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Bild: Fotolia/Felix brönnimann
WINDKRAFT ONSHORE:
Noch größerer Windkraft-Rekord
Nach einer Analyse der Fachagentur Windenergie an Land gingen im vergangenen Rekordjahr die Zahl der Genehmigungen für neue Windturbinen spürbar zurück.
 
Deutschland hat 2017 ein noch stärkeres Jahr beim Windkraftausbau erlebt als bislang bekannt gewesen ist. Nach Auswertung des bei der Bundesnetzagentur geführten Marktstammdatenregisters kommt die Fachagentur Windenergie an Land (FA Wind) zu dem Ergebnis, dass hierzulande im vergangenen Jahr eine Windkraftleistung von 5 486 MW brutto neu ans Netz gegangen ist. Das sind immerhin 153 MW mehr als die von der Deutschen WindGuard betreute Herstellerumfrage, die traditionell der Bundesverband Windenergie und VDMA Power Systems bei dem Beratungsbüro zur Ermittlung des jeweils letztjährigen Windkraftausbaus in Auftrag geben.

Die Differenz basiert auf dem unterschiedlichen Erfassungszeitpunkt bei den Analysen: Während die FA Wind die neu in Betrieb gegangenen Windturbinen festhält, werden in der Auswertung der Deutschen WindGuard die errichteten Anlagen erfasst, deren Inbetriebnahme sich mitunter über den Jahreswechsel hinziehen kann und dann erst in der nächsten Jahresstatistik erfasst werden.
Unabhängig von dieser Differenz ist die Kernbotschaft bei beiden Auswertungen identisch: Noch nie hat Deutschland so ein starkes Jahr beim Windkraftausbau an Land erlebt.

Mit dazu beigetragen hat auch das Repowering, sprich der Austausch älterer, kleinerer gegen moderne, effizientere Windturbinen. Nach Analyse der Registerdaten umfasste die Repowering-Leistung im vergangenen Jahr immerhin 927 MW. Die Repowering-Quote der Neuanlagenleistung lag bei 16,8 % und damit über dem Wert des Jahres 2016 (14,0 %) beziehungsweise geringfügig unter dem Wert aus dem Jahr 2015 (17,7 %). Im vergangenen Jahr gab es in Schleswig-Holstein mit 46,5 % die höchste Repowering-Quote – was zeigt, dass sich das Windpionierland im Norden zunehmend bei der Windtechnologie erneuert.

Eine weitere interessante Zahl aus der Analyse der FA Wind: Ende Januar 2018 hatte das Marktstammdatenregister 1 639 genehmige Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 5 080 MW erfasst, für die eine Inbetriebnahme bislang noch ausstand. Lediglich ein Viertel dieser Genehmigungen ist allerdings im Verlaufe des Jahres 2017 erteilt worden. Im vergangenen Jahr war die Zahl der Neugenehmigungen stark rückläufig und erreichte nur ein Drittel dessen was zwischen 2014 und 2016 pro Jahr genehmigt wurde. Das ist mit einer der Gründe, warum die Branchenverbände für dieses Jahr einen Windkraftausbau an Land zwischen 3 500 und 4 000 MW brutto erwarten.

Neben dem Rekordjahr 2017 haben die Experten der FA Wind auch alle Daten für die Mitte Februar abgeschlossene 4. Ausschreibungsrunde für die Windenergie an Land ausgewertet. Dabei haben sich in dieser Runde, in der nur Gebote für bereits genehmigte Anlagen zugelassen waren, vor allem Anlagenstandorte in Niedersachsen, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen sowie Rheinland-Pfalz durchgesetzt. Über 60 % Prozent der Zuschläge gingen in diese vier Länder. Erstmals erhielt auch ein Gebot aus Baden-Württemberg einen Zuschlag, was schon eine Erwähnung wert ist. Unter dem Strich zeigt die „kumulierte Betrachtung der bisherigen Ausschreibungen“, so die Fachleute der FA Wind, weiterhin eine starke Konzentration der Förderzusagen auf den Norden Deutschlands. Südlich der Mainlinie liegen nur 8 % der bislang bezuschlagten Windprojekte. Im Vergleich dazu wurde in diesem Jahrzehnt bislang rund ein Fünftel der jährlichen Neuanlagen in den südlichen Regionen errichtet. Das aufgetretene Missverhältnis könnte durch eine Regionalquote bei künftigen Ausschreibungen korrigiert werden.

Interessant bei den ausgewerteten Daten der vierten Ausschreibungsrunde ist eine Entwicklung auf dem Markt der Windturbinenhersteller: Bei den bezuschlagten Projekten schnitt der Vestas-Konzern am erfolgreichsten ab. Enercon, der deutsche Marktführer, landete auf Platz zwei. Sollte sich diese Tendenz bei den nächsten Ausschreibungsrunden in diesem Jahr fortsetzen, könnte es demnächst einmal zu einer Sensation kommen: Nach über 20 Jahren verlöre Enercon seine Führungsposition auf dem deutschen Windmarkt. So schnell ist damit aber nicht zu rechnen. Bei den bis Ende Januar vorliegenden Genehmigungen entfällt auf Enercon-Maschinen ein Marktanteil von annähernd 50 Prozent.
 

Ralf Köpke
© 2018 Energie & Management GmbH
Freitag, 09.03.2018, 16:39 Uhr

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