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Energie & Management > Politik - Reiche sichert stabile Gasversorgung zu
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Quelle: Susanne Harmsen
Politik

Reiche sichert stabile Gasversorgung zu

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will mit neuen Lieferverträgen und Ausschreibungen die Gasversorgung sichern und Risiken durch den Iran-Krieg abfedern.
Am 30. März sagte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) in Berlin vor Journalisten, dass die Regierung die sichere Energieversorgung im Blick habe. So treibe sie den Ausbau langfristiger Gaslieferverträge voran, um die Versorgungssicherheit in Deutschland und Europa angesichts geopolitischer Risiken zu stabilisieren. Reiche erklärte, Deutschland müsse mit möglichst vielen Lieferanten aus unterschiedlichen Regionen zusammenarbeiten.

Konkret kündigte sie für das bundeseigene Energieunternehmen Securing Energy for Europe (Sefe) zusätzliche Flüssiggasausschreibungen an (LNG). Das Unternehmen veröffentlichte zeitgleich eine Ausschreibung für LNG in einem sogenannten Tender über mittelfristige Lieferungen im Zeitraum von 2027 bis 2036.

Die Lieferungen sollen überwiegend an LNG-Terminals in Nordwesteuropa gehen, insbesondere nach Deutschland, in die Niederlande, nach Belgien und Frankreich. Die Vertragslaufzeiten variieren nach Unternehmensangaben zwischen einem und zehn Jahren. Sefe-Manager Frederic Barnaud erklärte, mit der Ausschreibung wolle das Unternehmen gezielt zusätzliche Marktteilnehmer ansprechen.

Ziel sei es, mögliche Lieferunterbrechungen aus dem Nahen Osten auszugleichen und die europäische Energieversorgung breiter aufzustellen. Ergänzt werde der Ansatz durch bestehende langfristige Lieferverträge, unter anderem mit Argentinien.

Mehr Lieferländer im Blick

Parallel dazu setzt die Bundesregierung auf eine stärkere Diversifizierung der Pipeline-Lieferungen. Reiche zufolge will der Leipziger Energieversorger VNG AG, ein Unternehmen mit Fokus auf Gasimport und -handel, seine Beziehungen zu Algerien ausbauen. Zudem stehe mit Aserbaidschan ein weiterer Lieferant bereit, der zusätzliche Mengen über Pipelines liefern könne.
 
 
Die aktuellen energiepolitischen Maßnahmen stehen im Kontext des Iran-Kriegs. Laut Reiche treffen dessen wirtschaftliche Folgen bislang vor allem asiatische Märkte. Dennoch sei auch in Deutschland eine wirtschaftliche Abschwächung erkennbar. Wie stark die Auswirkungen ausfallen, hänge maßgeblich von der Dauer des Konflikts ab.

Steigende Inflation wegen Energiepreisen

Die steigenden Energiepreise spiegeln sich bereits in den Inflationsdaten wider. Im März lagen die Energiepreise laut Statistischem Bundesamt um 7,2 Prozent über dem Vorjahresniveau. Es handelt sich um den ersten Anstieg seit Dezember 2023. Insgesamt erhöhten sich die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vormonat Februar um 1,1 Prozent. Dienstleistungen verteuerten sich um 3,2 Prozent, Lebensmittel um 0,9 Prozent.

Ökonomen rechnen mit weiterem Preisdruck. Der Chefvolkswirt der Commerzbank AG Jörg Krämer erklärte, der Anstieg der Inflation sei „erst der Anfang“. Höhere Energiekosten würden sich entlang der Wertschöpfungsketten ausbreiten, sofern der Konflikt nicht schnell beendet werde. Auch andere Institute haben ihre Prognosen angepasst. Die Deutsche Bank AG erwartet inzwischen eine durchschnittliche Inflationsrate von 2,7 Prozent für das laufende Jahr. Die Deutsche Bundesbank geht kurzfristig sogar von einem Anstieg in Richtung drei Prozent aus.

In der politischen Debatte um Versorgungssicherheit und Preisentwicklung bleibt die Rolle fossiler Kraftwerke umstritten. Die energiepolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Nina Scheer, bekräftigte, dass eine verlängerte Nutzung von Kohlekraftwerken über das Jahr 2038 hinaus nicht vorgesehen sei.

Laut Scheer gebe es derzeit keinen Anlass für eine Reaktivierung, wie sie von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erwogen wurde. Vielmehr sollten erneuerbare Energien die zentrale Rolle im künftigen Energiesystem einnehmen, sagte Scheer. Voraussetzung sei jedoch, dass der Ausbau von Netzen, Speichern und Flexibilitäten konsequent vorangetrieben werde.

