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Energie & Management > Veranstaltung - Amprion zieht Lehren aus Anschlägen
Amprion-Netzresilienzkonferenz in Berlin. Quelle: Susanne Harmsen
Veranstaltung

Amprion zieht Lehren aus Anschlägen

Amprion hat in Berlin auf einer Konferenz Konsequenzen aus den Anschlägen auf Leitungen in Nordrhein-Westfalen erläutert und politische Anpassungen für mehr Netzresilienz gefordert.
Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion mit Sitz in Dortmund hat auf einer Konferenz in Berlin über die Sicherheitslage der Strominfrastruktur und die jüngsten Anschläge auf Leitungen in Nordrhein-Westfalen (NRW) berichtet. CEO Christoph Müller und Technik-Chef Hendrik Neumann erläuterten am 23. September, welche Maßnahmen aus Sicht des Unternehmens notwendig sind, um die Resilienz des Stromnetzes zu erhöhen.

Die Angriffe Anfang September hätten die Bedeutung des Themas erneut deutlich gemacht. Laut Amprion war die Stromversorgung zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Neumann verwies zugleich auf die Grenzen des physischen Schutzes der Infrastruktur. Amprion betreibt 11.000 Kilometer Höchstspannungsleitungen, die sich nicht vollständig überwachen oder absichern ließen.

Bei den Vorfällen in NRW seien Abschussvorrichtungen für raketenähnliche Geschosse außerhalb eines Betriebsgeländes eingesetzt worden. Dieser Bereich habe aufgrund von Datenschutzvorgaben nicht per Video überwacht werden dürfen, sagte Neumann. Die Erfahrungen bestätigten aus seiner Sicht die Forderungen aus einem im Juni veröffentlichten Positionspapier zur Resilienz und Sicherheit der Stromnetzinfrastruktur.

Drei Bereiche verbessern

Amprion unterscheidet dabei drei zentrale Bereiche: den Schutz der Anlagen, die Anpassungsfähigkeit des Systems und die Wiederherstellungsfähigkeit nach einem Ausfall. Zum Schutz zählt das Unternehmen unter anderem bessere Überwachungs- und Sicherungsmöglichkeiten. Bei der Anpassungsfähigkeit geht es um flexible Betriebsprozesse und ausfallfeste Kommunikationswege. Für eine schnelle Wiederherstellung seien zudem ausreichende Ersatzteile und Provisorien sowie einsatzbereite Betriebsmannschaften erforderlich.

Eine vollständige Absicherung aller Anlagen sei nicht möglich, betonte Neumann. Deshalb müsse die Infrastruktur so ausgelegt sein, dass Betreiber auch bei außergewöhnlichen Ereignissen handlungsfähig blieben und Schäden schnell beheben könnten. Das sichern auch schon heute jederzeit einsatzfähige Betriebsmannschaften ab. Resilienz lasse sich daher nicht allein technisch erreichen. Auch rechtliche und regulatorische Voraussetzungen spielten eine Rolle.

Amprion sieht insbesondere bei historisch gewachsenen Regelungen Anpassungsbedarf. Transparenz- und Beteiligungspflichten könnten nach Darstellung des Unternehmens in bestimmten Fällen sensible Informationen über Stromnetze öffentlich zugänglich machen. Amprion plädiert deshalb für eine Abwägung zwischen Informationsrechten und dem Schutz sicherheitsrelevanter Angaben.

Genehmigungen vereinfachen

Auch Genehmigungsverfahren stehen aus Sicht des Unternehmens auf dem Prüfstand. Müller verwies auf Änderungen des Baurechts in NRW. Umbauten an bestehenden Anlagen könnten dort inzwischen unter bestimmten Voraussetzungen ohne aufwendige neue Genehmigungsverfahren erfolgen. Das erleichtere die Umsetzung von Schutzmaßnahmen, sagte er. Dazu könnten etwa höhere Zäune oder Einhausungen für Transformatoren gehören.

