E&M exklusiv Newsletter:
E&M gratis testen:
Energie & Management > Regenerative - AG Energiebilanzen mahnt zu präziser Argumentation
Quelle: Shutterstock / lovelyday12
Regenerative

AG Energiebilanzen mahnt zu präziser Argumentation

Die Bedeutung der Erneuerbaren in Deutschland nimmt weiter zu. Je nach Bezugsgröße zeigen aktuelle Daten jedoch unterschiedliche Fortschritte bei der Zielerreichung.
Die erneuerbaren Energien haben ihre Bedeutung für die Energieversorgung in Deutschland weiter ausgebaut. Nach aktuellen Auswertungen der AG Energiebilanzen, zu der unter anderem der BDEW und das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) gehören, überschritt ihr Anteil am Primärenergieverbrauch bereits 2024 erstmals die Marke von 20 Prozent. Im Jahr 2025 stieg der Anteil auf knapp 21 Prozent und erreichte damit einen neuen Höchstwert. Damit sind die erneuerbaren Energien nach Mineralöl und Erdgas inzwischen die drittwichtigste Energiequelle Deutschlands sowie zugleich der bedeutendste heimische Energieträger.

Im Jahr 2005 hatte ihr Anteil noch bei etwas mehr als 5 Prozent gelegen. Der AG Energiebilanzen zufolge war das Wachstum zwischen 2005 und 2012 besonders stark ausgefallen. Nach einer Phase geringerer Dynamik habe der Ausbau ab 2017 erneut an Tempo gewonnen. Ein witterungsbedingter Rückgang im Jahr 2021 war in den Folgejahren wieder ausgeglichen worden.

Eine zentrale Kennzahl für die europäische Energie- und Klimapolitik ist der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttoendenergieverbrauch. Dieser umfasst den Endenergieverbrauch aller Verbraucher, einschließlich Netzverlusten und Eigenverbräuchen der Energieerzeugung. Die Europäische Union hat für 2030 einen Zielkorridor von 42,5 bis 45 Prozent festgelegt. Deutschland hat sich im Rahmen seines Nationalen Energie- und Klimaplans verpflichtet, bis 2030 einen Anteil von 41 Prozent zu erreichen.

Bruttostromverbrauch ist Bezugsgröße im EEG

Für das Jahr 2024 erreichte Deutschland einen Anteil von 22,5 Prozent am Bruttoendenergieverbrauch. 2025 stieg dieser Wert auf 23,8 Prozent. Damit wurde zwar gegenüber dem Vorjahr ein Zuwachs von 1,3 Prozentpunkten erzielt, der für 2025 vorgesehene europäische Zwischenwert von 27,9 Prozent wurde jedoch deutlich verfehlt. Nach Einschätzung der AG Energiebilanzen wird zum Erreichen der Zielvorgaben ein weiterer Ausbau erneuerbarer Energien erforderlich sein. Neben dem Stromsektor komme dabei insbesondere dem Einsatz erneuerbarer Energien im Wärmemarkt eine wichtige Rolle zu.

Am dynamischsten entwickelt sich die Nutzung erneuerbarer Energien weiterhin im Stromsektor. Der Anteil am Bruttostromverbrauch, die zentrale Zielgröße des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), erreichte 2025 mit 55,1 Prozent einen neuen Höchststand. Das EEG sieht bis 2030 einen Anteil von 80 Prozent vor. Die Interpretation dieser Kennzahl wird jedoch durch den europäischen Strombinnenmarkt beeinflusst und damit durch Stromimporte und -exporte. Die AG Energiebilanzen weist darauf hin, dass der Anteil erneuerbarer Energien an ins Netz eingespeistem Strom, der exportiert oder aus dem Ausland importiert wird, allenfalls „modellhaft“ bestimmt werden könne.

Wenn die Importe im Saldo die Ausfuhren übersteigen (Nettoimport), sinke die EE-Quote, weil sich die verbrauchte Gesamtmenge erhöhe, die Menge des im Inland aus erneuerbaren Quellen erzeugten Stroms jedoch gleich bleibe. Sofern dagegen im Saldo mehr Strom ausgeführt als bezogen werde (Nettoexport), steige der Erneuerbaren-Anteil, weil der aus erneuerbaren Quellen erzeugten Strommenge ein geringerer inländischer Gesamtverbrauch zugrunde liege.

Eine alternative Betrachtung setzt die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zur gesamten inländischen Stromerzeugung ins Verhältnis. Diese Berechnung entspreche zwar nicht den gesetzlichen Vorgaben des EEG, reduziere jedoch die Auswirkungen des grenzüberschreitenden Stromhandels auf die Kennzahl. Für 2025 ergibt sich demnach ein Anteil von 57,2 Prozent. Der Unterschied zur EEG-Quote von 55,1 Prozent sei auf einen Nettoimport von rund 19 TWh Strom zurückzuführen.

Die Ausführungen der AG Energiebilanzen zeigen, dass die Bewertung, wie sich der Ausbau der erneuerbaren Energien entwickelt, stark von der Bezugsgröße abhängt. Wer in diesem Kontext mit Zahlen argumentiere, tue gut daran, diese Bezugsgröße auch zu nennen, um Missverständnissen und Fehlinterpretationen vorzubeugen, mahnt die Arbeitsgemeinschaft.

