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Enerige & Management > Windkraft Onshore - Müller-Nielsen: "Der Anlagenbetrieb lässt sich optimieren"
Bild: Björn Braun 200% / Fotolia
WINDKRAFT ONSHORE:
Müller-Nielsen: "Der Anlagenbetrieb lässt sich optimieren"
Wie es Romo Wind schafft, mit einem sensiblen Spinner-Anemometer, das auf der Nase der Windturbine montiert wird, die Erträge zu erhöhen, erklärt Geschäftsführer Jens Müller-Nielsen.
 
E&M: Herr Müller-Nielsen, Romo Wind gehört zu den Dienstleistern in der Windbranche, die mit einer neuen Technologie dazu beitragen, die Winderträge und damit die Einnahmen für die Betreiber zu erhöhen. Was war die Grundidee, die zur Entwicklung Ihres I-Spin führte?

Müller-Nielsen: Die Idee, die bereits aus dem Jahr 2003 stammt und 2008 zum Patent angemeldet wurde, ist genauso simpel wie bestechend: Um die Windturbinen besser in den Wind auszurichten, macht es mehr Sinn, den Wind am Spinner vor dem Rotor als hinter der Gondel zu messen. Fakt ist, dass eine Fehlauslegung der Gondel ziemlich viele Kilowattstunden kostet. Und mit I-Spin können wir dafür sozusagen ein Reparaturwerkzeug anbieten.

E&M: Welche Mehrerträge sind mit Ihrem System möglich?

Müller-Nielsen: Wir haben zum einen Berechnungen durch den DNV GL vornehmen lassen. Dann liegen uns die Ergebnisse vom Leistungskurvenvergleich mehrerer Kunden vor und nach der Korrektur vor. Danach liegt bei einer achtprozentigen Gondelfehlauslegung der rechnerische Mehrertrag bei 1,9 Prozent, wir haben aber auch in laufenden Windparks mit unseren Systemen Mehrerträge zwischen 2,9 und 3,8 Prozent im Jahr möglich gemacht.

E&M: Drei Prozent – das klingt nicht viel. Oder täuscht der erste Eindruck?

Müller-Nielsen: Der Eindruck täuscht. Wir sprechen aber über zweistellige Laufzeiten der Windturbinen, sodass über diese Zeit ein erhebliches Plus an Windertrag und zusätzliche Einnahmen im fünfstelligen Bereich zusammenkommen. Unser System hat sich bei einer Windturbine mit einer Leistung von 2,5 Megawatt in etwa zweieinhalb bis drei Jahren amortisiert, bei einer Drei-Megawatt-Anlage dauert es in der Regel und abhängig vom Standort zwischen anderthalb und zwei Jahren. Auch wenn wir 2018 auf dem deutschen Markt bei den Ausschreibungen wieder gestiegene Zuschlagspreise gesehen haben, sind gerade die Auktionen für alle Betreiber ein ganz großes Motiv, ihre Anlagen zu optimieren und möglichst viele Kilowattstunden zu erzeugen. Die I-Spin-Technologie passt also in die Zeit.
 
Jens Müller-Nielsen: „Die Schallmauer von 1 000 Stück haben wir mittlerweile überschritten, mit Abstand haben wir die meisten I-Spin-Systeme in Deutschland verkauft“
Bild: Romo Wind Deutschland

E&M: Wie viele Ihrer Systeme haben Sie verkauft?

Müller-Nielsen: Die Schallmauer von 1 000 Stück haben wir überschritten, mit Abstand die meisten haben wir in Deutschland verkauft. Uns freut, dass wir bekannte klassische Unternehmen aus der Windbranche wie Energiekontor, UKA oder Denker und Wulf von unserer Technologie überzeugen konnten. Betriebsführer, die Anlagen von professionellen Investoren betreuen, haben sich für uns entschieden. Mittlerweile haben wir auch mit Energieversorgern wie den Stadtwerken München, MVV Energie oder den Stadtwerken aus Schwäbisch Hall Verträge geschlossen. Wir haben damit den Bogen vom Projektierer bis zum Betreiber geschlossen und sind auch mit Banken und Versicherungen im Gespräch.

E&M: Was ist mit den Windturbinenherstellern? Diese Unternehmen müssten doch ein originäres Interesse haben, dass es erst gar nicht zu einer Fehlauslegung ihrer Gondeln kommt.

