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Enerige & Management > Contracting Award 2022 - Vedec und E&M zeichnen drei hervorragende Projekte aus
Quelle: E&M
CONTRACTING AWARD 2022:
Vedec und E&M zeichnen drei hervorragende Projekte aus
Anlässlich seiner Jahrestagung zeichnete der Energiedienstleisterverband Vedec gemeinsam mit E&M am 20. September drei hervorragende Contracting Projekte der letzten zwei Jahre aus.
 
Der Gewinner des diesjährigen Contracting Awards ist ein Projekt der EDG (EnergieDienstleistungsGesellschaft Rheinhessen-Nahe mbh) mit dem „Energieeffizienzcluster Schulzentrum Nieder-Olm“. Zweitplatzierter wurde die E1 Energiemanagement mit einem Einsparcontracting im Märkischen Kreis und für Platz drei überzeugte die EnBW Contracting mit einem Wärmeversorgungskonzept im Bodenseekreis.

Alle zwei Jahre, schon seit 1997, kürt der Verlag Energie und Management herausragende Energiedienstleistungen, um sie besser ins Rampenlicht zu rücken. Am Abend des 20. September übergaben E&M und Vedec (Verband für Energiedienstleistungen, Effizienz und Contracting) Urkunden und Preis an die drei siegreichen Contracting-Projekte des Jahres 2022. Die drei Gewinner zeichnen sich laut Jury vor allem durch ihren Vorbildcharakter aus, wie Energiewende – insbesondere im Bestand öffentlicher Liegenschaften – in enger Zusammenarbeit mit den kommunalen Entscheidungsträgern vor Ort gelingen kann.

In einem feierlichen Rahmen in der Landesvertretung Niedersachsen in Berlin konnten die Projekte sich Fachkollegen vorstellen. Unter den zahlreichen Bewerbungen um den Preis fanden sich Modernisierungen von Universitätsliegenschaften, partnerschaftliche Contracting-Lösungen zwischen Versorgern und Landkreisen sowie Quartierskonzepte via Contracting.

Politische Diskussion zur Wärmewende

In einer Diskussionsrunde zum Auftakt des Abends diskutierte der Vedec-Vorstandsvorsitzende Tobias Dworschak mit Politikern über aktuelle Herausforderungen der Wärmewende. Dabei kritisierte der CSU-Bundestagsabgeordnete Andreas Lenz, die Regierung fokussiere sich zu stark auf den Stromsektor und vernachlässige den größeren Teil der Wärmeerzeugung, die ebenfalls auf erneuerbare Energien umgestellt werden müsse. Dem widersprach sein Kollege Konrad Stockmeier von der FDP. Gerade die Ampelkoalition nehme endlich auch das Energiesparen, die Effizienz und Bioenergie in den Fokus.
 
Preisträger und Auszeichner des Contracting-Awards von Vedec und E&M 2022 Quelle: E&M/Harmsen

Es gehe aber noch mehr, gab Markus Hümpfer, Bundestagsabgeordneter der SPD zu. Dabei verwies er auf die Wärmelieferverordnung, die im kommenden Frühjahr im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) novelliert werden soll. Die SPD habe dazu einen Entschließungsantrag eingereicht. Dessen Bearbeitung verzögere sich aktuell wegen der vielen Maßnahmen der Bundesregierung zur Sicherung der Energieversorgung. Die Wärmelieferverordnung liege aktuell im FDP-geführten Justizministerium. „Wir marschieren mit Volldampf nach vorn", versprach Hümpfer den versammelten Vertretern der Energiebranche. Der Fördermaßstab solle technologieoffen der Treibhausgasausstoß der jeweiligen Wärmelösung sein, umriss Hümpfer den SPD-Vorschlag.

Lenz mahnte an die Adresse der Bundesregierung, nicht zu viel auf die Wärmepumpe zu setzen sondern technologieoffen alle „Erneuerbaren dort einzusetzen, so sie am meisten Sinn machen“. Stockmeier unterstrich die Technologieoffenheit der FDP und versprach, sich dafür einzusetzen auch dekarbonisierte Gase zu entwickeln. „Wir wollen alle Bälle in der Luft halten, und uns nicht anmaßen zu wissen, was die beste Zukunftsperspektive hat“, sagte Stockmeier.
 
Die Diskutanten auf dem Abend der Vedec: v.li. Tobias Dworschak (Vedec), Konrad Stockmeier (FDP), Andreas Lenz (CSU), Markus Hümpfer (SPD). Quelle: E&M/Harmsen

In einem engagierten Appell wandte sich der Geschäftsführers des Gewinners des Contracting Awards an die Politik. Biomethan dürfe nicht wie Erdgas mit der Gasumlage belastet werden. „Es verdrängt doch russisches Erdgas und kommt aus Deutschland, das müssen wir honorieren, nicht bestrafen!", mahnte Christoph Zeis, Geschäftsführer der EDG. Zudem kritisierte er, dass die vom Bundeswirtschaftsministerium geplanten „Peaker"-Gaskraftwerke, die in Mangelsituationen Strom erzeugen sollen, nicht auch in die Abwärmenutzung einbezogen werden sollen.

Die drei Preisträger

Das Siegerprojekt der EDG überzeugte die Jury mit seiner engen Zusammenarbeit mit den kommunalen Beteiligten, der Einbeziehung örtlicher Wertschöpfungsketten sowie der hohen Skalierbarkeit. Das Projekt im Schulzentrum Nieder-Olm lasse sich beliebig für größere kommunale Liegenschaften sowie auch für Wohngebiete übertragen, um die schwerpunktmäßig fossilen Energien basierenden Heizsysteme zu dekarbonisieren. Um rund 60 % und 850 t pro Jahr konnten die CO2-Emissionen durch Biomassenutzung, Wärmetauscher und Pufferspeicher reduziert werden.

Das zweitplatzierte Projekt der E1 Energiemanagement im Märkischen Kreis setzte für insgesamt 20 Liegenschaften (Verwaltungsgebäude, Schulen, Museen und weitere) ein Energieeinsparcontracting um. Der Contractor erreicht eine reine Verbrauchsreduzierung bei Wärme und Strom im Schnitt der Liegenschaften bei rund 21 %. Die CO2-Emissionen sinken um 2.442 Tonnen im Jahr, dies entspricht 38,3 %. Die Erzeugungsanlagen wurden dafür mittels neuer KWK-Anlagen und Photovoltaik optimiert, die Wärmenetze passte man ebenfalls an und installierte Pufferspeicher.

Am dritten Platz hat die Jury vor allem überzeugt, dass durch partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Kommune und Energieversorger effiziente und einfache Lösungen geschaffen werden können. Die EnBW Contracting hat für das Bildungszentrum Markdorf im Bodenseekreis ein Wärmeversorgungskonzept umgesetzt. Der Contractor garantiert eine Wärmelieferung aus 50 % erneuerbaren Energien, bestehend aus Pellets und Biogas. Verglichen mit dem zuvor genutzten Brennstoff Erdöl ergibt sich eine CO2-Einsparung von 866 Tonnen im Jahr.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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