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Bild: Fotolia.com, XtravaganT
KWK:
KWK für die Wärmewende
Mit einer Kombination aus Kraft-Wärme-Kopplung und erneuerbarem Strom lässt sich die Wärmewende besser bewältigen als mit einer reinen Stromlösung, zeigt eine neue Studie.
 
Der Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung (BKWK) fordert von der neuen Bundesregierung stabile gesetzliche und finanzielle Rahmenbedingungen sowie verlässliche Förderkonditionen für die Effizienztechnologie KWK. „Außerdem ist es nötig, Hindernisse, die der Kraft-Wärme-Kopplung im Wege stehen, zu beseitigen“, mahnte Heinz Ullrich Brosziewski, Vizepräsident des BKWK, bei einem Parlamentarischen Abend des Verbandes in Berlin.

Als größtes Hindernis derzeit sieht die Branche die seit Anfang des Jahres reduzierte Befreiung von der EEG-Umlage für Betreiber neuer KWK-Anlagen. Seit 1. Januar müssen Betreiber von Anlagen mit mehr als 10 kW Leistung, die nach dem 1. August 2014 in Betrieb gegangen sind, die volle EEG-Umlage und damit rund 4,1 Ct/kWh mehr auf den selbst verbrauchten Strom zahlen. Vorher galt ein reduzierter Satz von 40 % der EEG-Umlage.

Damit hatte in der Branche niemand gerechnet, Einzelnen Betreibern von KWK-Anlagen drohten in diesem Jahr zusätzliche Kosten in Millionenhöhe, zu befürchten seien Stilllegungen von Anlagen, ein Stopp von Investitionen in KWK und Probleme für Anlagenbauer, so der Verband. „Da brennt es lichterloh“, sagte BKWK-Vorstandsmitglied Christoph Zeis.

Die Bundesregierung hatte versäumt, für die Ende 2017 ausgelaufene Befreiungsregelung eine Anschlussvereinbarung mit der EU-Kommission zu treffen. Beim BKWK ist man der Meinung, dass der scheidende Energiestaatssekretär Rainer Baake, der nie als Freund der KWK galt, an dem Versäumnis nicht ganz unbeteiligt war.

Diese Deutung stützten beim Parlamentarischen Abend auch die Bundestagsabgeordneten Carsten Müller (CDU) und Florian Post (SPD). Dass die Umlagebefreiung von der EU-Kommission nicht verlängert wurde, sei „nicht ganz absichtslos gewesen“, unterstellte Müller; Post merkte an, er habe dem nichts hinzuzufügen. Beide ließen erkennen, dass sie Baakes Abschied keineswegs bedauern.

EEG-Umlage Betreiber und Hersteller von KWK-Anlagen

Die beiden Abgeordneten erklärten, sich für eine schnelle Beseitigung des Problems einsetzen zu wollen. „Ich bin ganz guten Mutes, dass das Thema schnell gelöst wird“, sagte der CDU-Umweltexperte Müller. Post schlug vor, nach Regelungen zu suchen, die rasch mit der EU-Kommission zu vereinbaren seien. BKWK-Vizepräsident Brosziewski forderte, zur Kompensation der Nachteile für die Anlagenbetreiber eine Verordnungsermächtigung im KWK-Gesetz zu nutzen, die es erlaube, die KWK-Vergütung zu erhöhen, wenn es die wirtschaftlichen Verhältnisse erfordern.

Erfolg versprechende Perspektiven für die KWK sind unter solchen Bedingungen nur schwer auszumachen. Auch die beiden Vertreter der Regierungsparteien CDU und SPD blieben in ihren Erklärungen dazu eher unverbindlich. Die KWK werde eine „eine wichtige Position einnehmen“, meinte Müller, er werde „alles daransetzen, die KWK auszubauen“, ergänzte Post.

Dass es für die Unterstützung der Kraft-Wärme-Kopplung in Berlin sogar eine noch größere Koalition als die offiziell vereinbarte gibt, bestätigten die Grünen-Energieexpertin Julia Verlinden und der Abgeordnete der Linken Ralph Lenkert. Verlinden kritisierte, dass die vergangenen Bundesregierung zu wenig für die KWK getan habe. „Ich sehe KWK-Anlagen als Reservekraftwerke“, so Lenkert.

Eine wichtige Anmerkung im Hinblick auf die langfristig notwendige Dekarbonisierung der Energieversorgung kam von Thomas Griese (Grüne), Umweltstaatssekretär in Rheinland-Pfalz: „KWK muss kurzfristig noch mit Erdgas, langfristig aber mit Bioerdgas betrieben werden“, sagte er.

Perspektiven für die KWK aufzeigen soll auch eine Studie, die der BKWK beim Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und angewandte Materialforschung (IFAM) in Auftrag gegeben hat und die Max Fette beim Parlamentarischen Abend vorstellte.

Nur elektrische Wärmepumpen sind nicht die Lösung

Grundaussage der Kurzstudie zur Rolle der KWK in der Energiewende: Eine auf Elektrifizierung und den Einsatz strombetriebener Wärmepumpen ausgerichtete Wärmewende bringe gravierende Nachteile mit sich und könne den Anspruch einer weitestgehenden Dekarbonisierung kaum einlösen. Die Zeitstruktur des Strombedarfs der Wärmepumpen begrenze die Möglichkeit, diesen mit Windkraft und Photovoltaik zu decken, so Forscher Fette. Deshalb müssten für eine vollständige Elektrifizierung der Wärmeversorgung erhebliche Strommengen durch konventionelle Kraftwerke erzeugt oder importiert werden.

Bessere Möglichkeiten als eine Elektrifizierung eröffneten dagegen gasbasierte KWK-Systeme mit Wärmespeichern sowie ergänzenden Elektro-Kesseln und Groß-Wärmepumpen. Diese Technikkombination korrespondiere gut mit dem Ausbau der Stromerzeugung aus fluktuierenden erneuerbaren Energien und ergänze diese passend, erläuterte Fette.

KWK-Anlagen lieferten Strom, wenn Wind und Sonne nicht ausreichten. Stünden erneuerbare Stromüberschüsse zur Verfügung, könnte daraus in Power-to-Heat-Anlagen Wärme oder in Power-to-Gas-Anlagen erneuerbares Gas für die KWK produziert werden. Voraussetzung dafür sei aber der Bau von Wärmenetzen. Die Zahl der Volllaststunden von KWK-Anlagen werde jedoch im Vergleich zu heute deutlich sinken. Dafür lieferten sie besonders wertvollen Strom.

„Die Ergebnisse der Studie belegen, dass ein intensiver Ausbau gasbasierter KWK mit Wärmenetzen für den Klimaschutz mittel- und langfristig eine zielführende Strategie ist“, deutete Brosziewski die IFAM-Untersuchung. KWK-Anlagen könnten sowohl im kommunalen als auch im gewerblichen Bereich eine zentrale Rolle in der Wärmewende spielen.

„Die Kraft-Wärme-Kopplung kann bedeutende Beiträge für die notwendige Flexibilisierung des gesamten Energieversorgungssystems und die Verknüpfung der Verbrauchssektoren Strom, Wärme und Gas leisten“, merkte Staatssekretär Griese an. Durch den zunehmenden Einsatz regenerativer Brennstoffe, wie Biogas oder Methan aus Power-to-Gas-Anlagen, werde die KWK in steigendem Umfang zur notwendigen Dekarbonisierung unserer Energieversorgung beitragen, damit die Klimaschutzziele erreicht werden könnten.
 

Peter Focht
Redakteur
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Freitag, 16.03.2018, 13:30 Uhr

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