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Bild: Fotolia.com, kreatik
EU:
Plädoyer für höhere Elektrifizierung
Der Übergang zu einer emissionsarmen Wirtschaftsordnung kann durch eine stärkere Elektrifizierung des Energieverbrauchs wirkungsvoll unterstützt werden.
 
Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Dachverbandes der europäischen Elektrizitätswirtschaft, Eurelectric, die am 19. April in Brüssel vorgestellt wurde. Der Generalsekretär des Verbandes, Kristian Ruby, wandte sich gegen unkritische Sparvorgaben beim Energieverbrauch. „Energie muss zuerst dort eingespart werden, wo sie aus fossilen Brennstoffen erzeugt wird.“
 
Laut der Untersuchung hat die Elektrizitätswirtschaft ihre CO2-Emissionen seit 1990 um 35 % gesenkt, mehr als alle anderen Energiebranchen. Eine stärkere Elektrifizierung insbesondere des Verkehrs und der Heizung/Kühlung von Gebäuden leiste deswegen einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung. Schon auf der Grundlage des bestehende EU-Energiemix (44 % fossil, 29 % erneuerbar und 27 % nuklear) könne der CO2-Ausstoß von Pkw auf 50 Gramm pro Kilometer reduziert werden, wenn der Antrieb auf Strom umgestellt werde. Das ist etwas mehr als die Hälfte des bislang von der EU anvisierten Grenzwertes von 95 Gramm pro Kilometer. Wenn alle Pkw und leichten Nutzfahrzeuge elektrisch angetrieben würden, fiele der Stromverbrauch nach Schätzung von Eurelectric um rund ein Viertel höher aus.
 
Ruby und Vattenfall-Chef Magnus Hall verteidigten in diesem Zusammenhang die Bewertung von Atomstrom als CO2-frei. Auch für den stärkeren Einsatz von Wärmepumpen und anderer Technologien zur Beheizung von Gebäuden gebe es ein beträchtliches Potenzial. Allerdings machten sie keine Angaben über den dann notwendigen zusätzlichen Strombedarf. In jedem Fall könne die EU aber auf den Import von fossilen Brennstoffen für 45 Mrd. Euro im Jahr verzichten.
 
Um die Elektrifizierung zu beschleunigen, forderten sie eine Verbesserung der regulatorischen Rahmenbedingungen. Um das vorhandene Potenzial auszuschöpfen, dürfe Strom als Energieträger nicht schlechter gestellt werden als Öl oder Gas. Es mache keinen Sinn, die Erzeugung von Strom aus Wind oder Sonne zu subventionieren und anschließend zu versuchen, den Stromverbrauch undifferenziert wieder zu senken. Vielmehr müsse der Einsatz von „sauberem Strom“ gefördert werden. Das gelte auch für die Preisgestaltung. Hohe Steuern und Abgaben auf Strom könnten die Elektrifizierung behindern.
 
Eine Verbesserung der Energieeffizienz bleibt nach der Untersuchung von Eurelectric weiter notwendig, um die CO2-Ziele der EU zu erreichen. Dies müsse jedoch mit Markt-basierten Instrumenten und technologieneutral erfolgen, damit die Kosten möglichst gering ausfielen. Eine stärkere Elektrifizierung leiste dazu einen Beitrag, weil der Verkehr und der Gebäudesektor damit schrittweise auch in den Emissionshandel (ETS) einbezogen würden. Der Emissionshandel bleibe das zentrale Instrument, um die Treibhausgase in Europa zu senken und Investitionen in die Erzeugung aus erneuerbaren Energien und andere emissionsarme Technologien zu finanzieren. Um das ETS zu stärken, verlangt Eurelectric eine Aufstockung der Marktstabilitätsreserve (MSR) und eine Anhebung des linearen Faktors (LF) auf 2,4 % pro Jahr.
 
Ziel muss es nach Ansicht von Hall sein, Strom auch aus erneuerbaren Energien ohne Subventionen zu erzeugen. Die jüngste Ausschreibung von Offshore-Windkraftanlagen zeige, dass dies grundsätzlich möglich sei. Entscheidend für das Angebot sei gewesen, dass in Teilen der Branche in den nächsten Jahren mit steigenden Großhandelspreisen gerechnet werde. Vattenfall teile diese Erwartung allerdings nicht.
 

Tom Weingärtner
© 2017 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 20.04.2017, 10:51 Uhr

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