insbesondere Kommunen und öffentliche Auftraggeber. Die Projektstandorte befinden sich vor allem in Bayern. 

Enttäuschte Hoffnungen

Der Baywa-Konzern war 2009 unter Regie des früheren Vorstandschefs Klaus Josef Lutz mit großen Hoffnungen in das Geschäft mit erneuerbaren Energien eingestiegen. Entwicklung und Betrieb von Solar- und Windparks sollten zu einem zweiten Standbein des bis dahin weitgehend auf den Agrarhandel spezialisierten Münchner Konzerns werden. 

In den Jahren 2023 und 2024 gerieten die Muttergesellschaft Baywa AG und Tochterunternehmen jedoch in Schwierigkeiten: Die AG konnte die Zinskosten der über fünf Milliarden Euro Finanzschulden nicht mehr tragen, die der Konzern im Zuge der von Lutz geleiteten kreditfinanzierten Auslandsexpansion aufgehäuft hatte. Die Baywa Re hatte ihr Geschäft ebenfalls mithilfe von Darlehen aufgebaut, und wurde außerdem von der US-Politik in Mitleidenschaft gezogen. Präsident Donald Trumps Kürzung der Zuschüsse für den Ausbau der erneuerbaren Energien verhagelte dem Unternehmen den Ausblick. Deren Vorstand geht aber davon aus, dass das Unternehmen bereits im nächsten Jahr einen operativen Gewinn erwirtschaften kann.

Freitag, 3.07.2026, 12:29 Uhr
Heidi Roider und dpa
Energie & Management > Wirtschaft - Baywa will Energiegeschäft loswerden
Die Zentrale der Baywa in München. Quelle: Baywa
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Der Baywa-Konzern will nun auch die Sparte Wärme und Mobilität veräußern. Parallel soll die Erneuerbaren-Tochter Baywa Re an einen „Transformations-Gesellschafter“ gehen. 
Die Baywa AG hat sich mit ihren wichtigsten Finanzierungspartnern und den beiden Großaktionären Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG sowie Raiffeisen Agrar Invest AG auf die Eckpunkte einer neuen Sanierungsvereinbarung verständigt. Das geht aus einer Ad-hoc-Meldung des Konzerns hervor. Die Vereinbarung soll die bislang geltende Sanierung fortschreiben und den Zeitraum bis Ende 2030 verlängern.

Zur Absicherung der Finanzierungspartner sollen die beiden Großaktionäre ihre zusammen rund 67,1 Prozent der Baywa-Aktien auf einen Treuhänder übertragen. Voraussetzung dafür ist eine Befreiung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht von den Vorgaben des Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetzes.

Im operativen Geschäft will sich die Baywa künftig auf die Bereiche Agrar, Technik und Baustoffe konzentrieren und sich vollständig aus dem Energiegeschäft zurückziehen. Was neu am Sanierungsplan ist: Der Geschäftsbereich „Wärme und Mobilität“ soll demnach nun bis Ende 2029 veräußert werden. Das umfasst mehrere Geschäfte vom Heizöl- und Holzpelletverkauf bis zum Bau von Ladeparks. 

Die Erlöse will das Unternehmen überwiegend für den Abbau seiner Finanzverbindlichkeiten einsetzen. Zur Verbesserung der Refinanzierungsmöglichkeiten sollen die Geschäftsbereiche Agrar und Technik in eine Tochtergesellschaft eingebracht werden.

Baywa Re verlässt den Konsolidierungskreis

Parallel zur Sanierung der Baywa wird auch die Restrukturierung der Erneuerbaren-Gesellschaft Baywa Re fortgesetzt. Baywa und der Mitgesellschafter Energy Infrastructure Partners (EIP) wollen ihre Anteile an einen „Transformations-Gesellschafter“ übertragen, schreibt die Baywa in ihrer Mitteilung − nennt aber keinen Namen. Dieser soll die Restrukturierung begleiten und anschließend den Verkauf der Beteiligung vorbereiten. Damit soll die Baywa Re aus dem Konzernabschluss der Baywa entkonsolidiert werden.

Die Finanzierungspartner erwarten, Finanzverbindlichkeiten von bis zu 900 Millionen Euro vollständig aus den Erlösen des Verkaufs der Baywa Re-Anteile zurückzuführen. Sollten die Erlöse geringer ausfallen, fließt der verbleibende Betrag ebenfalls in das nachrangige Finanzierungsinstrument ein.

Die Details zur künftigen Eigentümerstruktur sollen „in wenigen Wochen“ kommuniziert werden, wie es in einer Mail des Baywa-Re-Chefsanierers Hans-Joachim Ziems an die Führungskräfte der Gesellschaft heißt, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Bislang ist die Erneuerbaren-Tochter ein Gemeinschaftsunternehmen der Mutter Baywa AG und des Schweizer Investors EIP. „Damit setzen wir unsere Transformation noch zügiger fort, und zwar in Eigenregie“, schreibt Ziems.

Contracting-Gesellschaft bereits verkauft

Bereits im November vergangenen Jahres hatte die Baywa die Tochtergesellschaft „BayWa Energie Dienstleistungs GmbH“ (EDL) an den Düsseldorfer Energiedienstleister EGC verkauft und dafür einen „zweistelligen Millionen Euro-Betrag“ erhalten (wir berichteten). 

Die auf den Betrieb von Biomasse-Heizungsanlagen und Nahwärmenetzen spezialisierte Tochtergesellschaft EDL mit Sitz in München wurde im Jahr 2009 gegründet. Das Unternehmen betreibt an 52 Standorten Wärmeerzeugungsanlagen, die vorwiegend durch Biomasse (Holzpellets und -hackschnitzel) betrieben werden und jährlich rund 51,2 Millionen kWh Wärme erzeugen. EDL betreut eine breite Kundenbasis – insbesondere Kommunen und öffentliche Auftraggeber. Die Projektstandorte befinden sich vor allem in Bayern. 

Enttäuschte Hoffnungen

Der Baywa-Konzern war 2009 unter Regie des früheren Vorstandschefs Klaus Josef Lutz mit großen Hoffnungen in das Geschäft mit erneuerbaren Energien eingestiegen. Entwicklung und Betrieb von Solar- und Windparks sollten zu einem zweiten Standbein des bis dahin weitgehend auf den Agrarhandel spezialisierten Münchner Konzerns werden. 

In den Jahren 2023 und 2024 gerieten die Muttergesellschaft Baywa AG und Tochterunternehmen jedoch in Schwierigkeiten: Die AG konnte die Zinskosten der über fünf Milliarden Euro Finanzschulden nicht mehr tragen, die der Konzern im Zuge der von Lutz geleiteten kreditfinanzierten Auslandsexpansion aufgehäuft hatte. Die Baywa Re hatte ihr Geschäft ebenfalls mithilfe von Darlehen aufgebaut, und wurde außerdem von der US-Politik in Mitleidenschaft gezogen. Präsident Donald Trumps Kürzung der Zuschüsse für den Ausbau der erneuerbaren Energien verhagelte dem Unternehmen den Ausblick. Deren Vorstand geht aber davon aus, dass das Unternehmen bereits im nächsten Jahr einen operativen Gewinn erwirtschaften kann.

Freitag, 3.07.2026, 12:29 Uhr
Heidi Roider und dpa

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