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Enerige & Management > Österreich - Verbund kommt gut durch die Krise
Bild: Fotolia.com, YuI
ÖSTERREICH:
Verbund kommt gut durch die Krise
Pandemie und die geringere Wasserführung ließen den Gewinn des Verbunds im ersten Halbjahr 2020 um rund 8,2 % schrumpfen. Für das Gesamtjahr gibt sich das Management aber optimistisch.
 

Der Verbund erwirtschaftete im ersten Halbjahr 2020 einen Gewinn von 310,4 Mio. Euro, um rund 8,2 % weniger als im ersten Halbjahr 2019. Der Umsatz verringerte sich um 14,1 % auf 1,71 Mrd. Euro. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) fiel um 6,8 % auf 639,0 Mio. Euro, das operative Ergebnis (Ebit) sank um 14,0 % auf 435,2 Mio. Euro.

Begründet wird dies insbesondere mit dem um rund 2,2 % auf 30.938 Mio. kWh gefallenen Stromabsatz infolge der COVID-19-Pandemie und der geringeren Wasserführung, die um etwa 16 Prozentpunkte unter dem Vergleichswert des ersten Halbjahres 2019 lag. Dies führte zu einem Rückgang der Stromerzeugung mittels Wasserkraft um 10,2 % auf 14.992 Mio. kWh. Insgesamt verringerten sich die Stromerlöse des Verbunds im ersten Halbjahr um 15,2 % auf 1,38 Mrd. Euro.

„Unser finanzielles Immunsystem ist hervorragend“

Generaldirektor Wolfgang Anzengruber bezeichnete die Zahlen als „eigentlich erfreulich. Wir sind bisher ganz gut durch die Krise gekommen“. Finanzvorstand Peter Kollmann verwies auf die um etwa 5,6 % auf 2,12 Mrd. Euro gesunkene Nettoverschuldung und auf die Finanzverbindlichkeiten, die mit rund 1,32 Mrd. Euro „auf dem niedrigsten Wert seit 15 Jahren“ seien. Laut Kollmann verfügt der Verbund damit auch über ausreichende Reserven für Investitionen: „Unser finanzielles Immunsystem ist hervorragend. Wir brauchen keinen Impfstoff.“

Was den Ausblick auf das Gesamtjahr betrifft, erwartet der Verbund bei einer angenommenen durchschnittlichen Wasserführung ein Ebitda von 1,15 bis 1,25 Mrd. Euro sowie ein Konzernergebnis zwischen 500 und 560 Mio. Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 erwirtschaftete das Unternehmen ein Ebitda von 1,18 Mrd. Euro und ein Konzernergebnis von 554,8 Mio. Euro. Für das aktuelle Jahr hat der Verbund mittlerweile 88 % seiner voraussichtlichen Stromverkaufsmengen preislich abgesichert, der erzielte Absatzpreis liegt laut Kollmann bei 45,4 Euro/MWh. Vergangenes Jahr wurden etwa 39,0 Euro/MWh erzielt. Für 2021 sind zurzeit 43 % der voraussichtlichen Verkaufsmengen preislich abgesichert, den Absatzpreis bezifferte Kollmann mit 44,8 Euro/MWh. Nicht zuletzt angesichts dessen blicke er „mit einem gewissen Optimismus in die Zukunft“.

1,7 Mrd. Euro Investitionen in Wasserkraftwerke bis 2030

Laut Anzengruber ist der Verbund bereit, bis 2030 rund 3 Mrd. Euro und sogar mehr in neue Erzeugungsanlagen zu investieren, davon etwa 1,7 Mrd. Euro in Wasserkraftwerke sowie 800 Mio. Euro in Windparks und Solaranlagen. Die Projekte sind ihm zufolge vorhanden: „Was wir brauchen, sind die Rahmenbedingungen, damit sich diese Vorhaben rechnen.“ Insbesondere müsse die Politik so rasch wie möglich, jedenfalls aber bis Jahresende, das Erneuerbare-Ausbau-Gesetz (EAG) beschließen.

Dies sei auch noch aus einem anderen Grund dringend notwendig: Im September muss der Übertragungsnetzbetreiber Austrian Power Grid (APG) entscheiden, ob er seinen Vertrag mit den Betreibern thermischer Kraftwerke über die Nutzung ihrer Anlagen zur Netzstabilisierung bis 2023 verlängert. Laut Anzengruber ist dies ohne Vorliegen zumindest eines Entwurfs des EAG schwierig, weil die EU-Kommission den Vertrag der APG mit den Kraftwerksbetreibern für EU-rechtswidrig hält. Deshalb sei eine andere Lösung für die langfristige Absicherung der thermischen Kraftwerke notwendig. Auf Nachfrage von E&M erläuterte Anzengruber, in Deutschland würden Gaskraftwerke zur Netzstützung errichtet, die über 10 Jahre abgeschrieben werden könnten: „So etwas hätten wir für Österreich auch gerne.“ 

 

Klaus Fischer
© 2020 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 30.07.2020, 12:59 Uhr

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