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Der europäische Markt für private Solaranlagen wächst kaum noch. Eine Studie sieht den Sektor in einer Konsolidierungsphase mit neuen Schwerpunkten bei Speichern und Energiemanagement.
Der europäische Markt für Photovoltaikanlagen im Privatkundensegment hat nach Einschätzung der Quadriga Hochschule Berlin eine Phase des tiefgreifenden Strukturwandels erreicht. Nach dem Nachfrageboom der Jahre 2022 und 2023 seien sinkende Strompreise, gestiegene Zinsen und eine schwächere Konjunktur die wesentlichen Ursachen dafür, dass sich das Wachstum deutlich verlangsamt habe. Aus einem Nachfrageüberhang sei inzwischen ein Angebotsüberhang geworden. Gleichzeitig würden neue Geschäftsmodelle und ergänzende Energietechnologien an Bedeutung gewinnen.
Ziel der inzwischen zum dritten Mal veröffentlichten Studie sei es, mehr Transparenz über die größten Anbieter im europäischen B2C-Solarmarkt zu schaffen, so die Autoren in ihrer Vorbemerkung. Da zahlreiche Unternehmen jedoch keine oder nur unvollständige Angaben zu Umsatz- und Installationszahlen gemacht hätten, stütze sich die Auswertung neben Unternehmensangaben nun auch auf Pressemitteilungen, Medienberichte und Unternehmenswebseiten. Teilweise seien Schätzungen erforderlich gewesen. Wegen der lückenhaften Datenbasis verzichteten die Autoren in diesem Jahr auf ein Ranking der Anbieter.
Während der europäische Photovoltaikzubau 2023 noch um 53 Prozent gewachsen sei, habe das Wachstum 2024 lediglich 4 Prozent betragen. Für 2025 verzeichnet die Studie mit 65.600 MW neu installierter Leistung sogar einen Rückgang um 0,7 Prozent. Besonders stark betroffen sei das Privatkundensegment. Der Anteil neuer Dachanlagen für Wohngebäude an den europaweit installierten Solarkapazitäten habe sich in zwei Jahren von 28 auf 14 Prozent halbiert.
Nach Einschätzung der Autoren handelt es sich dabei jedoch nicht um einen allgemeinen Markteinbruch, sondern um eine Verschiebung der Schwerpunkte. Während klassische Dachanlagen für Eigenheime an Dynamik verlieren, nehmen Speicher, große Freiflächenanlagen, Hybridlösungen aus Photovoltaik und Batteriespeichern sowie Flexibilitäts- und Energiemanagementlösungen an Bedeutung zu.
Besondere Impulse gingen in Deutschland vom Solarspitzengesetz aus. Die neuen Vorgaben zur Einspeisebegrenzung sowie zum Umgang mit negativen Strompreisen erhöhten den Bedarf an intelligenten Messsystemen, Steuerungstechnik und Speichern. Der Markt werde damit nicht kleiner, sondern strukturell neu ausgerichtet.
Weiterhin stark fragmentierter Markt
Auch das Elektrohandwerk spüre die Entwicklung. Die Zahl der von Betrieben des Elektrohandwerks installierten Photovoltaikanlagen sei 2025 laut Studie von 400.000 auf 355.000 zurückgegangen. Im Segment der Gebäude-PV habe das Minus rund 10 Prozent betragen. Dennoch entfielen weiterhin etwa 72 Prozent aller Neuinstallationen bei Dachanlagen auf diese Betriebe.
Insgesamt bleibe der Markt stark fragmentiert. Die Installation von Solaranlagen sei weiterhin überwiegend regional organisiert, da nationale Förder- und Regulierungsregeln sowie die lokale Kundenbetreuung grenzüberschreitende Skaleneffekte erschwerten. Europaweit dominierten daher nach wie vor kleine und mittelständische Installationsbetriebe. Gleichzeitig versuchten größere Anbieter wie Enpal, Einskommafünfgrad oder Eon, sich über Plattformmodelle, standardisierte Prozesse sowie die Kombination von Photovoltaik, Wärmepumpen, Speichern und Energiemanagement Marktanteile zu sichern.
Zunehmend wichtiger würden außerdem digitale Plattformen und virtuelle Kraftwerke. Die Studie verweist unter anderem auf Octopus Energy mit seiner Plattform Kraken, auf Heartbeat AI von Einskommafünfgrad sowie auf Enpal One Plus, das nach Unternehmensangaben mehr als 40.000 Haushalte in Deutschland vernetzt.
Parallel dazu hätten Insolvenzen, Restrukturierungen und Geschäftsaufgaben seit 2024 insbesondere kleinere oder stark auf das klassische Privatkundengeschäft ausgerichtete Unternehmen getroffen. Nach Angaben der Autoren werden dennoch rund 80 Prozent aller Solaranlagen weiterhin von lokalen Betrieben installiert.
Die Studie sieht zugleich eine zunehmende Differenzierung zwischen den Marktteilnehmern. Unternehmen mit integrierten Geschäftsmodellen, die neben Photovoltaik auch Speicher, Wärmepumpen, Energiemanagement und Serviceleistungen anböten, könnten ihre Position ausbauen. Anbieter, deren Geschäftsmodell überwiegend auf dem Verkauf einzelner Dachanlagen beruhe, gerieten dagegen stärker unter Druck. (fw)
Dienstag, 7.07.2026, 17:05 Uhr
Fritz Wilhelm
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