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Enerige & Management > Frankreich - RTE sichert Winternachfrage
Bild: Fotolia.com, daboost
FRANKREICH:
RTE sichert Winternachfrage
Der französische Übertragungsnetzbetreiber RTE stellt die Versorgungslage für den kommenden Winter unter „hohe Wachsamkeit“.
 
Die Stromversorgung im kommenden Winter ist in Frankreich „kritischer“ als in den vergangenen Jahren, heißt es in dem am 8. November von RTE vorgestellten Bericht zum „Ausgleich zwischen Stromangebot und -nachfrage für den Winter 2016-2017“. Dies liegt vor allem an dem „historischen Tiefstand“ der Nuklearstromproduktion, da derzeit 18 der insgesamt 58 französischen Reaktoren wegen Reparaturarbeiten vom Netz genommen sind. Dies bedeutet laut RTE für den kommenden Dezember 11 300 MW weniger Stromerzeugungs-Leistung. EdF hat demnach angekündigt, im Dezember würden 13 Reaktoren und im Januar 2017 neun Reaktoren still stehen.

Allerdings, so beruhigt RTE-Präsident Francois Brottes, gebe es keine Probleme, wenn der Winter normal verlaufe. Schwieriger werde die Situation, wenn es eine strenge Kältewelle gebe und gleichzeitig die Verfügbarkeit der Kernkraftwerke weiter sinke. Die starke Abhängigkeit der Stromversorgungslage von den Temperaturen liegt vor allem an dem hohen Anteil von Elektroheizungen in Frankreich. Jedes Grad Celsius weniger bedeute einen zusätzlichen Bedarf von 2 400 MW, heißt es dazu. Der Spitzenbedarf schwankt laut RTE zwischen 81 und 109 GW.

Kritisch wird die Lage laut der Analyse jedoch nur bei der Verbrauchsspitze in den frühen Abendstunden zwischen 18 und 20 Uhr, wo für wenige Minuten Engpässe auftreten könnten. Gegen diese Gefahr hat RTE Vorsorgemaßnahmen getroffen.

Erneuerbare leisten wichtigen Beitrag

Zum einen geht RTE wegen Energieeffizienzmaßnahmen von einer Senkung des Verbrauchs der privaten Haushalte um jeweils 2 Mrd. kWh/a bis 2020 aus. Zum anderen gibt es auch in Frankreich Lastmanagement, das Potenzial liegt bei 3 Mrd. kWh (3 000 TWh). Einen nicht unerheblichen Beitrag leisten auch die erneuerbaren Energien zur Versorgungssicherheit: So wird die Schließung von thermischen Kraftwerken zum Teil durch ein neues 600 MW Biomassekraftwerk ausgeglichen.

Die Photovoltaik trägt 40 % zur Absicherung der Mittagsspitze bei. Insgesamt wuchs die Solar-und Windleistung gegenüber dem Vorjahr um1 900 MW. Bei der traditionell in Frankreich starken Wasserkraft gibt es im kommenden Winter jedoch durch die lange Trockenheitsperiode im Sommer einen Tiefstand wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Stromimporte sichern die Versorgung

Vor allem aber verweist RTE für die Sicherung der Stromversorgung auf die Möglichkeit von Stromimporten. Die Kapazität dafür ist insbesondere durch die Leitungsverbindung nach Spanien gesteigert worden. Technisch liegt die Gesamtkapazität bei 12,2 GW, das sind 30 % mehr als im Vorjahr. „Eine solche, zuvor nie gesehene Importkapazität, wurde durch die volle Verfügbarkeit der neuen Verbindung nach Spanien möglich“, so RTE. Auch die Optimierung der Interkonnektoren sowie die verbesserte Koordination der Kapazitäten in Norditalien ab Januar 2017 trage dazu bei. In seinen Simulationen geht RTE von einem durchschnittlichen Stromimport-Volumen zwischen 7 000 und 11 000 GW während einer längeren Kältewelle in diesem Winter aus.

Sollte es dennoch zu einer kritischen Situation durch ein extremes Ungleichgewicht zwischen Stromangebot und -nachfrage kommen, könnte RTE „außergewöhnliche“ Maßnahmen ergreifen: Dazu gehören die Senkung der Netzspannung um 5 % in den Verteilnetzen sowie der Lastabwurf. Vor allem der Zeitraum zwischen Ende November und Mitte Dezember wird als am wenigsten robust gegenüber einer starken Kältewelle angesehen, ebenso der Zeitraum Ende Januar/Anfang Februar. Dieses Szenario komme aber laut der Statistik nur alle 20 Jahre vor, heißt es dazu.

Am 5. Dezember will RTE eine App mit dem Namen „Alerte (Alarm) Eco2mix“ starten, mit der die Stromkunden jeweils am Vorabend von erwarteten Versorgungsengpässen zu einfachen Energiesparmaßnahmen aufgefordert werden. Genannt werden dazu insbesondere die Absenkung der Raumtemperatur um ein bis zwei Grad, der Einsatz von Waschmaschinen, Trocknern und Geschirrspülern in verbrauchsarmen Stunden und die Abschaltung von Stand-by und Computern am Abend sowie Einschränkung der Beleuchtung.
 

Angelika Nikionok-Ehrlich
Redakteurin
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Mittwoch, 09.11.2016, 15:39 Uhr

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