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Enerige & Management > Stadtwerke - Strategieplanung unterentwickelt
Bild: Fotolia.com, nmann77
STADTWERKE:
Strategieplanung unterentwickelt
Stadtwerke definieren zwar oft strategische Ziele, etwa die Hälfte von ihnen verfolgt dann aber keine weitere Strategieplanung, stellt eine Studie fest.
 
Wie schätzen Stadtwerke ihre gegenwärtige Situation ein und womit wollen sie in der Zukunft Geld verdienen? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, hat die Unternehmensberatung Rödl & Partner die oberste Führungsebene von insgesamt 61 kommunalen Versorgungsunternehmen befragt. Erstaunlich zunächst: Mehr als die Hälfte von ihnen schätzt die aktuelle wirtschaftliche Lage ihrer Unternehmen derzeit als sehr gut oder gut ein. Das ändert sich aber, denn in fünf Jahren befürchten 61 % der Befragten, dass die Lage des Unternehmens nur noch mittelmäßig oder stagnierend ist.
 
Ebenfalls die Mehrheit der Stadtwerke-Chefs sieht die Aufgaben ihres Unternehmens ganz klassisch in der Erbringung von Leistungen der Daseinsvorsorge und nicht so sehr in einer gewinnorientierten Ausrichtung.
 
Wohin es in der als wirtschaftlich schwieriger eingeschätzten Zukunft gehen soll, darüber machen sich 78 % der Befragten Gedanken, und sie definieren dann strategische Ziele. Immerhin 20 % tun dies nicht, und betreiben damit Aktivitäten, ohne konkrete Ziele im Auge zu haben, kritisieren die Berater. Doch auch wer sich Zielvorgaben macht, erstellt dann nicht unbedingt einen Plan, um sie auch zu erreichen: Bei 51 % der befragten Unternehmen hat die Strategieplanung nur eine geringe oder mittlere Priorität. Dabei haben, so ein anderes Ergebnis der Befragung, rund 64 % der Unternehmen nach ihrer eigenen Einschätzung genügend Zeit und Informationen, um eine Unternehmensstrategie zu entwickeln, also um das künftige Marktumfeld und die Chancen darin näher zu beleuchten.
 
Weiteres Effizienz-Potenzial vorhanden
 
Wie bereiten sich die Unternehmen auf die Zukunft vor? An erster Stelle der Antworten (bei 85 % der Unternehmen) steht die organisatorische Restrukturierung. Das ist insofern bemerkenswert, weil schon seit vielen Jahren die Strukturen ständig umgebaut wurden. Die Autoren der Studie ziehen daraus den Schluss, dass das Effizienz-Steigerungspotenzial in den Unternehmen noch nicht ausgeschöpft ist. Die zweite Stelle bei den Nennungen (83 %) nimmt die Entwicklung von neuen Geschäftsfeldern ein. Auch Kooperationen nennen immerhin zwei Drittel der befragten Unternehmen als eine Möglichkeit, in der Zukunft wirtschaftlich besser bestehen zu können. Wenig Chancen räumt man in dieser Hinsicht dem Outsourcing von Aktivitäten ein: 76 % der Unternehmen sind der Ansicht, dass dies eher keine Maßnahme ist, um das Ergebnis zu verbessern.
 
Bei der Frage, in welche Bereiche Unternehmen künftig investieren werden, gibt es einen klaren Favoriten: 66 % der Befragten sehen Wachstumschancen hauptsächlich in der Wärmeversorgung. Auf den nächsten Plätzen liegen Investitionen in den Energievertrieb (61 %) und in erneuerbare Energien (60 %). Nur ein Drittel der Unternehmen sieht bei Breitband und Telekommunikation Wachstumschancen. Die Unsicherheit gerade in diesen Bereichen ist groß, denn 49 % der Befragten konnten hier keine Angaben zur Investitionsstrategie machen und 14 % wollen sich aus diesem Geschäft wieder zurückziehen – das ist die höchste Nennung beim Punkt Desinvestition.
 
Personal und Geld begrenzen Wachstum
 
Wie schnell sich welche Ziele umsetzen lassen, hängt unter anderem vom verfügbaren Kapital und vom Personal ab. Hier scheint das qualifizierte Personal das größere Problem zu sein: 41 % der Studienteilnehmer haben nicht genügend personelle Ressourcen, aber nur 29 % sehen finanzielle Engpässe bei der Umsetzung ihrer Ziele. Die Berater empfehlen deswegen, dass sich Versorgungsunternehmen gerade dem Thema Fachkräfte verstärkt widmen und attraktive Arbeitsplätze schaffen müssen. Beim Punkt Finanzierung sehen sie die Eigentümer des Unternehmens, also die Kommunen, in der Pflicht, sich während des Unternehmensumbaus und der Neuausrichtung mit niedrigeren Ausschüttungen zufrieden zu geben.
 
Das Erreichen der Ziele hängt aber nicht nur vom Personal und vom Geld ab, sondern auch davon, welche Strategien das Unternehmen dafür wählt und wie es seinen Kurs hin zum Ziel überwacht und steuert. Hier sehen die Berater Defizite, denn 40 % der Studienteilnehmer verzichten auf eine umfassende Abbildung der gesetzten strategischen Ziele in der Unternehmensplanung und 35 % der Studienteilnehmer haben keine regelmäßige Überprüfung ihrer Zielsetzung. Sie können dann nur sehr unvollständig sehen, ob das Unternehmen auf dem richtigen Kurs ist, mahnen die Autoren der Studie.
 
Um hier Abhilfe zu schaffen, sollten die Entscheidungsträger in den Unternehmen unbedingt überprüfen, wie sich Ergebnisbeiträge aus den bestehenden Geschäftsfeldern (auch in Abhängigkeit von bestimmten Szenarien) entwickeln, welche Potenziale es bei der Optimierung der Organisation und der Verbesserung der Unternehmenssteuerung noch gibt und welche Kernkompetenzen für die künftige Entwicklung von Unternehmen oder einzelnen Geschäftsfeldern genutzt werden können.
 

Armin Müller
Redakteur
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Montag, 21.03.2016, 09:10 Uhr

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