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Enerige & Management > Vertrieb - Preise rutschen unter Preisbremsen
Quelle: Fotolia / caruso13
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Preise rutschen unter Preisbremsen
Ob Strom oder Gas: Im Wettbewerb um Neukunden unterbieten Energieanbieter die staatlich festgeschriebenen Preisbremsen.
 
Das Tempo wirkt abenteuerlich: Mitte Januar wurde Neukunden die Kilowattstunde Gas, Arbeits- plus Grundpreis, im günstigsten Fall laut Verivox durchschnittlich für 14,3 Cent angeboten. Jetzt, gut eine Woche später, liegt der Preis bei 12,1 Cent – der Wert errechnet sich aus den günstigsten Tarifen je nach Postleitzahl, gewichtet nach der Zahl der Haushalte. Anfang September vergangenen Jahres bekamen Neukunden die Kilowattstunde Gas für rund 40 Cent. Der Preis ist seither also um fast 70 Prozent gefallen.

Rasant auch die Entwicklung beim Strom. Nach Angaben des Vergleichsportals gibt es die Kilowattstunde im Schnitt inzwischen für 38,3 Cent (Stichtag: 20. Januar). Noch vor einer Woche waren es 42,7 Cent. Mitte Oktober lag der Preis im Schnitt bei 56 Cent. Ein anderes Bild zeigt sich in der Grundversorgung. Gas verteuerte sich laut Verivox-Berechnung in der Zeit von September bis Januar von 12,7 auf 17,7 Cent, ein Plus von 39 Prozent. Der Stromtarif stieg seit Oktober um 27 Prozent von 36,8 auf 46,6 Cent je kWh.

Für die Monate Februar und März verzeichnet das Online-Portal 42 Preiserhöhungen in der Strom-Grundversorgung, durchschnittlich um 37 Prozent. Dem gegenüber stehen sechs Preissenkungen im Schnitt um 16 Prozent. Bei Gas zählt Verivox für den gleichen Zeitraum 30 Preiserhöhungen, durchschnittlich machen sie 30 Prozent aus. Gegen den Trend gibt acht Preissenkungen im Schnitt um 14 Prozent.

Wohin die Entwicklung in den kommenden Monaten gehen könnte, deutet jetzt das Beispiel des Darmstädter Energieversorgers Entega an. Das Unternehmen wird nach eigenen Angaben die Strom- und Gaspreise ein gutes Stück herunterschrauben, „vorausgesetzt, die Entwicklung bleibt so, wie sie sich jetzt darstellt“, wie der Sprecher des Versorger betont.

Den Anfang sollen die Preise in der Grundversorgung machen. Zum ersten April werde man den Grundversorgungstarif für Strom um 27 Prozent auf 42,08 Cent/kWh senken. Aktuell beträgt der Arbeitspreis für „Entega Basis Strom“ 57,91 Cent (brutto). Der Grundpreis macht 180 Euro (brutto) im Jahr aus. Bei Gas verringert der hessische Versorger den Preis um 36 Prozent auf 13,30 Cent/kWh Kilowattstunde. Seit 1. Januar kostet die Kilowattstunde 20,83 Cent (brutto), der Grundpreis liegt bei 205 Euro.

Rund 800.000 Kundinnen und Kunden zählt das Unternehmen insgesamt. 20 Prozent der Gaskunden seien in der Grundversorgung, bei Strom liege der Anteil unter 10 Prozent. Für Mitte des Jahres plant Entega Preissenkung „bei allen anderen Tarifen“. „Sollte die Entwicklung an den Energiemärkten so weitergehen, werden wir bereits im zweiten Halbjahr 2023 die Preise für Strom und Gas wieder unter die vom Gesetzgeber definierten Preisbremsen senken können“, so Vorstandsvorsitzende Marie-Luise Wolff. „Wir sind froh, dass wir nun als einer der ersten Versorger zeitnah unsere Kundinnen und Kunden wieder deutlich entlasten können“, sagt sie. Als Erklärung nennt sie die vorausschauende Einkaufspolitik von Entega.

Angebote unter Preisbremsen-Niveau finden sich bei Verivox und beim Wettbewerber Check 24 schon jetzt. Und es sind nicht nur Enegiediscounter, die mit Preisen unter 40 Cent/kWh für Strom und 12 Cent/kWh für Gas um Neukunden buhlen.
 

Manfred Fischer
© 2023 Energie & Management GmbH
Freitag, 20.01.2023, 16:26 Uhr

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