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Energie & Management > KWK - Wenn die Nahwärme mehr als doppelt so teuer wird
Quelle: Shutterstock / bsd
KWK

Wenn die Nahwärme mehr als doppelt so teuer wird

Am Rande der Stahlstadt Georgsmarienhütte gibt es mehrere gasbefeuerte Wärmenetze. Weil die Stadtwerke aus für sie ungünstigen Verträgen nicht herauskamen, haben sie sie nun gekündigt.
Nahwärmekunden am Rande der niedersächsischen Stadtwerke Georgsmarienhütte müssen künftig mehr als das Doppelte für ihre Versorgung zahlen. Damit es dem Kommunalversorger nicht so ergeht wie dem Eon-Konzern, der mit seinen Preisgleitformeln vor Gericht in einigen wenigen Netzen gerade eine Niederlage erlitten hat (siehe separate Meldung), griff das Stadtwerk auf einen rechtlich wahrscheinlich unangreifbaren Trick zurück: Altverträge kündigen, neuen Vertrag anbieten. Die Neue Osnabrücker Zeitung (Noz) spricht von 265 Kündigungen, die sich auf noch mehr Haushalte verteilen, da Mehrfamilienhäuser nur einen Vertrag haben.

Was rechtlich sauber sein könnte, ist zu einem Kommunikationsdesaster geworden, wenn man der Noz glauben mag: Die drastische Preiserhöhung war in den Begleitschreiben offenbar nicht transparent genug ausgewiesen, geschweige denn, erläutert worden. Das Stadtwerk räumte gegenüber der Tageszeitung eine unglückliche Kommunikation ein.

Die Stadtwerke Georgsmarienhütte weisen außerdem darauf hin, dass die jeweils fünf Jahre geltende Preisgleitformel der Altverträge sie mittlerweile benachteilige, seit Russland Deutschland den Gashahn abgedreht hat. Geschäftsführer Jörg Dorroch sagte der Noz, das Delta zu auskömmlichen Preisen habe zuletzt 7 Cent/kWh betragen.

In der Peripherie von Georgsmarienhütte existieren mehrere Nahwärmenetze mit erdgasbefeuerten Blockheizkraftwerken (BHKW) in der Mitte. Diese sind von der Tariferhöhung betroffen, nicht das Haupt-Fernwärmenetz der Stadtwerke. Letzteres wird gespeist von der Abwärme des namengebenden Stahlherstellers, ergänzend mit einem biomethanbetriebenen BHKW.

Jetzt steigen die Arbeitspreise am Stadtrand von 8,06 Cent/kWh auf 15,2 Cent/kWh, mehr als das Doppelte. Und der jährliche Grundpreis erhöht sich auf mehr als den Faktor drei, von 327,70 Euro auf 1.026,45 Euro. Wer auf das zunächst auf ein Jahr befristete Neuvertrags-Angebot nicht eingeht, dem wird der Nahwärmeanschluss stillgelegt, und das kostet den Ex-Kunden dann ebenfalls Geld, berichtet die Noz. Und zwar bei einem abseits gelegenen Kunden im mittleren vierstelligen Euro-Bereich. Dazu käme dann noch die Investition in einen anderen Wärmeträger.

Neckarsulm: Es kann auch umgekehrt laufen

Wärmeversorger müssen aber auch damit rechnen, dass sie die Preise senken und die Regionalzeitung - ebenfalls ein Monopolist - das Gegenteil daraus macht. So geschehen mit den Stadtwerken Neckarsulm in Baden-Württemberg. Der Arbeitspreis ist Anfang des Jahres gegenüber dem Tarifstand vom 1. April 2024 um 11 bis 13 Prozent gesunken: auf 15,95 Cent/kWh bei den ersten 500.000 kWh Jahresverbrauch bis zu 8,31 Cent/kWh ab der ersten Million kWh.

Der Grundpreis hat sich zwar um circa 9 Prozent erhöht, doch allein schon bei einem moderaten Wärmeverbrauch von 10.000 kWh im Jahr verringert sich die Gesamtrechnung um fast ein Zehntel. Bei höherem Verbrauch wird es noch günstiger für die Verbraucher als bisher.

Gleichwohl zitiert die Tageszeitung Heilbronner Stimme zehneinhalb Monate nach der faktischen Preissenkung eine unbekannte Zahl anonymer Nahwärme-Kunden, die jetzt angeblich das Doppelte zahlen und sich darüber beschweren, dass sie in dem natürlichen Monopol gefangen sind. Die Zeitung verrührt die Aussagen zudem mit der seit 2023 laufenden Untersuchung des Kartellamtes gegen sieben Wärmeversorger wegen angeblich missbräuchlicher Preiserhöhungen. Deren Namen behält die Behörde aber bis heute für sich, um eine Vorverurteilung zu verhindern. Es ist also unklar, ob die Stadtwerke Neckarsulm zu diesen Sieben gehören. 

