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Energie & Management > Windkraft - Nordsee-Windparks droht Pleite mit Ansage
Stefan Thimm (BWO) und Tetiana Chuvilina (Tennet) auf der Konferenz. Quelle: Susanne Harmsen
Windkraft

Nordsee-Windparks droht Pleite mit Ansage

Der Bundesverband Windenergie Offshore fordert eine gesetzliche Regel für die Rückgabe von Offshore-Windflächen, um jahrelange Verzögerungen bei Nordsee-Projekten zu vermeiden.
Zwischen 2023 und 2025 freute sich der Bund über Zuschläge in den Windkraft-Ausschreibungen auf See von mindestens 16,6 Milliarden Euro. Hauptgewinner der Ausschreibung waren die Ölkonzerne Total Energies und British Petrol. Schon damals kritisierte die Branche das Ausschreibungsdesign als zu riskant und warnte, dass die Realisierung nicht gesichert sei. Nun scheint sich die Befürchtung zu bestätigen. Bei Total Energies und wohl auch bei der neu gegründeten BP-Tochter Jera Nex steht die finale Investitionsentscheidung für den Bau der Windparks infrage (wir berichteten).

Wie schon bei der Vergabe der Mobilfunkfrequenzen setzte die Bundesregierung auf kurzfristige Einnahmen und sorgte damit für jahrelange Verzögerungen bei der tatsächlichen Installation der Netze. Im Falle der Windkraft würde dies die Planungen der deutschen Stromversorgung ins Wanken bringen und tausende Jobs bei Zulieferern entlang der Wertschöpfungskette gefährden, warnte am 20. Mai der Bundesverband Windenergie Offshore (BWO).

Branche mit Lösungsvorschlag

Er drängt daher auf eine schnelle Lösung. Diese könnte ein gesetzlich geregelter Mechanismus zur freiwilligen Rückgabe und schnellen Neuausschreibung von Offshore-Windflächen sein. Dies forderte BWO-Geschäftsführer Stefan Thimm auf der Verbandskonferenz in Berlin. Konkret geht es um die Nordseeflächen „Windbostel Ost“ und „Windbostel West“. Betroffen wäre laut Verband ein Projekt- und Beschaffungsvolumen von bis zu 50 Milliarden Euro.

„Die Bundesregierung hat es versäumt, in den Offshore-Wind-Ausschreibungsregeln eine Rückgabeoption für bezuschlagte Projekte zu schaffen“, erklärte Thimm. Das bisherige Auktionsdesign habe Unternehmen erhebliche Risiken auferlegt, etwa durch verzögerte Netzanschlüsse oder steigende Kosten in den Lieferketten. Laut Thimm droht eine Blockade von Flächen mit bis zu 16.000 MW installierter Leistung.

Der Verband schlägt deshalb eine Übergangsregelung für Projekte aus den Jahren 2023 bis 2025 vor, die noch keine finale Investitionsentscheidung erreicht haben. Unternehmen sollen demnach innerhalb von vier Wochen nach Inkrafttreten einer gesetzlichen Regelung freiwillig auf Flächen verzichten können. Diese könnten anschließend unter neuen Auktionsbedingungen ab 2027 erneut ausgeschrieben werden.

Neue Ausschreibung mit CfD

Nach Vorstellungen des BWO sollten dabei sogenannte bilaterale Contracts for Difference (CfD) mit Indizierung zum Einsatz kommen. Diese Differenzverträge sollen Risiken durch Preissteigerungen oder unterbrochene Lieferketten abfedern. Als Beispiel nennt der Verband aktuelle Belastungen infolge des Irankrieges.

Zudem schlägt der BWO vor, dass Unternehmen nach einer Rückgabe nicht erneut auf dieselben Flächen bieten dürfen. Bereits erhobene Projektdaten und Voruntersuchungen sollen an Behörden übergeben werden. Sicherheitsleistungen könnten vollständig zurückgezahlt werden, während Zahlungen für Umwelt- und Fischereikomponenten nicht erstattet würden.

