EWE-CEO Stefan Dohler (links) und Tesa-CEO Kourosh Bahrami aim Hambuger Werk. Quelle: EWE
Tesa hat für sein Hamburger Werk einen Liefervertrag über jährlich 500 Tonnen grünen Wasserstoff unterzeichnet. Der Brennstoff wird von EWE aus Emden ab 2028 geliefert.
Die EWE Hydrogen GmbH und die Tesa Werk Hamburg GmbH haben einen Wasserstoff-Liefervertrag unterzeichnet. Am 7. Oktober haben EWE-CEO Stefan Dohler und Kourosh Bahrami, CEO von Tesa, den Vertrag öffentlich gemacht. EWE sichert zu, ab 2028 jährlich 500 Tonnen Wasserstoff an das Tesa-Werk in Hamburg zu liefern. Der Wasserstoff soll dort für die Dampferzeugung eingesetzt werden und fossile Energieträger ersetzen.
Der für Tesa vorgesehene grüne Wasserstoff soll laut dem Energiedienstleister EWE aus Oldenburg (Niedersachsen) in der 320-MW-Wasserstofferzeugungsanlage des Energieversorgers in Emden erzeugt werden, die Ende 2027 in Betrieb gehen soll. Die Erzeugung erfolgt per Elektrolyse mit Strom aus erneuerbaren Energien und wird die europäischen Anforderungen an erneuerbaren Wasserstoff (RFNBO) erfüllen. Von dort soll der Wasserstoff über das entstehende Wasserstoff-Kernnetz nach Hamburg gelangen.
Tesa bereitet parallel bereits den Anschluss seines Werks an das Hamburger Wasserstoff-Industrie-Netz HH-WIN vor (wir berichteten). Der Anschluss soll bis Ende 2027 errichtet sein.
„Grüner Wasserstoff ergänzt Elektrifizierung, Wärmespeicherung und intelligente Energiesteuerung dort, wo Prozesswärme nicht vollständig elektrifiziert werden kann. So verbinden wir messbare CO2-Reduktion mit einer verlässlichen und zukunftsfähigen Produktion für unsere Kunden“, sagte Kourosh Bahrami, CEO der Tesa SE. Die energieintensive Klebebandproduktion soll künftig auf vier Säulen basieren: grüner Wasserstoff, Elektrifizierung von Prozessdampf mit Wärmespeichern, KI-gestützte Steuerung sowie kontinuierliche Effizienzsteigerung.
Neben dem Anschluss an das H2-Netz plant Tesa an seinem Standort Hamburg, einen wesentlichen Teil des benötigten Prozessdampfes in Zukunft über eine Power-to-Heat-Anlage mit integriertem Wärmespeicher zu erzeugen (wir berichteten). Das norwegische Unternehmen Energynest soll die 10-MW-Anlage mit einer Speicherkapazität von 40 MWh errichten. Der Spatenstich für die Power-to-Heat-Anlage und den Wärmespeicher ist für Herbst 2026 geplant. Die Inbetriebnahme erfolgt voraussichtlich im Sommer 2027.
Infrastruktur für den Wasserstoffhochlauf
EWE will künftig wesentliche Teile der Wasserstoff-Wertschöpfungskette − von der Erzeugung über Transport und Speicherung bis zur Lieferung an industrielle Kunden − bündeln. Im Projekt „Clean Hydrogen Coastline“ entstehen dafür in Nordwestdeutschland Elektrolyse-, Speicher- und Pipelineinfrastrukturen. Bund und Land Niedersachsen unterstützen den Aufbau dieser Wasserstoffinfrastruktur mit Fördermitteln. Dazu gehört auch die 320-MW-Erzeugungsanlage in Emden, aus der der Wasserstoff für Tesa stammen wird.
Auch die Transformation des Tesa-Werks Hamburg wird öffentlich unterstützt. Der Konzern erhält für das Vorhaben Fördermittel über einen Klimaschutzvertrag des Bundeswirtschaftsministeriums sowie lokale Fördermittel durch die Hamburgische Investitions- und Förderbank.
Für EWE ist Tesa nun nach der Vereinbarung mit der Salzgitter AG vor wenigen Wochen der nächste industrielle Liefervertrag für grünen Wasserstoff mit einem Industriekunden. Ab 2030 soll EWE jährlich rund 10.000 Tonnen Wasserstoff aus einer derzeit entstehenden Elektrolyseanlage in Emden an das Stahlunternehmen liefern. Die Liefervereinbarung gilt zunächst für sieben Jahre. Dies teilten die Unternehmen im Juni dieses Jahres mit (wir berichteten).
Der Aufbau des Hamburger Wasserstoff-Industrie-Netzes (HH-WIN) erfolgt durch die Hamburger Energienetze. Das Netz soll das Rückgrat für die Dekarbonisierung der lokalen Industrie bilden und 2027 in Betrieb gehen. Mit einer anfänglichen Leitungslänge von 40 Kilometern im Hafengebiet soll HH-WIN eine direkte Verbindung zwischen Erzeugern, Import-Terminals und industriellen Abnehmern wie Tesa herstellen. Bis 2031/32 soll das Netz auf insgesamt 60 Kilometer anwachsen, um weitere Unternehmen anzuschließen. Aktuell sind rund 18 Kilometer der Trasse fertiggestellt. (hr)
Mittwoch, 7.10.2026, 13:30 Uhr
Heidi Roider
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