Quelle: Baltic Offshore Grid Initiative (BOGI)
Acht Übertragungsnetzbetreiber haben eine Studie zur grenzüberschreitenden Offshore-Planung der Ostsee vorgelegt, die Netzausbau, Offshore-Wind und Wasserstoff bis 2040 zusammenführt.
Acht Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) aus der Ostseeregion haben erstmals eine umfassende Studie für eine koordinierte, grenzüberschreitende Offshore-Netzinfrastruktur und den Offshore-Windenergieausbau veröffentlicht. Dies teilte der deutsche Partner, der deutsche ÜNB 50 Hertz, am 22. Januar in Berlin mit. Laut den beteiligten Unternehmen soll die Analyse eine Grundlage für besser abgestimmte nationale Planungen und eine gemeinsame Meeresraumplanung in Europa schaffen.
Beteiligt sind die Übertragungsnetzbetreiber aus Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Polen und Schweden, die in der Baltic Offshore Grid Initiative (Bogi) organisiert sind. Die Initiative bündelt die Zusammenarbeit der Netzbetreiber mit dem Ziel, den Ausbau von Offshore-Windenergie und Stromnetzen im Ostseeraum systematisch zu koordinieren.
Stromnetze bis 2040 modelliertKern der Studie ist eine Modellierung der künftigen Strominfrastruktur bis 2040. Laut der Analyse gelten rund 13.000 MW Kapazität neuer grenzüberschreitender Interkonnektoren als effizient. Hinzu kommen bis zu 50.000 MW zusätzliche Offshore-Windleistung, die langfristig in der Ostsee installiert werden könnten.
Die untersuchten Interkonnektoren umfassen sowohl klassische Punkt-zu-Punkt-Verbindungen zwischen einzelnen Ländern als auch Offshore-Knotenpunkte. Als Beispiel nennen die ÜNB die dänische Insel Bornholm, die sich nach den Ergebnissen der Studie als hybrider Offshore-Hub eignen könnte.
Nach Angaben der Autoren zeigt die Modellierung, dass die identifizierten Interkonnektoren über das Jahr hinweg eine hohe Auslastung erreichen würden. Dadurch könnten Systemkosten gesenkt, Preisspitzen an den Strommärkten abgefedert und CO2-Emissionen reduziert werden. Die Studie baut auf bestehenden nationalen Ausbauplänen sowie dem europäischen Zehnjahres-Netzentwicklungsplan auf, der von den europäischen Übertragungsnetzbetreibern erstellt wird.
Sektorkopplung mit WasserstoffEin weiterer Schwerpunkt liegt auf der Sektorkopplung. Offshore-Windenergie werde künftig nicht nur zur Stromversorgung beitragen, sondern auch den Aufbau eines Wasserstoffsystems unterstützen, heißt es in der Studie. Der Ostseeraum könne sich langfristig zu einem Nettoexporteur von Strom entwickeln und damit eine wichtige Rolle für die Versorgungssicherheit in Europa übernehmen.
In Sensitivitätsanalysen untersuchten die ÜNB, wie sich unterschiedliche Annahmen auf den Infrastrukturbedarf auswirken. Betrachtet wurden unter anderem verschiedene Entwicklungen der Strom- und Wasserstoffnachfrage, der Ausbau erneuerbarer Energien an Land sowie unterschiedliche Investitionskosten. Laut der Studie variieren Umfang und Standort von Offshore-Wind- und Wasserstoffprojekten je nach Szenario deutlich. Die identifizierten Interkonnektorprojekte erweisen sich jedoch über alle Szenarien hinweg als robust.
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Richtung und Strommenge der prognostizierten Ostsee-Interkonnektoren - Für Vollbild auf die Grafik klicken Quelle: BOGI |
Mit der Veröffentlichung der Studie positioniert sich die Ostseeregion aus Sicht der beteiligten ÜNB als Vorreiter einer regional abgestimmten Offshore-Planung. Der Ansatz könne als Beispiel für andere europäische Seebecken dienen, etwa für Nordsee oder Mittelmeer. Regionale Zusammenarbeit sei entscheidend, um das Potenzial von Offshore-Windenergie und Stromnetzinfrastruktur effizient zu erschließen.
Zu den beteiligten ÜNB zählen 50 Hertz mit Sitz in Berlin, zuständig für den Netzbetrieb in Ostdeutschland, AST aus Riga für Lettland, Elering aus Tallinn für Estland, Energinet aus Fredericia für Dänemark, Fingrid aus Helsinki für Finnland, Litgrid aus Vilnius für Litauen, PSE aus Warschau für Polen sowie Svenska Kraftnät aus Sundbyberg für Schweden.
Die
Studie der acht Ostseeanrainer ÜNB steht in englischer Sprache als PDF zum Download bereit.
Donnerstag, 22.01.2026, 12:21 Uhr
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