Netzbetreiber baut die Anschlüsse

Auch die Netzbetreiber sehen Risiken. Transnet BW teilte mit, dass jahrelange Genehmigungsverfahren und Bestellungen für Netzanschlüsse bereits liefen. Die Politikleiterin des Unternehmens, Tetiana Chuvilina, erklärte, dass sich bei verspäteten Windparkprojekten die Nutzungsdauer bereits installierter Netztechnik verkürze. Die Lebensdauer der Anlagen unter Nordsee-Bedingungen liege bei etwa 25 Jahren. „Dies steigert natürlich die volkswirtschaftlichen Kosten“, sagte Chuvilina.

Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) bestätigte, dass sich Unternehmen wie Total Energies und das Gemeinschaftsunternehmen Jera Nex BP Offshore-Flächen in Deutschland gesichert hätten. Die Projekte befänden sich überwiegend noch in der Genehmigungsphase. Das Ministerium stehe mit den Unternehmen im Austausch, da diese von Herausforderungen berichtet hätten.

Zugleich verwies das BMWE auf die bestehende Rechtslage. Das Windenergie-auf-See-Gesetz sehe derzeit keine freiwillige Rückgabe von Zuschlägen vor. Werden Fristen nicht eingehalten, könne die Bundesnetzagentur allerdings Zuschläge widerrufen. Zudem seien Vertragsstrafen möglich.

Total Energies erklärte, der Konzern arbeite weiterhin aktiv an den deutschen Offshore-Windprojekten und wolle diese umsetzen. Das Gemeinschaftsunternehmen Jera Nex BP äußerte sich zurückhaltender. Ein Sprecher erklärte, die Projekte seien mit Herausforderungen verbunden, man prüfe verschiedene Optionen.

Mittwoch, 20.05.2026, 14:26 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > Windkraft - Nordsee-Windparks droht Pleite mit Ansage
Stefan Thimm (BWO) und Tetiana Chuvilina (Tennet) auf der Konferenz. Quelle: Susanne Harmsen
Windkraft
Nordsee-Windparks droht Pleite mit Ansage
Der Bundesverband Windenergie Offshore fordert eine gesetzliche Regel für die Rückgabe von Offshore-Windflächen, um jahrelange Verzögerungen bei Nordsee-Projekten zu vermeiden.
Zwischen 2023 und 2025 freute sich der Bund über Zuschläge in den Windkraft-Ausschreibungen auf See von mindestens 16,6 Milliarden Euro. Hauptgewinner der Ausschreibung waren die Ölkonzerne Total Energies und British Petrol. Schon damals kritisierte die Branche das Ausschreibungsdesign als zu riskant und warnte, dass die Realisierung nicht gesichert sei. Nun scheint sich die Befürchtung zu bestätigen. Bei Total Energies und wohl auch bei der neu gegründeten BP-Tochter Jera Nex steht die finale Investitionsentscheidung für den Bau der Windparks infrage (wir berichteten).

Wie schon bei der Vergabe der Mobilfunkfrequenzen setzte die Bundesregierung auf kurzfristige Einnahmen und sorgte damit für jahrelange Verzögerungen bei der tatsächlichen Installation der Netze. Im Falle der Windkraft würde dies die Planungen der deutschen Stromversorgung ins Wanken bringen und tausende Jobs bei Zulieferern entlang der Wertschöpfungskette gefährden, warnte am 20. Mai der Bundesverband Windenergie Offshore (BWO).

Branche mit Lösungsvorschlag

Er drängt daher auf eine schnelle Lösung. Diese könnte ein gesetzlich geregelter Mechanismus zur freiwilligen Rückgabe und schnellen Neuausschreibung von Offshore-Windflächen sein. Dies forderte BWO-Geschäftsführer Stefan Thimm auf der Verbandskonferenz in Berlin. Konkret geht es um die Nordseeflächen „Windbostel Ost“ und „Windbostel West“. Betroffen wäre laut Verband ein Projekt- und Beschaffungsvolumen von bis zu 50 Milliarden Euro.

