• Zusammenfassung der deutschen Tagesmeldungen vom 05. Juni
  • Strom: Kalenderjahr geht weiter nach oben
  • Gas: Kurzfristiger Auftrieb
  • Rund 1.500 MW fehlen zum Solardeckel
  • Viessmann verkauft Brennstoffzellen-Tochter Hexis
  • Wilken zuversichtlich für 2020
  • Stromanbieter mit überhöhten Mahnpauschalen
  • Geodatengesetz und Mautbefreiung für Gas-LKW verabschiedet
  • "Noch zu wenig im Fokus"
  • H-Gas-Anpassungen kommen voran
Enerige & Management > Fusion - Wettbewerbskommission sagt Überprüfung zu
Bild: Joachim Wendler / Fotolia
FUSION:
Wettbewerbskommission sagt Überprüfung zu
Die Auswirkung der Eon-Innogy-Fusion auf die Verteilnetze will die zuständige Abteilung der EU-Kommission prüfen. Das geht aus einem Schreiben der Generaldirektion Wettbewerb hervor.
 
Bei dem laufenden Prüfverfahren zur Fusion zwischen Eon und dem (Noch-)RWE-Tochterunternehmen Innogy wird die Europäische Kommission (Generaldirektion Wettbewerb) in Brüssel auch die Auswirkungen auf die Verteilnetze unter die Lupe nehmen. Das versicherte Hanna Anttilainen, die die Abteilung zu Zusammenschlüssen im Energie- und Umweltbereich leitet, in einem Schreiben an Johannes Lackmann, das E&M exklusiv vorliegt. Der Geschäftsführer des Windkraft-Projektierers und -betreibers "WestfalenWind GmbH" mit Sitz in Paderborn hatte bei Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager Anfang April die sich abzeichnende Marktmacht Eons auf der Verteilnetzebene durch die Übernahme von Innogys Netzsparte moniert.

„Ich kann Ihnen versichern, dass wir die Auswirkungen der Übernahme auf den Wettbewerb […] sorgfältig analysieren werden“, heißt es in dem Schreiben Anttilainens an Lackmann. Der langjährige Windmanager wertete die Antwort aus Brüssel als „ermutigendes Zeichen“, denn: „Statt eines belanglosen Antwortschreibens haben wir durchaus das Gefühl, dass Brüssel sich unseres Anliegens ernsthaft annimmt.“

Gestärkt sieht sich der Westfalenwind-Chef auch durch die Tatsache, dass die Kommission Anfang Mai ihre Hauptuntersuchung zum Eon-Innogy-Deal bereits zum zweiten Mal gestoppt hat. Grund dafür dürfte nach Einschätzung von Marktteilnehmern die Ausweitung des gesamten Untersuchungsrahmens sein. Danach stehen wohl nicht nur die Folgen für das Endkundengeschäft auf dem Prüfstand, sondern auch die Konsequenzen für den Netzsektor und die sogenannten Zukunftsgeschäfte bei der Digitalisierung wie beispielsweise Smart Meter oder die Ladesäuleninfrastruktur für E-Autos.

Die Westfalenwind GmbH sieht sich insbesondere durch das Eon-Tochterunternehmen Avacon ausgebremst. Da der Regionalnetzbetreiber bestehende Netze im Großraum Paderborn und in Nordhessen bislang nicht verstärkt hat, kommt es in der dortigen Region zu vermehrten netzbedingten Abschaltungen mehrerer Windparks – wodurch Entschädigungszahlungen für jährlich rund 60 Mio. kWh fällig werden.

Aussicht auf eine baldige Besserung hat das Windunternehmen nicht. Die Bundesnetzagentur, bei der sich Westfalenwind über Avacons schleppende Netzausbauaktivitäten beschwert hatte, erwartet, dass sich die Beseitigung der beklagten Engpässe noch bis zum Jahr 2027 hinziehen kann.

Diese negative Erfahrungen hat Westfalenwind der Kommission geschildert: „Wir haben nicht den Eindruck, dass die Bundesnetzagentur über genügend Handlungsinstrumente verfügt, um einen schwerfälligen Konzern wie Eon hinreichend in Bewegung zu setzen (…). Aus unserer Sicht würde die Übernahme weiterer Netze durch Eon die Machtbalance zwischen Eon und der Bundesnetzagentur als Aufsichtsbehörde weiter zugunsten von Eon verschieben“, heißt es in dem Schreiben nach Brüssel.

Und nicht nur das: „Wenn Eon durch Übernahme von Innogy wirklich den Zugriff auf nahezu 70 Prozent aller Hochspannungsverteilnetze    bundesweit bekommt, wird das Erreichen der nationalen Klima- und Ausbauziele für erneuerbare Energien eher schwieriger denn einfacher“, befürchtet Johannes Lackmann. 
 

Ralf Köpke
© 2020 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 08.05.2019, 10:29 Uhr

Mehr zum Thema