Gemeinsam für das Konstanzer Neubaugebiet Hafner (v.l.): Norbert Reuter, Bene Müller, Verena Binder, Gordon Appel und Edgar Kunz. Quelle: Stadtwerke Konstanz / Christoper Pape
Die Stadtwerke Konstanz und Solarcomplex haben für den Wärmeverbund im Konstanzer Neubaugebiet Hafner eine Projektgesellschaft gegründet. Der Bau könnte 2027 beginnen.
An der neuen Wärmeversorgung Hafner GmbH halten die Stadtwerke Konstanz und die Solarcomplex AG jeweils 50 Prozent. Die Projektgesellschaft mit Sitz in Konstanz soll den Wärmeverbund für den ersten Bauabschnitt des neuen Stadtteils aufbauen und betreiben. Solarcomplex aus Singen plant, baut und betreibt Anlagen zur Strom- und Wärmebereitstellung aus erneuerbaren Energien.
Der Hafner soll nördlich des Konstanzer Stadtteils Wollmatingen entstehen. Auf rund 60 Hektar sind mehr als 3.000 Wohnungen sowie Gewerbeflächen und soziale Einrichtungen vorgesehen. Hafner Nordwest bildet den ersten von insgesamt drei Bauabschnitten.
Die Wärmepumpen sollen Außenluft als Umweltwärme nutzen. Zusätzlich planen die Partner eine Photovoltaik-Freiflächenanlage mit einer Leistung von 1,3 MW. Sie soll erneuerbaren Strom direkt an die Wärmepumpen liefern.
Nach Angaben der Stadtwerke liegt der Wärmebedarf des ersten Bauabschnitts bei etwa 9 Millionen kWh im Jahr. Das geplante Netz soll einschließlich der Hausanschlussleitungen rund 5,4 Kilometer lang werden. Bis zu 200 Hausübergabestationen sollen die Gebäude mit dem Netz verbinden.
17 Millionen Euro für Wärme und Solarstrom
Für die zentrale Wärmeversorgung und die Photovoltaikanlage veranschlagen die Projektpartner rund 17 Millionen Euro. Fördermittel und Anschlusskostenbeiträge sind in dieser Summe noch nicht berücksichtigt. Verlaufen die weiteren Projektphasen positiv, könnten die Bauarbeiten 2027 beginnen. Der Wärmeverbund soll so dimensioniert werden, dass später auch Bestandsgebäude im nördlichen Konstanzer Stadtteil Wollmatingen angeschlossen werden können. Ob und wann diese Erweiterung erfolgt, geht aus der Mitteilung nicht hervor.
Die beiden Gesellschafter wollen die Aufgaben bei Planung, Aufbau des Geschäftsmodells, Realisierung und Betrieb nach ihren Kompetenzen verteilen. Konkrete Arbeitspakete nennt die Mitteilung nicht. Die Stadtwerke ordnen das Vorhaben in die städtische Klimaschutzstrategie und die kommunale Wärmeplanung ein.
Solarcomplex verweist auf seine Erfahrung mit Wärmenetzen. Das im Jahr 2000 gegründete Unternehmen hat nach eigenen Angaben bislang rund 20 solcher Netze umgesetzt, vor allem in kleineren und ländlich geprägten Gemeinden. Solarcomplex-Vorstandsmitglied Edgar Kunz sieht in dem Konstanzer Vorhaben den Schritt von Projekten im ländlichen Raum zur Wärmeversorgung in einer mittelgroßen Stadt. Stadtwerke-Geschäftsführer Gordon Appel verweist auf die Erfahrungen aus früheren gemeinsamen Vorhaben beider Partner.
Stadtwerke setzen auf Projektpartner
Die Gesellschafter bestellten Appel und Kunz zu Geschäftsführern der Wärmeversorgung Hafner GmbH. Zentrale Entscheidungen wollen die beiden Unternehmen gemeinsam treffen. Ein Beirat soll als Aufsichtsgremium dienen. Über die Stadtwerke hält die Stadt Konstanz mittelbar 50 Prozent an der Gesellschaft.
Die Gründung steht im Zusammenhang mit den weiteren Wärmeplänen des kommunalen Versorgers. Die Stadtwerke wollen in den kommenden Jahren in mehreren Gebieten parallel neue Wärmeverbünde entwickeln. Für die vorgesehenen Projekte rechnen sie insgesamt mit Investitionen von rund 550 Millionen Euro. Nach eigener Einschätzung können die Stadtwerke den damit verbundenen Kapitalbedarf und den organisatorischen Aufwand nicht allein tragen. Das Unternehmen hatte deshalb bereits 2024 gemeinsam mit Aufsichtsrat und Gemeinderat beschlossen, für einzelne Vorhaben Kooperationspartner einzubinden. Diese sollen Fachwissen und Kapital beisteuern sowie die organisatorische und finanzielle Last mittragen. Der Wärmeverbund Hafner ist das erste Vorhaben, für das die Stadtwerke nach diesem Modell eine gemeinsame Projektgesellschaft gegründet haben. (ds)
Dienstag, 21.07.2026, 10:23 Uhr
Davina Spohn
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