„Die Bundesregierung hat es versäumt, in den Offshore-Wind-Ausschreibungsregeln eine Rückgabeoption für bezuschlagte Projekte zu schaffen“, erklärte Thimm. Das bisherige Auktionsdesign habe Unternehmen erhebliche Risiken auferlegt, etwa durch verzögerte Netzanschlüsse oder steigende Kosten in den Lieferketten. Laut Thimm droht eine Blockade von Flächen mit bis zu 16.000 MW installierter Leistung.

Der Verband schlägt deshalb eine Übergangsregelung für Projekte aus den Jahren 2023 bis 2025 vor, die noch keine finale Investitionsentscheidung erreicht haben. Unternehmen sollen demnach innerhalb von vier Wochen nach Inkrafttreten einer gesetzlichen Regelung freiwillig auf Flächen verzichten können. Diese könnten anschließend unter neuen Auktionsbedingungen ab 2027 erneut ausgeschrieben werden.

Neue Ausschreibung mit CfD

Nach Vorstellungen des BWO sollten dabei sogenannte bilaterale Contracts for Difference (CfD) mit Indizierung zum Einsatz kommen. Diese Differenzverträge sollen Risiken durch Preissteigerungen oder unterbrochene Lieferketten abfedern. Als Beispiel nennt der Verband aktuelle Belastungen infolge des Irankrieges.

Zudem schlägt der BWO vor, dass Unternehmen nach einer Rückgabe nicht erneut auf dieselben Flächen bieten dürfen. Bereits erhobene Projektdaten und Voruntersuchungen sollen an Behörden übergeben werden. Sicherheitsleistungen könnten vollständig zurückgezahlt werden, während Zahlungen für Umwelt- und Fischereikomponenten nicht erstattet würden.

Netzbetreiber baut die Anschlüsse

Auch die Netzbetreiber sehen Risiken. Transnet BW teilte mit, dass jahrelange Genehmigungsverfahren und Bestellungen für Netzanschlüsse bereits liefen. Die Politikleiterin des Unternehmens, Tetiana Chuvilina, erklärte, dass sich bei verspäteten Windparkprojekten die Nutzungsdauer bereits installierter Netztechnik verkürze. Die Lebensdauer der Anlagen unter Nordsee-Bedingungen liege bei etwa 25 Jahren. „Dies steigert natürlich die volkswirtschaftlichen Kosten“, sagte Chuvilina.

Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) bestätigte, dass sich Unternehmen wie Total Energies und das Gemeinschaftsunternehmen Jera Nex BP Offshore-Flächen in Deutschland gesichert hätten. Die Projekte befänden sich überwiegend noch in der Genehmigungsphase. Das Ministerium stehe mit den Unternehmen im Austausch, da diese von Herausforderungen berichtet hätten.

Zugleich verwies das BMWE auf die bestehende Rechtslage. Das Windenergie-auf-See-Gesetz sehe derzeit keine freiwillige Rückgabe von Zuschlägen vor. Werden Fristen nicht eingehalten, könne die Bundesnetzagentur allerdings Zuschläge widerrufen. Zudem seien Vertragsstrafen möglich.

Total Energies erklärte, der Konzern arbeite weiterhin aktiv an den deutschen Offshore-Windprojekten und wolle diese umsetzen. Das Gemeinschaftsunternehmen Jera Nex BP äußerte sich zurückhaltender. Ein Sprecher erklärte, die Projekte seien mit Herausforderungen verbunden, man prüfe verschiedene Optionen.

Mittwoch, 20.05.2026, 14:26 Uhr
Susanne Harmsen

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