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Bild: Fotolia.com, Gina Sanders
STROMNETZ:
Stadtwerke verlangen dezentrale Stärkung
Kommunale und regionale Verteilnetzbetreiber fordern ein konsequentes Umsteigen auf eine dezentrale Energiewende und stellen damit den Ausbauplan für das Stromübertragungsnetz in Frage.
 
„Die Energiewende findet in den Verteilnetzen statt“ - etwa 97 Prozent der erneuerbaren Stromerzeuger seien auf dieser Netzebene angeschlossen, betont Katherina Reiche. Doch die Rahmenbedingungen seien weiter zentral auf Systemsteuerung durch die vier Übertragungsnetzbetreiber ausgerichtet, kritisierte die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) am 19. April vor Journalisten in Berlin. Sie forderte eine Diskussion darüber, „welcher ordnungspolitische Rahmen die dezentrale Welt besser abbilden könnte“.

Die Stadtwerke und andere Verteilnetzbetreiber reiben sich vor allem an der Führungsrolle der Übertragungsnetze bei der Systemsteuerung. Sie reklamieren stattdessen eine stärkere Systemverantwortung für sich und mahnen dafür nötige Veränderungen an. „Wir brauchen einen dezentralen Ordnungsrahmen“, forderte Josef Hasler. Ihm gehe es dabei vor allem darum „die Energiewende volkswirtschaftlich effizient zu organisieren“ und dafür sei es nötig noch einmal zu überlegen, „wer welche Rolle in diesem Spiel hat“, so der Vorstandschef des Nürnberger Kommunalversorgers N-Ergie AG.

Hasler hält es dabei auch für erforderlich, zuerst die Ausbaupläne für das Stromübertragungsnetz noch einmal kritisch zu überprüfen, um unnötige Investitionen zu vermeiden. Er bezweifelt, dass die geplanten großen Nord-Süd-Transportverbindungen, die so genannten HGÜ-Trassen, für die Versorgungssicherheit erforderlich sind und hält sie zumindest im vorgesehenen Ausbauumfang für fragwürdig. Er sage nicht, „dass wir die HGÜ-Trassen nicht brauchen“, sei jedoch der Ansicht, dass man „auf die Hälfte der Trassen verzichten kann“, so der N-Ergie-Chef Hasler in Berlin. Auch Reiche meinte, dass man sich „vielleicht den einen oder anderen Kilometer Übertragungsnetz sparen könnte“.

Verteilnetzbetreiber als Systemmanager

Stattdessen müssten Verteilnetzbetreiber als lokale oder regionale Systemmanager in der Lage versetzt werden, die jeweils günstigste Flexibilitätsoption zur Gewährleistung einer effizienten Versorgung wählen zu können, fordert der VKU. Strom sollte nämlich möglichst da, wo er erzeugt wird, auch verbraucht werden. Das spare Kosten. Dafür sei es aber nötig, das Energiewirtschaftsgesetz zu ändern und die Aufgaben der Netzbetreiber für die Systemverantwortung neu zu definieren.

Änderungsbedarf im Sinne einer stärkeren Systemverantwortung für Verteilnetzbetreiber sieht der VKU auch beim Gemeindewirtschaftsrecht, das so angepasst werden sollte, dass Netzbetreiber ihre Kooperationspartner frei wählen könnten und nicht durch das Örtlichkeitsprinzip gehindert würden, führte Reiche aus.

Ferner müsse der Regulierungsrahmen modifiziert werden, lautet eine weitere Forderung des Stadtwerkeverbandes. Die durch intelligentere Netzsteuerung steigenden Betriebskosten müssten bei der Regulierung angemessen berücksichtigt, Investitionen der Vergangenheit vollständig refinanziert werden.

Wohl schon auf die nächste Legislaturperiode gerichtet, platzierte Reiche ein weiteres Anliegen der Verteilnetzbetreiber. „Wir brauchen eine andere Finanzierung“, sagte sie. Die Netzentgelte auf der Niederspannungsebene müssten auf ein System umgestellt werden, das nicht mehr an der entnommenen Strommenge ausgerichtet ist, sondern Grund- und Leistungspreise stärker berücksichtigt. Dies sei nötig, um wachsende Aufgaben „zuverlässig erfüllen zu können“ und um zu einer verursachungsgerechteren und solidarischeren Finanzierung der Infrastruktur zu kommen.
 

Peter Focht
Redakteur
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Mittwoch, 19.04.2017, 16:44 Uhr

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