• Zusammenfassung der deutschen Tagesmeldungen vom 18. September
  • Vattenfall-Finanzchef übernimmt EWE-Vorstandsvorsitz
  • Rheinenergie gewinnt Stadtwerke für E-Mobilität-Netzwerk
  • Strom: Uneinheitlich
  • Hybrides Heizkraftwerk in Altensteig
  • Düren stellt alle Wärmekunden CO2-frei
  • Gas: Starker Wochenauftakt
  • Wenige Gebote für Biomasse
  • Wolf leitet OWIA-Büro in Berlin
  • DLR will Thermobatterie mit Industrie weiterentwickeln
Bild: Fotolia.com, DeVIce
WINDKRAFT:
Windturbinen wie Kraftwerke managen
Mit ihrem neuen Betriebsführungs-Konzept will die Enertrag Windstrom GmbH den Betrieb von Windturbinen so optimieren, dass diese problemlos Regelenergie liefern können. Als Kunden stehen bei dem Unternehmen insbesondere Stadtwerke im Fokus.
 
Wer bei der diesjährigen E-World in Essen aufmerksam durch die Hallen ging, suchte sie vergebens: Unternehmen, die originär aus der Windbranche stammen. Zu den ganz wenigen Ausnahmen in der Ausstellerschar zählte die Enertrag Windstrom GmbH. „Wir sind ganz bewusst nach Essen gegangen, denn hier sind unsere Kunden“, freute sich Geschäftsführer Dietrich Pals über das Quasi-Alleinstellungsmerkmal.

Über die angestammte Wind-Klientel hinaus sieht Pals vor allem im Kreise von Energieversorgern und Stadtwerken neue Kunden: „Diese Unternehmen investieren aus den verschiedensten Gründen, teils politisch getrieben, teils aus Überzeugung, in die Windenergie. Es entstehen dort aus angestammten Strukturen heraus Bereiche für die erneuerbaren Energien. Hier sind Know-how und Erfahrung gefragt, um mit eigenen Ressourcen recht zügig zum Erfolg zu kommen und die eigenen erneuerbaren virtuellen Kraftwerke ertragsoptimiert zu betreiben.“ Etwas anderes, so Pals, seien die Energieversorger bei ihren konventionellen Kraftwerken nicht gewohnt. Seine Philosophie bringt der studierte Elektrotechniker so auf den Punkt: „Wir müssen umdenken und Windturbinen wie Kraftwerke managen. Das gehört einfach zum Erwachsenwerden der Windenergie dazu.“

Höhere Erträge durch professionelles Management

Seit gut anderthalb Jahrzehnten arbeitet Pals in der Windbranche. Für GE Wind Energy begann er am Standort im südemsländischen Salzbergen das Service-Geschäft neu auszurichten. Später war Pals bei der Schweizer BKW Energie AG verantwortlich für ihr Windgeschäft in Deutschland und beriet im Anschluss daran regionale Energieversorger und Stadtwerke beim Aufbau ihres erneuerbaren Portfolios, bevor er 2014 zur Enertrag-Gruppe in die Uckermark wechselte. Gegründet 1992 hat sich das Unternehmen aus Brandenburg zu den führenden Projektentwicklern in der deutschen Windbranche entwickelt, zusammen mit den Auslandsstandorten stehen mittlerweile über 400 Mitarbeiter auf der Lohnliste.
Bereits im vergangenen Jahrzehnt hat Enertrag begonnen, sich breiter aufzustellen. So übernahmen die Uckermärker beispielsweise vor Jahren die Service-Teams von Windturbinenhersteller DeWind, um so herstellerunabhängig Service- und Wartungsarbeiten anbieten zu können. „Das Ziel von Enertrag ist, als Kraftwerksbetreiber sämtliche Leistungen im Portfolio zu haben, die zum effektiven Betrieb unabdingbar sind“, so Pals.
 
Dietrich Pals (Mitte): "Wir sind Kraftwerker"
Bild: Enertrag, Steffen Herre

Das jüngste Kind bei dieser Diversifikation ist die Enertrag WindStrom GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen mit der WindStrom-Gruppe aus dem niedersächsischen Edemissen östlich von Hannover. Bei Enertrag Windstrom, das sind sozusagen die zusammengelegten Betriebsführungs-Abteilungen beider Windgesellschaften, umfasst die Belegschaft fast 100 Köpfe.

