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Eine Auswertung des Marktstammdatenregisters zeigt, dass die geplante Reform der Einspeisevergütung regional vermutlich sehr unterschiedliche Auswirkungen hätte.
Eine Analyse der Plattform Aroundhome auf Basis des Marktstammdatenregisters kommt zu dem Ergebnis, dass nach dem neuen Gesetzesvorschlag von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) mehr als 90 Prozent der derzeit installierten PV-Anlagen keine Einspeisevergütung erhalten würden.
Grundlage seien 5.714.813 erfasste Solaranlagen, die bis zum 1. Januar 2026 in Betrieb genommen wurden. Daraus wurden alle Solaranlagen mit weniger als 25 kW Bruttoleistung extrahiert. Für die Auswertung wurden laut einer Mitteilung ausschließlich Anlagen natürlicher Personen berücksichtigt.
Die Streichung der Einspeisevergütung sei dem Vorschlag zufolge nur für neuinstallierte Anlagen geplant. Die Analyse zeige jedoch, dass Anlagen über 25 kW für private Eigentümer kaum eine Rolle spielen.
„Zukünftige Betreiber müssen damit potenziell auf mehrere hundert Euro Einnahmen pro Jahr verzichten. Die Direktvermarktung ist als Alternative wirtschaftlich attraktiv, kann aktuell aufgrund fehlender Smart Meter und des hohen bürokratischen Aufwands aber nicht flächendeckend in Anspruch genommen werden. Zu viele Netzbetreiber sowie unterschiedliche Anforderungen machen sie für kleine Anlagen unattraktiv“, sagt Jannis Mischke, Experte für energieeffizientes Wohnen bei Aroundhome.
Wahlkreise der Politiker mit nur wenigen Anlagen
Aus der Untersuchung gehe hervor, dass in Berlin lediglich 0,5 Prozent der Anlagen über der 25-kW-Grenze liegen. Ähnliche Werte zeigen sich demnach in Dresden, Bonn und Wolfenbüttel mit jeweils rund 0,6 Prozent. In Jena, Sankt Augustin und Leipzig seien es etwa 0,8 Prozent, während Duisburg, Potsdam und München knapp 0,9 Prozent erreichen. Weiter vorne landen Bielefeld und Nürnberg mit jeweils 1,8 Prozent sowie Mannheim mit 1,9 Prozent.
Höhere Anteile größerer Anlagen finden sich laut Auswertung eher in kleineren Städten. In Ravensburg würden 7,2 Prozent der Anlagen die Schwelle überschreiten, in Ahlen 6,6 Prozent und in Dorsten 6,4 Prozent. Auch auf Länderebene zeigen sich Unterschiede: Hamburg (1,1 Prozent) und Bremen (1,4 Prozent) weisen niedrige Werte auf, ebenso Sachsen (2,1 Prozent) und das Saarland (2,2 Prozent). Deutlich höher liegen Bayern mit 7,8 Prozent und Schleswig-Holstein mit 6,6 Prozent, Niedersachsen erreicht etwa sechs Prozent.
Die Analyse nimmt zudem die Heimat- und Wahlkreise von Politikern näher unter die Lupe. In Potsdam, dem Wahlkreis der Bundeswirtschaftsministerin, liegen demnach mehr als 99 Prozent der Anlagen unterhalb der Grenze. Im nordrhein-westfälischen Wahlkreis von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verfehlten demnach mehr als 95 Prozent der Anlagen den Grenzwert.
Die Analyse zeige, dass selbst in den stärkeren Regionen nur relativ wenige Anlagen die Leistungsgrenze erreichen, welche künftig die Schwelle für die Einspeisevergütung darstellen soll, heißt es in der Mitteilung. Es werde auch deutlich, dass strukturelle Unterschiede mit der Verteilung der Einspeisevergütung einhergehen würden.
Aroundhome ist eine unabhängige Plattform, die Hauseigentümern dabei hilft, die passenden Fachfirmen für ihre Hausprojekte zu finden.
Donnerstag, 9.04.2026, 16:47 Uhr
Fritz Wilhelm
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