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Enerige & Management > Unternehmen - Scharfe Kritik an Innogy-Übernahme
Bild: RWE
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Scharfe Kritik an Innogy-Übernahme
Die EU-Kommission hat dem Eon-Konzern die Übernahme der RWE Ökostrom-Tochter Innogy erlaubt. Die Auflagen fallen moderat aus. Von Marktteilnehmern kommt scharfe Kritik.
 
Nach dem positiven Bescheid aus Brüssel kündigte Eon an, Innogy so schnell wie möglich zu integrieren. Vorstandsvorsitzender Johannes Teyssen erklärte, man wolle die neue Energiewelt aktiv gestalten, innovativer werden, Energie immer effizienter nutzen und einen wirkungsvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Das Unternehmen habe das Ziel, mit intelligenten Netzen immer mehr grünen Strom zu den Menschen zu bringen. Der neue Konzern hat rund 50 Mio. Kunden in 15 Ländern und beschäftigt 70 000 Mitarbeiter.

VKU sieht Politik gefordert

Kritik an dem genehmigten Innogy-Deal kommt von Marktteilnehmern in Deutschland. Bereits im Vorfeld hatten sich die kommunalen Energieversorger gegen den Zusammenschluss von Eon und Innogy ausgesprochen und ihre Bedenken geäußert. Sie befürchten drastische Auswirkungen auf die Vielfalt in der Branche und ungleiche Wettbewerbsbedingungen. Den in einem gemeinsamen Positionspapier geforderten strengen Fusions-Auflagen hat sich Brüssel unterdessen nicht angeschlossen.

Auch der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) hatte im Verfahren gegenüber der EU-Kommission auf die weiteren Bedenken gegen den Zusammenschluss in den Bereichen des Netzbetriebs, des Energievertriebs und der Messdienstleistungen und Energiedienstleistungen hingewiesen.

Der VKU teilte nun mit: „Nunmehr ist die Politik gefordert: Die zu erwartende Umgestaltung des Energiemarktes muss aber auch ein Anlass sein, um die Rahmenbedingungen für die Tätigkeiten kommunaler Energieversorger zu verbessern“. Ziel müsse es sein, dass Stadtwerke auch künftig unter den neuen Marktbedingungen ihre Rolle im Wettbewerb erfüllen könnten.

Der Vorstandsvorsitzende der Mainova, Constantin H. Alsheimer, bezeichnete die Entscheidung der EU-Kommission als „sehr ernüchternd“. Seiner Meinung nach beschränkt die Fusionsgenehmigung den Wettbewerb und führe zu einer unangemessenen Marktmacht von Eon. „Hier entsteht durch anorganisches Wachstum ein Unternehmen mit marktbeherrschender Stellung zum Nachteil der Wettbewerber und damit aller Verbraucher“, so Alsheimer.

Fortschritte der Marktliberalisierung zunichtegemacht

Scharfe Kritik an der Entscheidung übt aktuell beispielsweise der Ökostrom-Anbieter Lichtblick. Der Wettbewerb werde auf der Strecke bleiben und der Verbraucher die Zeche bezahlen müssen, fürchtet Geschäftsführer Gero Lücking. „Eine solche Machtkonzentration hat es im deutschen Energiemarkt noch nie gegeben.“

Von insgesamt 14 Mio. Strom- und Gaskunden werde Eon in Deutschland gerade einmal 266 000 Heizstromkunden abgeben müssen. Das sei, so Lücking, verglichen mit den Auflagen in Ungarn und Tschechien geradezu lächerlich. Und: Mit dem Deal würden jegliche Fortschritte der Marktliberalisierung der vergangen 20 Jahre zunichtegemacht.

Wie es in einer Mitteilung von Lichtblick weiter heißt, werde Eon auf zwei Drittel der Fläche zu Deutschlands größtem Stromanbieter mit dort 70 % Marktanteil, mit insgesamt 160 Marken und 840 Tarifen. Zudem werde man 20 Mio. Zählpunkte kontrollieren und damit im gerade erst entstehenden Smart-Metering-Geschäft von Anfang an dominierend sein. Ähnliches gelte bei der Ladeinfrastruktur für E-Autos. Der Ökostrom-Anbieter kündigte an, die Möglichkeit einer Klage am Gericht der Europäischen Union zu prüfen.

Wettbewerbsdruck auf Stadtwerke steigt

Auch Verbraucherschützer sehen die Zusage aus Brüssel zur Zerschlagung des Energieunternehmens Innogy kritisch. Udo Sieverding, Bereichsleiter Energie der Verbraucherzentrale NRW sagte: „Die Auflagen sind zu weich – dass Eon keine ihrer zwei Discounter-Töchter verkaufen und auch keine Beteiligung an Stadtwerken oder Regionalanbietern aufgeben muss, überrascht.“

Sieverding erwartet nun, dass der Wettbewerbsdruck auf die rund 900 Stadtwerke in Deutschland durch den neuen großen Gegenspieler deutlich zunehmen wird, denn der Wettbewerbsvorteil von Eon sei „sehr groß“, so Sieverding.
 

Günter Drewnitzky
© 2019 Energie & Management GmbH
Dienstag, 17.09.2019, 15:30 Uhr

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