Viele Verbesserungen seien allerdings nach seiner Darstellung ohne größere finanzielle Aufwendungen möglich. Dazu zählte er den zurückhaltenderen Umgang mit technischen Details zur Netzinfrastruktur sowie die Ausweitung der Videoüberwachung.

Auch die Überwachung der Leitungen aus der Luft war Thema der Konferenz. Eine Genehmigung für den Einsatz von Drohnen könne nach Müllers Einschätzung neben einer besseren Anlagenüberwachung auch Arbeitszeit und Personalaufwand reduzieren. Dafür seien allerdings entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen notwendig.

Die enge Zusammenarbeit mit der Polizei habe sich bei den aktuellen Vorfällen in NRW als sehr hilfreich erwiesen, sagte Müller. Dies gelte auch für den Schutz von Monteuren, die nach den Anschlägen zu den Anlagen ausrückten. Er bezeichnete die Zusammenarbeit als „mutmachende Erfahrung“.

Neumann zufolge hat sich mit der gestiegenen Bedrohungslage die Kooperation zwischen Netzbetreibern und Sicherheitsbehörden insgesamt verbessert. 
Auch der Umgang mit verdächtigen Drohnen sei Teil der Sicherheitsdebatte. Das unmittelbare Beseitigen einer Drohne stehe derzeit erst an nachgelagerter Stelle der möglichen Maßnahmen, sagte Neumann. Ein Abfangen oder Ablenken könne technisch sicherer sein als ein Absturz über einer kritischen Anlage. Dafür müsse jedoch zunächst ein übergreifendes Konzept von Politik und Sicherheitsbehörden entwickelt werden.

Die Bundesregierung soll nach Auffassung von Amprion in dieser Legislaturperiode den regulatorischen Rahmen für die Sicherheit kritischer Infrastrukturen weiterentwickeln. Dazu gehören aus Sicht des Unternehmens Mindeststandards, Meldewege und klare Zuständigkeiten. Amprion begleite die Debatte nach eigenen Angaben auf EU-, Bundes- und Landesebene. (sh)

Mittwoch, 23.09.2026, 17:21 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > Veranstaltung - Amprion zieht Lehren aus Anschlägen
Amprion-Netzresilienzkonferenz in Berlin. Quelle: Susanne Harmsen
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Amprion zieht Lehren aus Anschlägen
Amprion hat in Berlin auf einer Konferenz Konsequenzen aus den Anschlägen auf Leitungen in Nordrhein-Westfalen erläutert und politische Anpassungen für mehr Netzresilienz gefordert.
Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion mit Sitz in Dortmund hat auf einer Konferenz in Berlin über die Sicherheitslage der Strominfrastruktur und die jüngsten Anschläge auf Leitungen in Nordrhein-Westfalen (NRW) berichtet. CEO Christoph Müller und Technik-Chef Hendrik Neumann erläuterten am 23. September, welche Maßnahmen aus Sicht des Unternehmens notwendig sind, um die Resilienz des Stromnetzes zu erhöhen.

Die Angriffe Anfang September hätten die Bedeutung des Themas erneut deutlich gemacht. Laut Amprion war die Stromversorgung zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Neumann verwies zugleich auf die Grenzen des physischen Schutzes der Infrastruktur. Amprion betreibt 11.000 Kilometer Höchstspannungsleitungen, die sich nicht vollständig überwachen oder absichern ließen.

Bei den Vorfällen in NRW seien Abschussvorrichtungen für raketenähnliche Geschosse außerhalb eines Betriebsgeländes eingesetzt worden. Dieser Bereich habe aufgrund von Datenschutzvorgaben nicht per Video überwacht werden dürfen, sagte Neumann. Die Erfahrungen bestätigten aus seiner Sicht die Forderungen aus einem im Juni veröffentlichten Positionspapier zur Resilienz und Sicherheit der Stromnetzinfrastruktur.

