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Bild: Fotolia.com, nmann77
STADTWERKE:
Rollierende Beschaffung schafft Mehrwert
Kaum haben Stadtwerke in größerer Zahl von Vollversorgung auf strukturierte Beschaffung ihrer Strommengen für Haushalts- und Gewerbekunden umgestellt – schon stehen weitere Anpassungen des Energieeinkaufs an.
 
„Der stetig steigende Anteil regenerativer Energie stellt die Beschaffungsstrategien von Versorgern vor neue Herausforderungen“, sagt Joachim Wittinghofer. Die neue Losung laute deshalb „rollierende Strukturierung“, so der Fachbereichsleiter Portfoliomanagement bei der Stadtwerke-Kooperation Trianel in Aachen.

Bisher ist die strukturierte Beschaffung in der Regel darauf ausgerichtet, sich jeweils für ein Jahr so einzudecken, dass sich Short- und Long-Positionen, also die Strommengen, die kurzfristig am Spotmarkt beschafft oder verkauft werden müssen, über den gesamten Zeitraum wertmäßig in etwa die Waage hielten. Dieses Vorgehen ist in der Branche als Strategie der Wertneutralität geläufig.

Eine solche Ausrichtung verliere aber durch den schellen Zubau der erneuerbaren Energien und die zunehmende Direktvermarktung an Stabilität, erklärt Wittinghofer. Denn die regenerativen Strommengen sind erheblich schwerer kalkulierbar. „Das Wetter spielt eine immer wichtigere Rolle“, so der Trianel-Experte. Zu wenig Wind im Winter oder zu viel im Sommer führt zu erheblichen Preisausschlägen an den Spotmärkten und bringt die Balance der Beschaffung ins Wanken. „Das kurze Ende ist wesentlich volatiler geworden“, bringt er die Veränderung auf den Punkt.
 
Neue Musk im Beschaffungsmarkt für Strom verspricht Joachim Wittinghofer
Bild: Trianel

Sein Lösungsvorschlag: Unterjährige Portfoliobewirtschaftung. Nicht mehr Kalenderjahresprodukte sondern kurzfristigere Terminprodukte, die Wettergegebenheiten besser abbilden, seien erforderlich, um die Beschaffungsrisiken zu verringern, so Wittinghofer. Problem dabei: Monats- oder Vierteljahresprodukte können kaum wirtschaftlich für ein ganzes Jahr im Voraus beschafft werden, weil sie am OTC-Markt und an der Energiebörse in Leipzig nur für die nächsten drei Monate oder Quartale liquide gehandelt werden.

Daraus folgt, dass Stadtwerke bei der Strombeschaffung das Jahr als Strukturierungszeitraum zunehmend ignorieren und ihr Portfolio rollierend strukturieren sollten. So werden offene Positionen, also Differenzen zwischen beschafften Mengen und geplantem Absatz zusätzlich verringert, erläutert Wittinghofer.

Eine solche Umstellung des Stromeinkaufs erhöhe zwar den Aufwand, wie der Trianel-Manager einräumt, senke aber auch den Bedarf an Risikokapital und eröffne dem Unternehmen Wertschöpfungsmöglichkeiten. „Die rollierende Beschaffung schafft Mehrwerte. Wir haben so neue Musik im Markt.“

Wittinghofer berichtet von Erkenntnissen des Unternehmens, wonach ein Stadtwerk mit einem Absatzvolumen von 250 Mio. kWh in einer „moderat-aktiven Strukturierungsstrategie“ sein Beschaffungsergebnis allein durch eine geringfügige Integration von Quartalsprodukten um 2,34 Prozent verbessern kann. Durch eine ausgeprägte Einbindung von Quartalsprodukten und eine gezielte Einbindung von Monatsprodukten könnten die Kosten sogar um 2,6 bis 3,1 Prozent verringert werden..

Eine veränderte Beschaffungsstrategie erfordere aber „klare Handlungsmuster für alle Beteiligten“ und eine speziell darauf ausgerichtetes Risikomanagement. Der Marktzugang sollte auch Handelsprodukte in Losgrößen unter 5 MW erschließen. Die damit betrauten Händler müssten kontinuierlich den Markt beobachten. Sei diese nicht möglich, sollte ein Stadtwerk lieber einen Dienstleister beauftragen.

Die unterjährige Portfoliobewirtschaftung biete auch eine Möglichkeit, die aktuell niedrigen Vertriebsmargen etwas aufzufangen, ist sich Wittinghofer sicher. Mit der Anpassung der Beschaffungsstrategie an die durch die Energiewende verursachten Marktveränderungen könnten Stadtwerke ihre Profitabilität deutlich steigern.
 

Peter Focht
Redakteur
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Montag, 16.03.2015, 13:31 Uhr

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