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Enerige & Management > Stromnetz - Netzentgelte im Aufwärtsmodus
Quelle: Shutterstock / Christian Schwier
STROMNETZ:
Netzentgelte im Aufwärtsmodus
Deutsche Strom- und Gasnetzbetreiber drehen zum Jahreswechsel an der Preisschraube. In einer Stichprobe zeigt die Get AG, wie viel die Anhebung ausmacht.
 
Keine Frage, die Kosten zur Netznutzung in Strom- und Gasverteilnetze steigen. Durch die gestiegenen Strompreise am Großmarkt kommt es zu höheren Kosten für den Ausgleich der physikalisch unvermeidlichen Verluste beim Transport des Stroms durch die Netze. Zudem erhöht sich zum Teil der Kostenanteil des vorgelagerten Übertragungsnetzes aufgrund der jetzt abgeschlossenen bundesweiten Vereinheitlichung der Übertragungsnetzentgelte.

Beim Gasnetz steigen die Kosten aufgrund von Effekten aus der staatlichen Regulierung sowie durch die Weitergabe der Kosten aus dem vorgelagerten Netz. Durch die aktuelle Energiekrise kommt noch ein Effekt dazu: Während die Kosten für das Netz steigen, wird die Durchflussmenge im Gasnetz aufgrund der erwünschten Sparanstrengungen voraussichtlich sinken. Damit müssen die Kosten aber auf weniger Kilowattstunden verteilt werden und die Netzentgelte steigen automatisch.

Stichprobe Stromnetznutzung: plus 19,78 % pro Jahr

Von einem "kräftigen Anstieg der Jahreskosten" (netto) bei der Netznutzung sowohl von Strom- als auch Gasnetzen geht die "GET AG" aus. Das Softwarehaus, das den Strom- und Gasmarkt mit Sitz in Leipzig analysiert, hat auf Redaktionsanfrage eine Trendanalyse für die Kosten zur Netznutzung in Strom- und Gasverteilnetzen erstellt. 

In seiner Erhebung untersuchte es die vorläufigen Preisblätter von 186 Stromnetzbetreiber. Diese decken 82 % der Versorgungsfläche in Deutschland ab. Für einen Beispielkunden mit Standardlastprofil und einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 4.000 kWh Strom kommt die Get AG ab dem kommenden Jahr auf einen Anstieg der Jahreskosten um 19,78 % beziehungsweise 64,23 Euro verglichen zu 2022. 

Laut der Stichprobe des Softwarehauses halten bislang nur zwei Verteilnetzbetreiber die Kosten für die Netznutzung konstant. Bei drei Netzbetreibern wird der Kunde sogar entlastest: EWR Netze GmbH Liechtenstein (minus 7,52 % beziehungsweise 22 Euro pro Jahr); Stadtwerke Geldern Netz GmbH (minus 0,59 % beziehungsweise 1,60 Euro pro Jahr) und Stadtwerke Kaltenkirchen GmbH (minus 0,15 % beziehungsweise 0,40 Euro pro Jahr). Bei den übrigen untersuchten Unternehmen steigen die Netznutzungskosten Strom um bis zu 57,38 % (plus 131,20 Euro) pro Jahr. 

Stichprobe Gasnetznutzung: plus 20,38 % pro Jahr

Unter den deutschen Gasnetzbetreibern untersuchte die GET AG die vorläufigen Preisblätter von 162 Unternehmen, was einer Abdeckung der Versorgungsfläche von rund 60 % entspricht. Für den Beispielkunden mit Standardlastprofil und einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 20.000 kWh Gas errechnet die Get AG ab 2023 einen Anstieg der Jahreskosten für die Netznutzung in Höhe von 20,38 % (plus 70 Euro) pro Jahr.

Auch in dieser Stichprobe des Softwarehauses halten nur zwei Gasverteilnetzbetreiber die Kosten für die Netznutzung konstant. In den Versorgungsgebieten von sechs Gasverteilnetzbetreibern sinken sie: etwa im Fall der SWV Regional GmbH − deren Kunden zahlen für die Nutzung des Gasnetzes ab kommendem Jahr 12,13 % (26,20 Euro) pro Jahr weniger. In den übrigen Netzgebieten steigen die Jahreskosten für die Gasnetznutzung um bis zu 55,63 %, was im Fall der Gasversorgung Eisenhüttenstadt GmbH einer Erhöhung um 166,30 Euro pro Jahr entspricht.

Der Energieverband BDEW teilte in dem Zusammenhang mit: "Unter nahezu allen Akteuren der Energiewirtschaft sowie unter Regulierungsbehörden und Ministerien ist die Tatsache stark steigender Kosten für Netzbetreiber weitgehend unstrittig. Ebenfalls weitgehend unstrittig ist, dass dieser Anstieg nicht den Netzbetreibern selbst zuzurechnen ist, sondern neben den notwendigen Infrastrukturinvestitionen insbesondere eine Folge der Preisentwicklungen beispielsweise an den Energie- und Rohstoffmärkten im Zuge der gegenwärtigen politischen Ausnahmesituation darstellt."
 

Davina Spohn
Redakteurin
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Montag, 17.10.2022, 16:43 Uhr

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