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Bild: Lars Schmid, Fotolia
WINDKRAFT:
Schuss ins eigene Knie
Mit dem bisherigen Ausschreibungsdesign für die Windkraft an Land hat die Bundesregierung nichts zur künftigen Versorgungssicherheit südlich der Mainlinie beigetragen.
 
Auf dem politischen Parkett in Berlin mehreren sich die Stimmen, die bei den nächsten Ausschreibungsrunden für die Windenergie an Land eine feste „Süd-Quote“ fordern, sprich von dem Zuschlagsvolumen soll ein festes Kontingent für die südlichen Bundesländern reserviert werden.

Denn bei den ersten drei Auktionen ist genau das eingetreten, was Kritiker stets befürchtet haben: Der Norden hängt den Süden beim künftigen Windkraftausbau deutlich ab. Eine aktuelle Auswertung der Fachagentur Windenergie an Land zeigt, dass knapp 85 Prozent (d.h. insgesamt 618 Windturbinen) der in den Ausschreibungen erfolgreichen Windturbinen in der nördlichen Landeshälfte (dazu zählt die FA Wind: Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, NRW, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein) einen Vergütungsanspruch auf Basis des EEG erhalten können.

Das ist deshalb bemerkenswert, da weite Regionen in Norddeutschland dem sogenannten Netzausbaugebiet zugeordnet sind, infolge dessen Zuschläge dorthin zusätzlich limitiert werden. Lediglich 15 Prozent (112 Anlagen) der in den Ausschreibungen erfolgreichen Windräder sind in der Südhälfte Deutschlands geplant. Trauriger Höhepunkt dabei: Bei allen drei Ausschreibungen konnte sich kein Gebot aus Baden-Württemberg durchsetzen. Demgegenüber verlief der Windenergiezubau in den letzten Jahren wesentlich gleichmäßiger verteilt: Von 2010 bis Mitte 2017 wurden jährlich etwa 70 Prozent der Neuanlagen in der Nordhälfte und 30 Prozent in der Südhälfte Deutschlands errichtet.

Mit dem bisherigen Ausschreibungsdesign schwächt die Bundesregierung auch die Versorgungssicherheit hierzulande, lässt sich aus einer Detailuntersuchung der Fachagentur Windenergie an Land schlussfolgern. Danach haben in den ersten drei Ausschreibungsrunden lediglich 3,4 Prozent der 730 erfolgreichen Windprojekte südlich der Mainlinie einen Zuschlag erhalten. Das heißt in Zahlen: In Baden-Württemberg, Bayern, dem Saarland, Rheinland-Pfalz sowie in den südlichen Landkreisen von Hessen werden ab 2019 vorerst nur 25 neue Windturbinen mit einer Leistung von etwa 94 MW ans Netz gehen. Und das in einer Region, die die Bundesnetzagentur als systemrelevant einstuft.

Das haben in den zurückliegenden Monaten unter anderem die Betreiber des Gaskraftwerkes Irsching bei Ingolstadt (genau genommen die Blöcke 4 und 5) oder die Energie Baden-Württemberg (EnBW) zu spüren bekommen. Ihre Anträge auf Stilllegung von Kraftwerkskapazitäten hat die Bonner Behörde stets abgelehnt. Unabhängig davon werden bis Ende 2019 südlich der Mainlinie nach einer Übersicht der Bundesnetzagentur (Stand: 7. November 2017) fossile Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von 3 131 MW die Stromerzeugung einstellen. Zusätzlich gehen in dieser Region mit den vereinbarten Stilllegungen der Atomkraftwerke Gundremmingen C, Neckarwestheim 2 und Isar 2 bis Ende 2022 weitere 4 200 MW Leistung vom Netz. Nicht umsonst gibt es in Bayern immer wieder Überlegungen, sozusagen staatseigene Gaskraftwerke zu bauen.

Die Bundesregierung hat jedenfalls mit dem bisherigen Ausschreibungsdesign die Chance vertan, mit einem Ausbau der Windenergie im Süden dort einen nennenswerten Beitrag zur Versorgungssicherheit zu leisten. Auch deshalb dürften die Forderungen nach einer „Süd-Quote“ zunehmend an Gewicht gewinnen.
 

Ralf Köpke
© 2017 Energie & Management GmbH
Freitag, 01.12.2017, 14:56 Uhr

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