Montag, 30.03.2026, 16:02 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > Politik - Reiche sichert stabile Gasversorgung zu
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Quelle: Susanne Harmsen
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Reiche sichert stabile Gasversorgung zu
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will mit neuen Lieferverträgen und Ausschreibungen die Gasversorgung sichern und Risiken durch den Iran-Krieg abfedern.
Am 30. März sagte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) in Berlin vor Journalisten, dass die Regierung die sichere Energieversorgung im Blick habe. So treibe sie den Ausbau langfristiger Gaslieferverträge voran, um die Versorgungssicherheit in Deutschland und Europa angesichts geopolitischer Risiken zu stabilisieren. Reiche erklärte, Deutschland müsse mit möglichst vielen Lieferanten aus unterschiedlichen Regionen zusammenarbeiten.

Konkret kündigte sie für das bundeseigene Energieunternehmen Securing Energy for Europe (Sefe) zusätzliche Flüssiggasausschreibungen an (LNG). Das Unternehmen veröffentlichte zeitgleich eine Ausschreibung für LNG in einem sogenannten Tender über mittelfristige Lieferungen im Zeitraum von 2027 bis 2036.

Die Lieferungen sollen überwiegend an LNG-Terminals in Nordwesteuropa gehen, insbesondere nach Deutschland, in die Niederlande, nach Belgien und Frankreich. Die Vertragslaufzeiten variieren nach Unternehmensangaben zwischen einem und zehn Jahren. Sefe-Manager Frederic Barnaud erklärte, mit der Ausschreibung wolle das Unternehmen gezielt zusätzliche Marktteilnehmer ansprechen.

Ziel sei es, mögliche Lieferunterbrechungen aus dem Nahen Osten auszugleichen und die europäische Energieversorgung breiter aufzustellen. Ergänzt werde der Ansatz durch bestehende langfristige Lieferverträge, unter anderem mit Argentinien.

Mehr Lieferländer im Blick

Parallel dazu setzt die Bundesregierung auf eine stärkere Diversifizierung der Pipeline-Lieferungen. Reiche zufolge will der Leipziger Energieversorger VNG AG, ein Unternehmen mit Fokus auf Gasimport und -handel, seine Beziehungen zu Algerien ausbauen. Zudem stehe mit Aserbaidschan ein weiterer Lieferant bereit, der zusätzliche Mengen über Pipelines liefern könne.
 
 
Die aktuellen energiepolitischen Maßnahmen stehen im Kontext des Iran-Kriegs. Laut Reiche treffen dessen wirtschaftliche Folgen bislang vor allem asiatische Märkte. Dennoch sei auch in Deutschland eine wirtschaftliche Abschwächung erkennbar. Wie stark die Auswirkungen ausfallen, hänge maßgeblich von der Dauer des Konflikts ab.

Steigende Inflation wegen Energiepreisen

Die steigenden Energiepreise spiegeln sich bereits in den Inflationsdaten wider. Im März lagen die Energiepreise laut Statistischem Bundesamt um 7,2 Prozent über dem Vorjahresniveau. Es handelt sich um den ersten Anstieg seit Dezember 2023. Insgesamt erhöhten sich die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vormonat Februar um 1,1 Prozent. Dienstleistungen verteuerten sich um 3,2 Prozent, Lebensmittel um 0,9 Prozent.

Ökonomen rechnen mit weiterem Preisdruck. Der Chefvolkswirt der Commerzbank AG Jörg Krämer erklärte, der Anstieg der Inflation sei „erst der Anfang“. Höhere Energiekosten würden sich entlang der Wertschöpfungsketten ausbreiten, sofern der Konflikt nicht schnell beendet werde. Auch andere Institute haben ihre Prognosen angepasst. Die Deutsche Bank AG erwartet inzwischen eine durchschnittliche Inflationsrate von 2,7 Prozent für das laufende Jahr. Die Deutsche Bundesbank geht kurzfristig sogar von einem Anstieg in Richtung drei Prozent aus.

In der politischen Debatte um Versorgungssicherheit und Preisentwicklung bleibt die Rolle fossiler Kraftwerke umstritten. Die energiepolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Nina Scheer, bekräftigte, dass eine verlängerte Nutzung von Kohlekraftwerken über das Jahr 2038 hinaus nicht vorgesehen sei.

Laut Scheer gebe es derzeit keinen Anlass für eine Reaktivierung, wie sie von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erwogen wurde. Vielmehr sollten erneuerbare Energien die zentrale Rolle im künftigen Energiesystem einnehmen, sagte Scheer. Voraussetzung sei jedoch, dass der Ausbau von Netzen, Speichern und Flexibilitäten konsequent vorangetrieben werde.

Montag, 30.03.2026, 16:02 Uhr
Susanne Harmsen

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