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INTERVIEW:
Schlemmermeier: "Das dürfte ein echter Game Changer werden"
Ben Schlemmermeier von der LBD Beratungsgesellschaft und Christian von Hammerstein von der Wirtschaftskanzlei Raue LLP erläutern, warum sie Eons Innogy-Pläne sehr kritisch sehen.
 
E&M: Um den Deal zwischen dem Eon- und dem RWE-Konzern zur Aufteilung von Innogy, für den es im vergangenen Frühjahr sogar Zustimmung beispielsweise von der Düsseldorfer Landesregierung gegeben hat, war es monatelang ruhig gewesen. Können die Pläne noch platzen, jetzt, wo die EU-Wettbewerbskommission die Vereinbarung endlich prüft?

Schlemmermeier: Den meisten Beobachtern war bei der Einigung von RWE und Eon, wie sie ihre Geschäfte untereinander aufteilen wollen, gar nicht klar, wohin das führt, nämlich zu einer schwerwiegenden Konzentration und Marktmacht. Das ist ein Rückschlag für alle Energieverbraucher.

 
Christian von Hammerstein: „Die Reaktionen auf die Eon/RWE-Pläne waren voreilig und wenig fundiert.“
Bild: Raue LLP


von Hammerstein: Die meist positiven Reaktionen auf die Eon/RWE-Pläne waren viel zu voreilig und wenig fundiert. Eon wollte die Übernahmepläne eigentlich bereits im vergangenen Sommer in Brüssel eingereicht haben. Dass dies nun erst Ende Januar erfolgte, ist ein deutliches Indiz, dass das Vorhaben alles andere als ein Selbstläufer ist. Bereits bei den monatelangen Vorgesprächen hat sich gezeigt, dass die Kommission weitaus kritischere Fragen zur Übernahme von Innogy und der Übertragung der Erzeugungsaktivitäten auf RWE hat als es sich die Eon- und RWE-Vorstände ausgemalt haben.

Schlemmermeier: Die Wettbewerbskommission hat sich unseres Erachtens wirklich intensiv auf das von Eon eingeleitete Fusionsverfahren vorbereitet. Weniger als 24 Stunden nach der Anmeldung hat Brüssel einen 200 Fragen umfassenden Fragebogen an die Wettbewerber verschickt, der wirklich sehr in die Tiefe geht. Auch wenn es in Brüssel zuletzt ein intensives Industrie-Lobbying für die Innogy-Zerschlagung gegeben hat, eines muss man wissen: Die Wettbewerbskommission ist wirklich unabhängig und lässt sich von solchen Lobbying-Attacken nicht beeindrucken. Das zeigen derzeit die Auseinandersetzungen um die Fusion der Bahn-Sparten von Siemens und Alstom.

E&M: Welche kartellrechtlichen Bedenken haben Sie gegen die Eon/RWE-Pläne?

„Es gibt keinen nationalen, sondern vielmehr regionale und lokalen Märkte“

von Hammerstein: Wir sehen vor allem zwei Märkte, in denen nach unserer Auffassung die Geschäftsaktivitäten von Eon und RWE nicht zusammengeführt werden können: Und zwar beim privaten Strom- und Gasvertrieb sowie beim Messstellenbetrieb. Eon vertritt die Auffassung, dass es nationale Strom- und Gasmärkte gibt – da würde die Übernahme der Innogy-Aktivitäten mit all ihren Tochterunternehmen keine Rolle spielen. In Wirklichkeit haben wir es aber in Deutschland mit regionalen und lokalen Märkten zu tun. Das zeigt allein der Umstand, dass jeder Kunde, der seinen Anbieter wechseln will, für ein Angebot zuerst seine Postleitzahl angeben muss. Bis auf Lekker Energie hat jeder Anbieter in jedem Grundversorgungsgebiet eine unterschiedliche Margenerwartung, die sich bis zu 100 Prozent unterscheidet. Diese regionale Preis- und Margendifferenzierung, die nicht ihre Ursache allein in unterschiedlichen Netzentgelten und Abgaben hat, sprich das Vorhandensein von ausgeprägten Lokal- und Regionalmärkten, ist beim Eon/RWE-Deal in der Fachöffentlichkeit bislang kaum thematisiert worden. Es gibt zwar im Energiesektor wie bei den Tankstellen bundesweit auftretende Marken, aber stets ein lokales Pricing. Eon wird mit der Übernahme aller Vertriebsaktivitäten der Innogy-Gruppe und ihrer jeweiligen Grundversorgerstellung auf Marktanteile bei Strom und Gas von durchschnittlich 70 Prozent in den jeweiligen Grundversorgungsgebieten kommen. Das ist unstrittig. Daran kommt auch die Kommission nicht vorbei.
  
