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Bild: Fotolia.com, alphaspirit
STUDIEN:
KWK-Ziel abschaffen, Dienstleistungen der KWK vergüten
Die Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung sollte zukünftig am Leitbild „Klimaschutz und Flexibilität“ neu ausgerichtet werden. Das empfiehlt eine Studie der Beratungsgesellschaft LBD, die im Auftrag der Agora-Energiewende erstellt wurde.
 
Diese Studie dürfte viele KWK-Verfechter auf die Barrikaden bringen, denn sie legt ein Abrücken von der Fixierung auf ein festes Ausbauziel nahe. Andere Zeiten bringen andere Erfordernisse mit sich, und das gilt auch für die Effizienztechnologie KWK. „Die Rolle von KWK-Anlagen wird sich im Rahmen der Energiewende deutlich ändern müssen“, sagt Patrick Graichen, Direktor der Agora-Energiewende. „KWK ist kein Wert an sich“, betont er, vielmehr müssten neue KWK-Anlagen spezifische „Dienstleistungen“ im neuen Energiesystem und im Wettbewerb mit anderen Optionen erbringen. Statt KWK-Anlagen wie bisher unabhängig von ihrem Beitrag zum Energiesystem und zum Klimaschutz zu fördern, sollten ihre Dienstleistungen wie etwa Systemdienstleistungen, die Bereitstellung von Strom und Wärme, Flexibilität und der Klimaschutz vergütet werden. Die künftige KWK-Förderung solle deshalb in ein „Energiewende-Markdesign“ eingebettet werden.

Studienautor Carsten Diermann bezweifelt, dass der bisherige KWK-Ausbau vor allem dem KWKG zu verdanken sei. Eine viel größere Rolle hätten die Vorteile des Selbstverbrauchs gespielt, die er allein auf gut 2 Mrd. Euro beziffert, wie auch die vermiedenen Netzentgelte. Denn durch diese entstünden nicht nur geringere Kosten, sondern auf der niedrigen Spannungsebene zahlten die Netzbetreiber die vermiedenen Netzentgelte auch noch an die Anlagenbetreiber aus, erläutert Graichen. Die Vorteile des Selbstverbrauchs erwiesen sich zudem als Hürde für die Flexibilität der Anlagen, weil es keine Anreize für verbrauchsorientierte Produktion gebe. Um Must-Run zu vermeiden, sollte zudem jede Anlage mit einem Wärmespeicher ausgestattet sein.

Klimaschutz und Flexibilität belohnen

Kriterium der Förderung sollte auch der Beitrag zum Klimaschutz sein. „Fossile Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen sind im Vergleich zu ausschließlich stromerzeugenden Kraftwerken zwar deutlich effizienter, dennoch verursachen sie im Gegensatz zu erneuerbaren Energien immer noch klimaschädliche CO2-Emissionen – besonders, wenn es sich um KWK auf Basis von Kohle handelt“, verdeutlicht Graichen. „Bisher wurde bei der KWK nur auf die Einsparung von Primärenergie abgestellt, einen Klimaschutzbeitrag leisten eigentlich nur die gasbetriebene KWK und die biogene KWK, betont Diermann. Die KWK mit Biomasse wird über das EEG unterstützt.

Das KWKG sollte konsequenterweise gezielt klimaverträglichere Gas-KWK fördern, solange es keinen angemessenen CO2-Preis im Emissionshandel gibt. Allerdings, so Diermann, würde dies bei einem Festhalten am 25-%-Ausbauziel 7 bis 12 Mrd. Euro Investitionen erfordern, bei einer Förderung über fünf Jahre entstünden jährliche Förderkosten von 2 bis 3 Mrd. Euro. Die CO2-Vermeidungskosten würden damit bestenfalls bei 66 bis 100 Euro/t CO2 liegen, für kleinere Anlagen noch weit darüber. Ein auf 2020 bezogenes KWK-Mengenziel sei wegen der hohen Kosten und auch deshalb nicht sinnvoll, weil bis etwa 2020 der Markt für thermische Stromerzeugung schrumpfen werde.

„Die KWK sollte sich im langfristig im Markt behaupten“, unterstreicht der Berater, das heißt, sie sollte sich dem Wettbewerb mit anderen klimafreundlichen Flexibilitätsoptionen stellen und Geld verdienen mit den Erlösen aus dem Verkauf von Strom und Wärme, der Bereitstellung von Regelleistung und Systemdienstleistungen. Dabei hat sie gegenüber ungekoppelter Erzeugung Kostenvorteile bei der Brennstoffbeschaffung und CO2-Zertifikaten.

Schluss machen mit Über- und Nebenförderung

Eine weitere Empfehlung der Studie: Es sollte für Strom aus KWK-Anlagen keine Vergütung geben, wenn die Börsenstrompreise negativ sind. Dadurch würden Anreize gesetzt, die Anlagen mit Technologien zur Wärmespeicherung und –umwandlung (Power-to-Heat) auszurüsten und sie dadurch flexibel zu machen. Eine ähnliche Regelung gilt von 2016 an auch für neue Erneuerbare-Energien-Anlagen. Diermann hält auch eine Direktvermarktung für notwendig, damit insbesondere kleinere KWK-Anlagen, deren Strom derzeit von den Netzbetreibern aufgekauft wird, einen Anreiz hätten, auf die Spotpreise zu reagieren.
Die bisherige Zersplitterung der KWK-Förderung in Einspeisevergütung, vermiedene Netznutzungsentgelte, Vermeidung von Abgaben und Umlagen, Boni auf den Eigenverbrauch, Investitionskostenzuschüsse und zinsverbilligte Darlehen muss aus Sicht der Experten abgebaut werden, damit Betriebs- und Investitionsentscheidungen nicht mehr verzerrt werden. So könnten etwa die Vorteile des Selbstverbrauchs auf die KWKG-Förderung angerechnet werden, meint Graichen.

Die Studie „Die Rolle der Kraft-Wärme-Kopplung in der Energiewende“ ist abrufbar unter www.agora-energiewende.de  
 

Angelika Nikionok-Ehrlich
Redakteurin
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Dienstag, 21.04.2015, 15:55 Uhr

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