Drei Bereiche verbessern

Amprion unterscheidet dabei drei zentrale Bereiche: den Schutz der Anlagen, die Anpassungsfähigkeit des Systems und die Wiederherstellungsfähigkeit nach einem Ausfall. Zum Schutz zählt das Unternehmen unter anderem bessere Überwachungs- und Sicherungsmöglichkeiten. Bei der Anpassungsfähigkeit geht es um flexible Betriebsprozesse und ausfallfeste Kommunikationswege. Für eine schnelle Wiederherstellung seien zudem ausreichende Ersatzteile und Provisorien sowie einsatzbereite Betriebsmannschaften erforderlich.

Eine vollständige Absicherung aller Anlagen sei nicht möglich, betonte Neumann. Deshalb müsse die Infrastruktur so ausgelegt sein, dass Betreiber auch bei außergewöhnlichen Ereignissen handlungsfähig blieben und Schäden schnell beheben könnten. Das sichern auch schon heute jederzeit einsatzfähige Betriebsmannschaften ab. Resilienz lasse sich daher nicht allein technisch erreichen. Auch rechtliche und regulatorische Voraussetzungen spielten eine Rolle.

Amprion sieht insbesondere bei historisch gewachsenen Regelungen Anpassungsbedarf. Transparenz- und Beteiligungspflichten könnten nach Darstellung des Unternehmens in bestimmten Fällen sensible Informationen über Stromnetze öffentlich zugänglich machen. Amprion plädiert deshalb für eine Abwägung zwischen Informationsrechten und dem Schutz sicherheitsrelevanter Angaben.

Genehmigungen vereinfachen

Auch Genehmigungsverfahren stehen aus Sicht des Unternehmens auf dem Prüfstand. Müller verwies auf Änderungen des Baurechts in NRW. Umbauten an bestehenden Anlagen könnten dort inzwischen unter bestimmten Voraussetzungen ohne aufwendige neue Genehmigungsverfahren erfolgen. Das erleichtere die Umsetzung von Schutzmaßnahmen, sagte er. Dazu könnten etwa höhere Zäune oder Einhausungen für Transformatoren gehören.

Viele Verbesserungen seien allerdings nach seiner Darstellung ohne größere finanzielle Aufwendungen möglich. Dazu zählte er den zurückhaltenderen Umgang mit technischen Details zur Netzinfrastruktur sowie die Ausweitung der Videoüberwachung.

Auch die Überwachung der Leitungen aus der Luft war Thema der Konferenz. Eine Genehmigung für den Einsatz von Drohnen könne nach Müllers Einschätzung neben einer besseren Anlagenüberwachung auch Arbeitszeit und Personalaufwand reduzieren. Dafür seien allerdings entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen notwendig.

Die enge Zusammenarbeit mit der Polizei habe sich bei den aktuellen Vorfällen in NRW als sehr hilfreich erwiesen, sagte Müller. Dies gelte auch für den Schutz von Monteuren, die nach den Anschlägen zu den Anlagen ausrückten. Er bezeichnete die Zusammenarbeit als „mutmachende Erfahrung“.

Neumann zufolge hat sich mit der gestiegenen Bedrohungslage die Kooperation zwischen Netzbetreibern und Sicherheitsbehörden insgesamt verbessert. 
Auch der Umgang mit verdächtigen Drohnen sei Teil der Sicherheitsdebatte. Das unmittelbare Beseitigen einer Drohne stehe derzeit erst an nachgelagerter Stelle der möglichen Maßnahmen, sagte Neumann. Ein Abfangen oder Ablenken könne technisch sicherer sein als ein Absturz über einer kritischen Anlage. Dafür müsse jedoch zunächst ein übergreifendes Konzept von Politik und Sicherheitsbehörden entwickelt werden.

Die Bundesregierung soll nach Auffassung von Amprion in dieser Legislaturperiode den regulatorischen Rahmen für die Sicherheit kritischer Infrastrukturen weiterentwickeln. Dazu gehören aus Sicht des Unternehmens Mindeststandards, Meldewege und klare Zuständigkeiten. Amprion begleite die Debatte nach eigenen Angaben auf EU-, Bundes- und Landesebene. (sh)

Mittwoch, 23.09.2026, 17:21 Uhr
Susanne Harmsen

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