Nichtsdestotrotz titelt die Regionalzeitung mit „Vorwürfe gegen mehrere Stadtwerke“. Das Neckarsulmer Rathaus habe sich gerade mit „Abzocke-Vorwürfe(n)“ herumzuschlagen. (geo)

Montag, 12.10.2026, 14:42 Uhr
Georg Eble
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Wenn die Nahwärme mehr als doppelt so teuer wird
Am Rande der Stahlstadt Georgsmarienhütte gibt es mehrere gasbefeuerte Wärmenetze. Weil die Stadtwerke aus für sie ungünstigen Verträgen nicht herauskamen, haben sie sie nun gekündigt.
Nahwärmekunden am Rande der niedersächsischen Stadtwerke Georgsmarienhütte müssen künftig mehr als das Doppelte für ihre Versorgung zahlen. Damit es dem Kommunalversorger nicht so ergeht wie dem Eon-Konzern, der mit seinen Preisgleitformeln vor Gericht in einigen wenigen Netzen gerade eine Niederlage erlitten hat (siehe separate Meldung), griff das Stadtwerk auf einen rechtlich wahrscheinlich unangreifbaren Trick zurück: Altverträge kündigen, neuen Vertrag anbieten. Die Neue Osnabrücker Zeitung (Noz) spricht von 265 Kündigungen, die sich auf noch mehr Haushalte verteilen, da Mehrfamilienhäuser nur einen Vertrag haben.

Was rechtlich sauber sein könnte, ist zu einem Kommunikationsdesaster geworden, wenn man der Noz glauben mag: Die drastische Preiserhöhung war in den Begleitschreiben offenbar nicht transparent genug ausgewiesen, geschweige denn, erläutert worden. Das Stadtwerk räumte gegenüber der Tageszeitung eine unglückliche Kommunikation ein.

Die Stadtwerke Georgsmarienhütte weisen außerdem darauf hin, dass die jeweils fünf Jahre geltende Preisgleitformel der Altverträge sie mittlerweile benachteilige, seit Russland Deutschland den Gashahn abgedreht hat. Geschäftsführer Jörg Dorroch sagte der Noz, das Delta zu auskömmlichen Preisen habe zuletzt 7 Cent/kWh betragen.

In der Peripherie von Georgsmarienhütte existieren mehrere Nahwärmenetze mit erdgasbefeuerten Blockheizkraftwerken (BHKW) in der Mitte. Diese sind von der Tariferhöhung betroffen, nicht das Haupt-Fernwärmenetz der Stadtwerke. Letzteres wird gespeist von der Abwärme des namengebenden Stahlherstellers, ergänzend mit einem biomethanbetriebenen BHKW.

Jetzt steigen die Arbeitspreise am Stadtrand von 8,06 Cent/kWh auf 15,2 Cent/kWh, mehr als das Doppelte. Und der jährliche Grundpreis erhöht sich auf mehr als den Faktor drei, von 327,70 Euro auf 1.026,45 Euro. Wer auf das zunächst auf ein Jahr befristete Neuvertrags-Angebot nicht eingeht, dem wird der Nahwärmeanschluss stillgelegt, und das kostet den Ex-Kunden dann ebenfalls Geld, berichtet die Noz. Und zwar bei einem abseits gelegenen Kunden im mittleren vierstelligen Euro-Bereich. Dazu käme dann noch die Investition in einen anderen Wärmeträger.

Neckarsulm: Es kann auch umgekehrt laufen

Wärmeversorger müssen aber auch damit rechnen, dass sie die Preise senken und die Regionalzeitung - ebenfalls ein Monopolist - das Gegenteil daraus macht. So geschehen mit den Stadtwerken Neckarsulm in Baden-Württemberg. Der Arbeitspreis ist Anfang des Jahres gegenüber dem Tarifstand vom 1. April 2024 um 11 bis 13 Prozent gesunken: auf 15,95 Cent/kWh bei den ersten 500.000 kWh Jahresverbrauch bis zu 8,31 Cent/kWh ab der ersten Million kWh.

Der Grundpreis hat sich zwar um circa 9 Prozent erhöht, doch allein schon bei einem moderaten Wärmeverbrauch von 10.000 kWh im Jahr verringert sich die Gesamtrechnung um fast ein Zehntel. Bei höherem Verbrauch wird es noch günstiger für die Verbraucher als bisher.

Gleichwohl zitiert die Tageszeitung Heilbronner Stimme zehneinhalb Monate nach der faktischen Preissenkung eine unbekannte Zahl anonymer Nahwärme-Kunden, die jetzt angeblich das Doppelte zahlen und sich darüber beschweren, dass sie in dem natürlichen Monopol gefangen sind. Die Zeitung verrührt die Aussagen zudem mit der seit 2023 laufenden Untersuchung des Kartellamtes gegen sieben Wärmeversorger wegen angeblich missbräuchlicher Preiserhöhungen. Deren Namen behält die Behörde aber bis heute für sich, um eine Vorverurteilung zu verhindern. Es ist also unklar, ob die Stadtwerke Neckarsulm zu diesen Sieben gehören. 

Nichtsdestotrotz titelt die Regionalzeitung mit „Vorwürfe gegen mehrere Stadtwerke“. Das Neckarsulmer Rathaus habe sich gerade mit „Abzocke-Vorwürfe(n)“ herumzuschlagen. (geo)

Montag, 12.10.2026, 14:42 Uhr
Georg Eble

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