Müller-Nielsen: Wir sind mit allen führenden und bekannten Windturbinenherstellern in Kontakt. Einige davon prüfen unser System auf ihren Testfeldern. Sie wollen sich davon überzeugen, dass der I-Spin mehr zu bieten hat als das übliche Gondel-Anemometer. Gerade bei dem zunehmenden Wettbewerbs- und Margendruck haben die Windenergieanlagenhersteller ein sehr großes Interesse, ihren Kunden garantierte Leistungskurven und eine bessere Verfügbarkeit anbieten zu können. Dafür sind aber unsere Messinstrumente notwendig.

„Wir sehen einen Markt für uns bei den Bestandsanlagen“

E&M: Noch zählt Ihr I-Spin nicht zum Standardequipment der Windturbinenhersteller bei der Auslieferung neuer Anlagen.

Müller-Nielsen: Das wäre wünschenswert, wir arbeiten daran. Aber wir sehen daneben für uns einen Markt bei den Bestandsanlagen. Es kommen sicherlich nicht alle Windenergieanlagen in Betracht, aber vielleicht 10 000 schon laufende Anlagen mit unserem System auszurüsten, können wir uns vorstellen. Zumal wir nach den vorliegenden Betriebserfahrungen Erstaunliches bei den Turbulenzabschaltungen nachweisen können.

E&M: Geht es konkreter?

Müller-Nielsen: Die Turbulenzgutachten, die jeder Windmüller kennt, sind rein gerechnete Gutachten. Diese Berechnungen können, müssen aber nicht stimmen. Wenn sich durch eine genauere Ausrichtung der Gondel der von den Turbulenzen betroffenen Bereich begrenzen lässt, führt das zu weniger Abschaltungen und Ertragsausfällen. Es lassen sich auch langfristig Schäden vermeiden und ein Weiterbetrieb mit weniger Risiko realisieren. Genau das ist bei den von uns ausgerüsteten Anlagen der Fall.
 
Klein, aber wirkungsvoll: Die Romo Wind-Sensoren, die vor dem Rotor installiert werden
Bild: Romo Wind

E&M: Inwieweit kann das I-Spin dazu beitragen, dass Windenergieanlagen länger als 20 Jahre in Betrieb bleiben können?

Müller-Nielsen: Das Thema längere Betriebszeiten treibt die Windbranche um, gerade weil ab 2021 viele Anlagen nach 20-jähriger Förderung aus der EEG-Vergütung fallen. Mit I-Spin lässt sich nicht nur die Gondelfehlauslegung korrigieren. I-Spin ist auch ein Messsystem, das die Daten von Windgeschwindigkeit, Anströmwinkel, relative Leistungskurven, Luftdruck und Temperatur und eben Turbulenzintensitäten erfasst. Wie gesagt, wir können mit I-Spin die Turbulenzabschaltungen reduzieren.

Das ist für die Zukunft absolut wichtig: Die Türme werden immer höher und die Rotordurchmesser immer größer, keiner kann genau sagen, welchen Turbulenzen diese Anlagen ausgesetzt sind. Deshalb sind Systeme, die darüber Aufschluss geben, unverzichtbar. Wir können mit I-Spin zur Gesamtbeurteilung einer Windenergieanlage beitragen, wir bieten mittlerweile mehr als nur eine Korrektur der Gondelfehlauslegung. Mit den Daten, die sich über unser System erfassen lassen, lässt sich auf jeden Fall der Anlagenbetrieb optimieren.

E&M: Macht der Einsatz Ihrer I-Spin-Technologie in Offshore-Windparks Sinn?

Müller-Nielsen: Da bei den Offshore-Windturbinen die Anforderungen und auch die Risiken in Bezug auf die Sicherung des langfristigen Cashflows noch einmal höher sind, werden wir von Kunden beauftragt, in Windfeldern Messungen mit der I-Spin-Technologie vorzunehmen. Die Turbulenzeffekte, Gondelfehlausrichtungen und auch Schräganströmungen haben auf See einen noch stärkeren Einfluss auf die langfristige Haltbarkeit insbesondere von Großkomponenten.
 

Zur Person
Jens Müller-Nielsen ist seit Sommer 2014 Geschäftsführer der Romo Wind Deutschland GmbH, einem Unternehmen mit dänisch-schweizerischen Wurzeln. Zuvor hatte der studierte Betriebswirt in den Jahren 2010 bis 2013 als Geschäftsführer den Deutschland-Vertrieb von REpower Systems (heute Senvion) gemanagt, danach folgte ein kurzer Abstecher zum Windkraftprojektierer WSB in Dresden (seit Herbst 2016 VSB Gruppe), für den er als Leiter Geschäftsentwicklung tätig war.
 

Ralf Köpke
© 2019 Energie & Management GmbH
Dienstag, 12.02.2019, 08:39 Uhr

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