Donnerstag, 18.06.2026, 14:01 Uhr
Fritz Wilhelm
Energie & Management > Regenerative - AG Energiebilanzen mahnt zu präziser Argumentation
Quelle: Shutterstock / lovelyday12
Regenerative
AG Energiebilanzen mahnt zu präziser Argumentation
Die Bedeutung der Erneuerbaren in Deutschland nimmt weiter zu. Je nach Bezugsgröße zeigen aktuelle Daten jedoch unterschiedliche Fortschritte bei der Zielerreichung.
Die erneuerbaren Energien haben ihre Bedeutung für die Energieversorgung in Deutschland weiter ausgebaut. Nach aktuellen Auswertungen der AG Energiebilanzen, zu der unter anderem der BDEW und das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) gehören, überschritt ihr Anteil am Primärenergieverbrauch bereits 2024 erstmals die Marke von 20 Prozent. Im Jahr 2025 stieg der Anteil auf knapp 21 Prozent und erreichte damit einen neuen Höchstwert. Damit sind die erneuerbaren Energien nach Mineralöl und Erdgas inzwischen die drittwichtigste Energiequelle Deutschlands sowie zugleich der bedeutendste heimische Energieträger.

Im Jahr 2005 hatte ihr Anteil noch bei etwas mehr als 5 Prozent gelegen. Der AG Energiebilanzen zufolge war das Wachstum zwischen 2005 und 2012 besonders stark ausgefallen. Nach einer Phase geringerer Dynamik habe der Ausbau ab 2017 erneut an Tempo gewonnen. Ein witterungsbedingter Rückgang im Jahr 2021 war in den Folgejahren wieder ausgeglichen worden.

Eine zentrale Kennzahl für die europäische Energie- und Klimapolitik ist der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttoendenergieverbrauch. Dieser umfasst den Endenergieverbrauch aller Verbraucher, einschließlich Netzverlusten und Eigenverbräuchen der Energieerzeugung. Die Europäische Union hat für 2030 einen Zielkorridor von 42,5 bis 45 Prozent festgelegt. Deutschland hat sich im Rahmen seines Nationalen Energie- und Klimaplans verpflichtet, bis 2030 einen Anteil von 41 Prozent zu erreichen.

Bruttostromverbrauch ist Bezugsgröße im EEG

Für das Jahr 2024 erreichte Deutschland einen Anteil von 22,5 Prozent am Bruttoendenergieverbrauch. 2025 stieg dieser Wert auf 23,8 Prozent. Damit wurde zwar gegenüber dem Vorjahr ein Zuwachs von 1,3 Prozentpunkten erzielt, der für 2025 vorgesehene europäische Zwischenwert von 27,9 Prozent wurde jedoch deutlich verfehlt. Nach Einschätzung der AG Energiebilanzen wird zum Erreichen der Zielvorgaben ein weiterer Ausbau erneuerbarer Energien erforderlich sein. Neben dem Stromsektor komme dabei insbesondere dem Einsatz erneuerbarer Energien im Wärmemarkt eine wichtige Rolle zu.

Am dynamischsten entwickelt sich die Nutzung erneuerbarer Energien weiterhin im Stromsektor. Der Anteil am Bruttostromverbrauch, die zentrale Zielgröße des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), erreichte 2025 mit 55,1 Prozent einen neuen Höchststand. Das EEG sieht bis 2030 einen Anteil von 80 Prozent vor. Die Interpretation dieser Kennzahl wird jedoch durch den europäischen Strombinnenmarkt beeinflusst und damit durch Stromimporte und -exporte. Die AG Energiebilanzen weist darauf hin, dass der Anteil erneuerbarer Energien an ins Netz eingespeistem Strom, der exportiert oder aus dem Ausland importiert wird, allenfalls „modellhaft“ bestimmt werden könne.

Wenn die Importe im Saldo die Ausfuhren übersteigen (Nettoimport), sinke die EE-Quote, weil sich die verbrauchte Gesamtmenge erhöhe, die Menge des im Inland aus erneuerbaren Quellen erzeugten Stroms jedoch gleich bleibe. Sofern dagegen im Saldo mehr Strom ausgeführt als bezogen werde (Nettoexport), steige der Erneuerbaren-Anteil, weil der aus erneuerbaren Quellen erzeugten Strommenge ein geringerer inländischer Gesamtverbrauch zugrunde liege.

Eine alternative Betrachtung setzt die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zur gesamten inländischen Stromerzeugung ins Verhältnis. Diese Berechnung entspreche zwar nicht den gesetzlichen Vorgaben des EEG, reduziere jedoch die Auswirkungen des grenzüberschreitenden Stromhandels auf die Kennzahl. Für 2025 ergibt sich demnach ein Anteil von 57,2 Prozent. Der Unterschied zur EEG-Quote von 55,1 Prozent sei auf einen Nettoimport von rund 19 TWh Strom zurückzuführen.

Die Ausführungen der AG Energiebilanzen zeigen, dass die Bewertung, wie sich der Ausbau der erneuerbaren Energien entwickelt, stark von der Bezugsgröße abhängt. Wer in diesem Kontext mit Zahlen argumentiere, tue gut daran, diese Bezugsgröße auch zu nennen, um Missverständnissen und Fehlinterpretationen vorzubeugen, mahnt die Arbeitsgemeinschaft.

Donnerstag, 18.06.2026, 14:01 Uhr
Fritz Wilhelm

Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?

Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.