Ben Schlemmermeier: „Es besteht die Gefahr, dass Eon seine Marktmacht künftig nutzt, um seine Smart Meter technisch auf seinen Vertrieb auszurichten.“
Bild: LBD-Beratungsgesellschaft mbH

 
E&M: Was ist mit dem Markt für den Messstellenbetrieb, den Sie ebenfalls gefährdet sehen?

Schlemmermeier: Eon wird nach der Fusion den direkten Zugriff auf 15 Mio. Zählpunkte haben, hinzukommen weitere rund 5 Mio. Zählpunkte über Tochtergesellschaften. Der Bundesweite Marktanteil liegt so bei über 40 Prozent. Die Nummer zwei, Netze BW, kommt lediglich auf zwei Mio. Zählpunkte. Das ist eine absolute Asymmetrie. Das führt zu enormen Skaleneffekten beispielsweise bei der Einführung von Innovationen für neue Produkte und Prosumer. Das stärkt dann den eigenen Vertrieb. Es besteht zudem die Gefahr, dass Eon seine Marktmacht künftig nutzt, um seine Smart Meter technisch auf seinen Vertrieb auszurichten. Der eigene Vertrieb von E.ON wird damit immer einen Vorsprung haben und schneller smarte Produkte mit diesen Smart Metern anbieten können als die Wettbewerber, auch wenn ihnen der Zugang diskriminierungsfrei zu gewähren ist.

E&M: Was heißt das, wenn die EU-Kommission Ihrer Auffassung folgt?

von Hammerstein: Wenn es dazu kommt, dürfte Eon den Messstellenbetrieb von Innogy nicht übernehmen, müsste ihn in verschiedenen Losen verkaufen und als Netzbetreiber den grundzuständigen Messstellenbetrieb ausschreiben.
Schlemmermeier: Das ist der eine Punkt. Wenn die Kommission die Fusion in weiten Teilen verwirft, erwarte ich, das Eon erhebliche Zusagen zu Deinvestitionen macht, um die Vereinbarung mit RWE irgendwie zu retten. Das dürfte ein echter Game Changer werden. Eine Reihe von Innogy-Tochtergesellschaften hat kommunale Miteigentümer, für diese Städte und Gemeinde böte sich die Chance auf eine Rekommunalisierung
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E&M: Wie geht es bei dem Prüfverfahren weiter?

von Hammerstein: Bis Ende Februar muss die Kommission entschieden haben, ob sie das Hauptprüfverfahren eröffnet. Wenn ja, dauert dieses Verfahren weitere vier Monate. Danach kommt es zu Entscheidung, ob die Fusion gegebenenfalls mit Auflagen genehmigt wird oder nicht.

Hinweis
Im Vorfeld der von der Wettbewerbs-Kommission in Brüssel eingeleiteten Vorprüfung, ob es zu einem Hauptprüfverfahren zur Innogy-Übernahme kommt, haben LBD und Raue LLP mehrere Unternehmen aus der Energiebranche beraten, die ihre Geschäfte durch den neuen „Energieriesen“ beeinträchtigt sehen.
 

Ralf Köpke
© 2019 Energie & Management GmbH
Montag, 04.02.2019, 14:49 Uhr

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