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Wie ist eine sichere Erdgasversorgung zu bewirken? Bei einem offenen Gespräch der Initiative Energiesysteme der Zukunft trafen die ideologischen Gegensätze aufeinander.
Die deutschen Gasspeicher sind nur zu 57
Prozent gefüllt, die bedeutenden des Bundesunternehmens Sefe sogar lediglich zu 36
Prozent. Der Großhandelspreis war bis Mitte September selbst beim Frontjahr auf mehr als 60
Euro/MWh geklettert - ein Allzeithoch seit der Energiekrise 2022, als Russland schrittweise den Gashahn zugedreht hatte.
Anlass zur Bange? Aus Sicht von Sascha Grüner von der Bundesnetzagentur „blicken wir sehr positiv in den Winter“. Der Referatsleiter Gasversorgungssicherheit sprach am 23.
September mit Wissenschaftlern sowie einem Händler; organisiert hatte das Esys, die Initiative „Energiesysteme der Zukunft“ der deutschen Akademien der Wissenschaften.
Grüner begründete seine entspannte Sicht damit, dass die neuen Flüssigerdgas(LNG)-Importe die sogenannten Absicherungsquoten im Vergleich zu Speichern als einzigem Sicherungssystem von 27 bis 30
Prozent der voraussichtlichen Nachfrage auf 40 bis 50
Prozent erhöht hätten. LNG macht mittlerweile (2025) fast die Hälfte der EU-Gasimporte aus. LNG-Frachter reagierten zudem, so Grüner, flexibel auf Nachfrage, genauer, auf Preissignale.
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Von links oben bis rechts unten beim Esys-Gespräch: Professor Andreas Löschel (Uni Bochum), Sascha Grüner (Netzagentur), Ralf Wagner (Uniper), Professor Andreas Goldthau (Uni Erfurt) und Professorin Franziska Holz (DIW / Uni Trondheim) Quelle: Georg Eble |
Warum Rehden so niedrig befüllt istDen niedrigen Füllstand des größten deutschen Gasspeichers Rehden bei Bremen - derzeit keine 12
Prozent - dürfe man nicht mit früher vergleichen. Rehden habe vor der Energiekrise 2021/22 nie dem Markt zur Verfügung gestanden, „jetzt aber schon“, so Grüner. Früher habe vor allem Rehden für Gazprom kurzfristige Ausfälle der Exportpipelines ausgleichen sollen, mehr nicht. Die Energiekrise habe durch „strategisches Verhalten Russlands“, Rehden vor dem Winter leerlaufen zu lassen und dann nichts mehr zu liefern, ein Mengenproblem heraufbeschworen, das es heute genauso wenig gebe wie solch strategisches Verhalten. Grüner: „Der Markt hat bisher immer funktioniert.“
Das sah Andreas Goldthau von der Uni Erfurt etwas anders: Zwar sei LNG „gottseidank etwas flexibler“ als das frühere, für Deutschland rein auf Pipelines beruhende System, und sicher kämen in naher Zukunft kanadische und argentinische Exportterminals dazu. Doch mit LNG sei Deutschland „global exponiert“, während das alte System regional gewesen sei. Die weltgrößten LNG-Exporteure sind die USA, Katar und Australien. Bei allen dreien hätten sich schon Ausfallrisiken realisiert:
- Im Falle Katars sind seit der weitgehenden Sperrung der Hauptexportroute, der Straße von Hormus, und der Zerstörung von Gasinfrastruktur fast alle LNG-Exporte ausgefallen. LNG Qatar hatte schon mehrmals gegenüber seinen Kunden höhere Gewalt ausgerufen - „das sind latente Mengenrisiken, da kann ich vorher noch so viel LNG kontrahiert haben, dann kann ich es trotzdem nicht liefern“, sekundierte Ralf Wagner von Uniper.
- In den USA haben Hurrikane mehrere Terminals im August zeitweise außer Gefecht gesetzt, umgekehrt könnte das Terminal Mukran auf Rügen einmal vereist sein, und an das Sabotagerisiko muss man laut Goldthau ebenfalls denken. Zudem hat US-Präsident Donald Trump dieser Tage einen Diesel-Exportstopp verhängt, um den einheimischen Preis zu senken; dies könnte er plötzlich auch mit LNG tun.
- Und schließlich hatte 2023 ein nur angedrohter Streik beim australischen Terminal von Chevron die europäischen Gasnotierungen in die Höhe springen lassen.
Kumulierten sich im nächsten Winter solche Ereignisse, kann es nach Goldthaus Dafürhalten schon brenzlig werden. Der Uni-Erfurt-Mann plädierte daher für die italienisch-französische Regulierung, wonach Gaslieferanten einen bestimmten Anteil ihrer kontrahierten Mengen sozusagen im Rucksack einspeichern müssen, in dem jeweiligen Land. Ralf Wagner von Uniper fragte zustimmend: „Wie viele Speicher wollen wir in unserem eigenen Land vorhalten?“ Die stark regulierten Speicher Österreichs und Ungarns seien höher befüllt.
Italienisch-französisches Modell eine „Subvention“Ironischerweise verteidigte nun der Regulierungsbeamte Grüner den Markt gegen den privatwirtschaftlichen Trader Wagner: Das italienisch-französische Modell sei eine Subvention und verzerre den Markt. Würden alle Europäer darauf einschwenken, würden alle Lieferanten günstiger im Sommer kaufen, dann wäre die momentan vorübergehend verschwundene Preisspreizung zwischen Sommer und Winter „endgültig kaputt“ und damit der marktliche Hauptanreiz, einzuspeichern. Die deutschen Beschaffer agierten halt „kostenoptimiert“.
Ein solches Massenverhalten führe aber nicht zur Versorgungssicherheit, meinte Wissenschaftler Goldthau. Daher gewinne er Differenzverträgen (CfD) für Sommer-Winter Gas Spreads etwas ab - Netzagentur-Mann Grüner schüttelte nur den Kopf.
(geo)
Mittwoch, 23.09.2026, 17:06 Uhr
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