Das Unternehmensziel umschreibt Pals mit dem Slogan „Betriebsführung 2.0“: „Es ist wirklich möglich, mit einem professionellen Management höhere Erträge in einem Windpark zu erzielen. Wir sehen es als unser Geschäftsziel, dieses Know-how in den Markt zu bringen, quasi als Lotse für Stadtwerke, um deren eigene Ressourcen im regionalen Bereich schneller und professioneller aufbauen zu können“ – was angesichts sinkender Vergütungen für die Kilowattstunde Windstrom für die Betreiber auch unverzichtbar ist.

Enertrag selbst managt derzeit rund 1 000 MW Windkraft-Leistung

Die Enertrag Windstrom GmbH hat mehr als 1 400 Windturbinen mit einer Leistung von aktuell 985 MW in der technischen und kaufmännischen Betriebsführung, was der Leistung eines ziemlich großen Kohlekraftwerkes entspricht. Das Gros davon entfällt mit 578 MW auf Enertrag-eigene Windparks, womit die Uckermärker hierzulande zu den größten unabhängigen Windstromerzeugern zählen.

Auf jeden Fall haben sich Enertrag und WindStrom, die auch Windkraft-Projekte mit zusammen gut 600 MW entwickelt hat, ihr Know-how bei der Betriebsführung in den vergangenen Jahren erarbeitet. Dietrich Pals setzt bei der „Betriebsführung 2.0“ insbesondere auf eine zustandsorientierte Instandhaltung der Windturbinen und auf lückenlose Überwachung im Minutentakt: „Wichtig ist, dass wir nicht erst reagieren, wenn ein Schaden aufgetreten ist, sondern alles im Vorhinein tun, damit Anlagen möglichst niemals ungeplant ausfallen. Wenn wir mit unserem Kraftwerk eines Tages Regelenergie anbieten wollen, ist dies die Mindestvoraussetzung dazu.“

Die Instrumente dafür sind bekannt: Angefangen von einer Online-Überwachung des Antriebsstrangs, über eine Lebensdauer-Optimierung wichtiger Bauteile bis hin zu einem schnellen Zugriff auf ein internes Engineering. „Das alles lässt sich abrunden mit Vorschlägen von uns zu bestehenden Servicekonzepten“, erläutert Pals. Auch wenn viele Windturbinen es heute bereits auf technische Verfügbarkeiten von 98 % und mehr bringen, gebe es bei einer „Reihe von Mühlen noch viel Luft nach oben, die energetische Verfügbarkeit und die laufenden Kosten zu optimieren.“ Hohe energetische Verfügbarkeitsquoten fielen nicht vom Himmel: „Das ist vergleichbar mit einem Kraftwerk, dessen Betrieb rund um die Uhr optimiert wird.“

Enertrag WindStrom bietet seine Betriebsführungs-Dienste sowohl als Rundum-Sorglos-Pakete wie auch als einzelne Bausteine an. Die Vertragsmodelle seien individuell in Inhalt und Laufzeit konfigurierbar, sagt Geschäftsführer Pals: „Wir sind da sehr flexibel und reagieren auf den konkreten Bedarf.“ Ihm ist es wichtig, nicht nur die angestammten Windpark-Betreiber „schlauer“ zu machen, sondern auch die Stadtwerke, die neu ins Windgeschäft einsteigen: „Hier sehen wir einen hohen Wissensbedarf, den wir wie ein Lotse begleiten und unterstützen, um die Strukturen vor Ort aufzubauen. Wir sehen vor allem die Stadtwerke als Partner für die Energiewende.“

Für die Windpark-Betreiber sieht Dietrich Pals eine neue Ära anbrechen: „Wir müssen uns klarmachen, dass wir nicht nur mehr Ökostrom-Erzeuger sind, sondern Kraftwerker, die virtuelle, dezentrale Kraftwerke führen, die eines Tages für Regelenergie zur Verfügung stehen und irgendwann auch mal schwarzstartfähig sind.“
 

Ralf Köpke
© 2017 Energie & Management GmbH
Montag, 30.03.2015, 13:11 Uhr

Mehr zum Thema
btn-primarybtn-primarybtn-primarybtn-primarybtn-primary