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Enerige & Management > Meinung - Rätselhafte Geiselhaft
Bild: Denis Junker, Fotolia
MEINUNG:
Rätselhafte Geiselhaft
Teile der Unionsfraktion lassen nicht locker, die Energiewende weiter zu hintertreiben. Ein Kommentar von E&M-Chefreporter Ralf Köpke.
 
Die Hoffnung stirbt zuletzt, heißt es so schön. Die Hoffnung, dass sich hierzulande beim Klimaschutz etwas bewegt, ist bereits zu Beginn dieses neuen Jahres verflogen. Da hatten gleich 13 Verbände und Organisationen aus den Bereichen Mittelstand, Handwerk, Energie- und Immobilienwirtschaft sowie Verbraucher- und Umweltschutz mit einem offenen Brief Bundesregierung und Bundestag aufgefordert, schnell alles zu unternehmen, damit der Ausbau der Photovoltaik auch künftig gefördert werden kann. Denn der bisherige Ausbaudeckel, der eine finanzielle Unterstützung erlaubt, ist in Reichweite.

Was macht der Wirtschaftsflügel in der Unionsfraktion: Grünes Licht für mehr Solarenergie werde es aus ihren Reihen erst dann geben, wenn Koalitionspartner SPD dem umstrittenen, bundesweit einheitlichen 1.000-Meter-Abstand für neue Windenergieanlagen zustimmt. Da wird die Solarenergie in Geiselhaft für den Windkraftausbau genommen. Ein Kurs, den Teile von CDU und CSU seit über einem Jahr hartnäckig verfolgen. Es sei nur an das Scheitern der sogenannten Arbeitsgruppe Akzeptanz und Energiewende von beiden Regierungsfraktionen erinnert.

Als hätte es Greta Thunberg, die Fridays-for-Future-Demonstrationen hierzulande im vergangenen Jahr mit mehr als einer Million Teilnehmern oder zuletzt die Klimakonferenz von Madrid mit ihren dürftigen Ergebnissen nicht gegeben: Carsten Linnemann, der Vorsitzende der CDU-Mittelstandsvereinigung und Vizechef der Unionsfraktion, und seine Anhänger setzen in Berlin ihren Blockadekurs fort. Dass die Linnemanns, Pfeiffers, Koeppens & Co. der deutschen Umwelt- und Klimapolitik eher ablehnend gegenüberstehen und manch einer von ihnen offen mit dem Weiterbetrieb der Atomkraftwerke sympathisiert, ist seit längerem zu beobachten.

Aber cui bono, für wen glauben sich diese Unionisten ins Zeug legen zu müssen, um die Energiewende zu hintertreiben? Das ist das große Rätsel. Die Energiewirtschaft ist längst auf Grünstromkurs eingeschwenkt, die jetzt beginnenden Verhandlungen um die Entschädigungszahlungen für die stillzulegenden Kohlekraftwerke sind die letzten Scharmützel vor dem Abschied vom Fossil-Zeitalter. Und selbst namhafte Unternehmen aus der energieintensiven Industrie haben einen Dekarbonisierungskurs begonnen. Klar, dieser Prozess wird dauern und teuer werden, ist aber, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, nicht mehr zu stoppen.

Die Frage ist, wer den Linnemann-Kreis stoppen kann und wird. Denn ansonsten droht wirklich die Gefahr, dass die Energiewende gegen die Wand gefahren wird.
 
Ralf Köpke ist Chefreporter bei E&M. Bild Evi Ludwig
 

Ralf Köpke
© 2020 Energie & Management GmbH
Freitag, 10.01.2020, 15:10 Uhr

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