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Enerige & Management > Windkraft Offshore - Neue Ideen für die Offshorewind-Technologie
Bild: Fotolia.com, zentilia
WINDKRAFT OFFSHORE:
Neue Ideen für die Offshorewind-Technologie
Die Aerodyn Engineering GmbH hat das Modell für eine zweiflügelige Offshore-Windturbine vorgestellt, die bereits Anfang kommenden Jahres auf einer Plattform vor Hiroshima getestet wird.
 
Kurz vor Weihnachten hat die aerodyn engineering GmbH aus Büdelsdorf auf der Rendsburger Nobiskrug Werft am Nord-Ostsee-Kanal das 1:10-Modell einer Offshore-Windturbine vom Typ SCD nezzy 6.0 MW der Öffentlichkeit. Die zweiflügelige Super-Compact-Drive-Maschine (SCD) mit einer Leistung von 6 MW ist vor allem für den Einsatz auf schwimmenden Plattformen gedacht, um so die Windenergie in den Regionen zu nutzen, in denen der Einsatz bodengestützter Fundamente nicht möglich oder zu unwirtschaftlich ist.

Unter den Betrachtern sorgte die kühne Konstruktion aus Büdelsdorf sichtlich für Staunen. Kein Wunder, denn die Ingenieure unter der Federführung von Altmeister Sönke Siegfriedsen, dem wohl bekanntesten Entwickler neuer Windturbinen hierzulande, haben mit dem zum „nezzy junior“ getauften Modell ein schwimmendes Gesamtdesign gestaltet, dass mit den bislang herkömmlichen Technologien im Offshore-Windsektor weitestgehend bricht. „Unsere Konstruktion haben wir von der SCD-Turbine aus gedacht, berechnet und schließlich entworfen. So richtet sich unser als Fundament dienender Schwimmkörper nach den Notwendigkeiten der Windenergieanlage aus und eben nicht umgekehrt. Wobei wir auf viele, altbewährte Techniken im Schiffbau zurückgegriffen haben“, erklärt Jan-Christoph Hinrichs, Chef der Entwicklungsabteilung.
 
So sieht die neue zweiflügelige Offshore-Windturbine im 1:10-Modell aus.
Bild: Dierk Jensen

Dabei steht der Turm der zweiflügeligen Turbine im Mittelpunkt eines dreiarmigen schwimmenden über der Wasserlinie befindlichen Fundaments, dessen Hohlkörper im Transportzustand mit Luft und im Betrieb mit Wasser ballastiert werden kann und über sechs lange Seile elastisch am Meeresboden verankert sein wird. Zusätzlich haben die Aerodyn-Ingenieure den Turm über Seilsysteme am Schwimmkörper abgesteift. „Darüber hinaus erlauben wir mit unserem offen gestalteten Schwimmkörper, dass die Wellenenergie durch die Anlage hindurchgeht“, fügt Hinrichs hinzu. Dies bedeutet, dass die Rotoren starken Biegekräften ausgesetzt sein werden, weshalb sie langfristig nicht aus Glasfasern, sondern aus belastungsfähigeren Karbonfasern gefertigt werden sollen.

Das in Rendsburg gefertigte Modell hat die staatliche japanischen Agentur New Energy and Industrial Technology Development (NEDO) in Auftrag gegeben, die das Modell schon Anfang Januar vor der Küste von Hiroshima ins Wasser lassen will. Nach Auswertung der Testergebnisse plant NEDO den Bau eines ersten Prototyps der SCD nezzy 6.0 MW in Originalgröße, der vor der Küste Japans installiert werden soll. Das weitere Ziel ist klar abgesteckt: Die Japaner wollen mit der von der Aerodyn Engineering konstruierten Anlage, die zukünftig fertig errichtet von Häfen aufs Meer gezogen werden soll, schon in naher Zukunft in eine japanische Serienproduktion gehen.

Kosteneffizient soll diese Offshore-Anlage neuen Typs einen energiewirtschaftlichen Ausweg aus dem nationalen Atomkraft-Dilemma, das seit dem Super-Gau von Fukushima im Frühjahr 2011 in Japan herrscht, bieten. „Die Japaner gehen sehr professionell an dieses Thema heran“, lobt Jörg Zeumer von der Recase Regenerative Energien GmbH mit Sitz in Busdorf (Kreis Schleswig-Flensburg). Er betreute als Projektleiter den Bau des Modells. „Wie die japanischen Auftraggeber erhoffen wir uns nun von der Testphase aussagekräftige Praxisergebnisse, die die bisherigen theoretischen Simulationen ergänzen.“ 

Während das 1:10-Modell schon Anfang 2018 ins Wasser geht, arbeiten die Entwicklungsingenieure der aerodyn engineering parallel noch an einer weiteren, bahnbrechenden Weiterentwicklung: In wenigen Monaten soll in Rendsburg ein Modell der sogenannten nezzy2 vorgestellt werden, bei der zwei zweiflügelige Turbinen mit jeweils 7,5 MW Leistung im rechten Winkel zueinander auf einen gemeinsamen schwimmenden Turmfuß stehen. Das klingt futuristisch, könnte aber nach Aussagen von Chefingenieur Siegfriedsen schon in wenigen Jahren vor der Küste Irlands zum Einsatz kommen. Das treibende Motiv auch für diese Entwicklung: Mit extrem leichter Bauweise und kostensparender Logistik die Erzeugungskosten für Offshore-Windstrom zukünftig noch weiter drastisch zu senken.
 

Dierk Jensen
© 2020 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 28.12.2017, 09:22 Uhr

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