Podium auf der E&M-Energiemanagerkonferenz. Quelle: Susanne Harmsen
Auf der E&M-Energiemanagerkonferenz 2026 in Berlin diskutierten Unternehmen und Verbände, wie die Wärmewende trotz unsicherer Rahmenbedingungen umgesetzt werden kann.
Die Wärmewende steht vor dem Übergang von der Planung in die Umsetzung. Darin waren sich Vertreter von Energieversorgern und Verbänden bei der E&M-Energiemanagerkonferenz 2026 am 8. Oktober in Berlin einig. Gleichzeitig erschweren aus ihrer Sicht wechselnde politische Vorgaben Investitionsentscheidungen.
Andreas Klingemann, Leiter Wärme beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), bezeichnete die Wärmeversorgung als „Königsdisziplin der Energiewende“. Wärme betreffe jedes Gebäude und damit die Bürger unmittelbar. Zugleich entfalle ein großer Teil des Energiebedarfs auf die Wärmeversorgung von Gebäuden und Industrie.
Gesetze jetzt vorlegen
Für die Energieversorger stellt insbesondere die Dekarbonisierung bestehender Fernwärmenetze eine Herausforderung dar. Auch der Ausbau der Netze erfordert nach Klingemanns Einschätzung hohe Investitionen. Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) lasse zudem weiterhin Gasheizungen zu. Dadurch könnten Fernwärmenetze wichtige potenzielle Kunden verlieren.
Klingemann forderte deshalb eine zügige Umsetzung des angekündigten Wärmenetzpakets. Darin müsse auch eine Novelle der Fernwärmelieferverordnung (AVB) enthalten sein, um eine verlässliche Grundlage für Investitionen zu schaffen. Der Deutschlandfonds könne zusätzliche Unterstützung leisten.
Für die kommende Woche erwartet Klingemann die Vorlagen des Ministeriums für eine Grüngasquoten. Solange zentrale Rahmenbedingungen offenblieben, verzögerten sich Investitionsentscheidungen. Die Kommunen müssten bei der Planung und Umsetzung der Wärmewende stärker von Bund und Ländern unterstützt werden, sagte Klingemann.
Wohnungswirtschaft braucht bezahlbare Lösungen
Für die Wohnungswirtschaft ist die Bezahlbarkeit ein zentraler Punkt. Ingeborg Esser, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), verwies auf die Aufgabe, den Gebäudebestand bis 2045 klimaneutral zu machen. Dabei müsse nicht nur die Wärmeversorgung dekarbonisiert, sondern auch die energetische Qualität der Gebäude verbessert werden.
Der GdW vertritt die Eigentümer und Verwalter von rund sechs Millionen Mietwohnungen. Nach Essers Angaben befinden sich davon nur noch rund 450.000 Wohnungen in den schlechtesten Effizienzklassen F und G. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern privater Eigentümer sei der Anteil deutlich höher. Bei rund 40 Prozent der Wohnungen komme bereits Fernwärme zum Einsatz, sagte Esser. In diesen Fällen liege die Verantwortung für die Dekarbonisierung bei den Versorgern.
Zugleich kritisierte sie die bestehende Vorgabe zur Kostenneutralität. Für die Umstellung auf klimafreundliche Heizungen seien zusätzliche Kosten in der Warmmiete notwendig. Als Größenordnung nannte Esser 50 Cent pro Quadratmeter und Monat.
Paketlösungen für Hausbesitzer anbieten
Klaus Köhler, Partner bei „m3 management consulting“, das Stadtwerke und Energieversorgungsunternehmen berät, sieht in der Wärmewende zugleich eine Herausforderung und eine Chance für die Versorger. Die größere Wahlfreiheit für Kunden im GModG sei „Fluch und Segen zugleich“.
Mit dem Wegfall der stärkeren Lenkungswirkung des Vorläufergesetzes müssten Energieversorger wieder stärker für klimafreundliche Wärmeangebote werben, sagte Köhler. Eine mögliche Botschaft sei: „Wir machen Ihr Wohnzimmer warm.“ Dafür seien auch Partnerschaften mit lokalen Handwerksbetrieben ein Weg, um fertige Wärmelösungen aus einer Hand anzubieten.
Gleichzeitig fehlten auch aus Köhlers Sicht ausreichend konkrete gesetzliche Vorgaben für Investitionen. Energieversorger müssten deshalb derzeit „unter Unsicherheit handeln“. Dabei dränge die Zeit: Die Umsetzung müsse jetzt beginnen, damit die notwendigen Infrastrukturmaßnahmen rechtzeitig abgeschlossen werden könnten.
Konkretes Handeln in Wittenberg
Wie sich die Wärmewende praktisch umsetzen lässt, zeigte Andreas Reinhardt, Geschäftsführer der Stadtwerke Lutherstadt Wittenberg. Sein Unternehmen profitiere von einem hohen Fernwärmeanteil im Versorgungsgebiet. Gleichzeitig müsse es Lösungen für bestehende Konzessionen im Gasnetz entwickeln.
Auch die Nutzung industrieller Abwärme prüfe das Stadtwerk. Dabei erschwerten hohe Dampfpreise und schwankende Produktionsmengen die Planung. Statt auf eine einzelne Wärmequelle zu setzen, verfolge das Unternehmen deshalb einen diversifizierten Ansatz. Dazu gehören nach Reinhardts Angaben unter anderem Hackschnitzelkessel. Allein die Umstellung der Wärmeerzeugung werde die Stadtwerke Lutherstadt Wittenberg rund 260 Millionen Euro kosten, sagte er.
Reinhardt bezifferte die Kosten für einen Fernwärmeanschluss in Wittenberg auf rund 15.000 Euro, was konkurrenzfähig zur eigenen Wärmepumpe sei. Die kommunale Wärmeplanung trage dazu bei, den Bürgern frühzeitig zu zeigen, welche Wärmeversorgung in ihrem Gebiet künftig vorgesehen ist. (sh)
Donnerstag, 8.10.2026, 14:49 Uhr
Susanne Harmsen
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