E&M exklusiv Newsletter:
E&M gratis testen:
Energie & Management > Solarthermie - Kommunen planen nur geringen Solarthermie-Anteil in Wärmenetzen
Quelle: Shutterstock
Solarthermie

Kommunen planen nur geringen Solarthermie-Anteil in Wärmenetzen

Eine Studie von Fraunhofer ISE und Öko-Institut zeigt: Trotz vorhandener Potenziale spielt Solarthermie in den kommunalen Wärmeplänen bislang nur eine Nebenrolle.
In den kommunalen Wärmeplänen deutscher Städte und Gemeinden spielt Solarthermie bislang eine untergeordnete Rolle. Das geht aus der Untersuchung „Kommunale Wärmeplanung in Deutschland – Auswertung abgeschlossener Wärmepläne im Projekt KOMpare (Stand 07/2026)“ von Fraunhofer ISE und Öko-Institut hervor. Laut einer aktuellen Mitteilung werteten die Forschenden 377 Wärmepläne aus, die insgesamt 938 Kommunen umfassen. Darin beziffern die Kommunen das Potenzial der Solarthermie auf rund 457 Milliarden kWh pro Jahr. Damit liegt die Technologie bei den erfassten Energiepotenzialen an erster Stelle. 

In den Szenarien für die Wärmeversorgung des Jahres 2045 findet sich die Solarthermie hingegen deutlich seltener wieder. „Die Sonne steht bei den Potenzialen ganz oben, in den konkreten Wärmeplanungen aber weit unten. Das passt nicht zusammen“, erklärte Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar), in einer Pressemitteilung vom 2. November. Weniger als 40 Prozent der untersuchten Kommunen berücksichtigen demnach die Technologie in ihren Planungen. Bei den Kommunen, die Angaben zum künftigen Erzeugungsmix ihrer Wärmenetze machen, erreicht Solarthermie lediglich einen Anteil von 3,6 Prozent.

Nach einer Befragung des Kompetenzzentrums Kommunale Wärmewende (KWW) unter 778 Städten, Gemeinden und Landkreisen befinden sich mittlerweile 40 Prozent der teilnehmenden Kommunen in der Umsetzungsphase ihrer Wärmeplanung. Ein Jahr zuvor lag dieser Anteil noch bei 17 Prozent. Weitere 32 Prozent erarbeiten derzeit ihre Wärmepläne, während 18 Prozent entsprechende Vorbereitungen treffen. Damit rücken Entscheidungen über die künftige Erzeugungsstruktur der Wärmenetze in den Vordergrund. Der BSW-Solar fordert deshalb, Solarthermie sowohl bei der Konkretisierung der kommunalen Wärmepläne als auch in den Transformationsplänen der Netzbetreiber stärker zu berücksichtigen.

Nach Angaben des BSW-Solar existieren bundesweit rund 3.800 Wärmenetze. Dem stehen etwa 75 große Solarthermie-Freiflächenanlagen gegenüber. Der Verband sieht insbesondere bei der Integration in bestehende Netze und bei der Planung neuer Versorgungsgebiete zusätzliche Einsatzmöglichkeiten. 

Dabei hängt die Wirtschaftlichkeit solarthermischer Anlagen unter anderem von der Verfügbarkeit geeigneter Flächen, dem Temperaturniveau des Wärmenetzes, den Investitionskosten und der Einbindung von Wärmespeichern ab. Während Kollektorfelder vor allem im Sommer hohe Erträge liefern, steigt der Wärmebedarf in der Heizperiode. Tages- und Saisonalspeicher können diese zeitliche Verschiebung teilweise ausgleichen. In Verbindung mit Wärmepumpen, Abwärme und weiteren Erzeugungstechnologien lässt sich Solarthermie in unterschiedliche Wärmenetzkonzepte integrieren.

Verband fordert frühzeitige Flächensicherung

Der BSW-Solar fordert deshalb, bei der Umsetzung kommunaler Wärmepläne geeignete Flächen frühzeitig zu sichern und wirtschaftlich tragfähige solare Deckungsanteile zu untersuchen. Darüber hinaus sollen Planer die Integration von Tages- und Saisonalspeichern prüfen. Verlässliche Förderbedingungen und kürzere Genehmigungsverfahren sieht der Verband als weitere Voraussetzungen für den Ausbau.

Neben der Reduzierung von CO2-Emissionen verweist der BSW-Solar auf die geringere Abhängigkeit von Brennstoffimporten und Energiepreisschwankungen. Solarthermische Anlagen benötigen während des Betriebs keinen Brennstoff für die Wärmeerzeugung. Dadurch können sie den Verbrauch fossiler Energieträger und den Bedarf an Biomasse reduzieren. „Sonnenwärme braucht weder Pipelines noch Öltanker. Sie wird direkt vor Ort gewonnen und macht Kommunen, Unternehmen und Verbraucher unabhängiger von internationalen Energiemärkten“, sagte Körnig.

Entscheidend ist aus Sicht des Verbandes nun, ob Kommunen und Wärmenetzbetreiber die ermittelten Solarthermie-Potenziale bei ihren Investitionsentscheidungen berücksichtigen. Die Ergebnisse von „KOMpare 2026“ zeigen, dass zwischen dem rechnerisch ausgewiesenen Potenzial und dem bislang vorgesehenen Beitrag zur Wärmeerzeugung hierzulande eine Differenz besteht. Aus den Potenzialangaben allein lässt sich allerdings noch nicht ableiten, welcher Anteil unter den jeweiligen örtlichen und wirtschaftlichen Bedingungen tatsächlich erschlossen werden könnte. (hr)

Montag, 2.11.2026, 14:28 Uhr
Heidi Roider
Energie & Management > Solarthermie - Kommunen planen nur geringen Solarthermie-Anteil in Wärmenetzen
Quelle: Shutterstock
Solarthermie
Kommunen planen nur geringen Solarthermie-Anteil in Wärmenetzen
Eine Studie von Fraunhofer ISE und Öko-Institut zeigt: Trotz vorhandener Potenziale spielt Solarthermie in den kommunalen Wärmeplänen bislang nur eine Nebenrolle.
In den kommunalen Wärmeplänen deutscher Städte und Gemeinden spielt Solarthermie bislang eine untergeordnete Rolle. Das geht aus der Untersuchung „Kommunale Wärmeplanung in Deutschland – Auswertung abgeschlossener Wärmepläne im Projekt KOMpare (Stand 07/2026)“ von Fraunhofer ISE und Öko-Institut hervor. Laut einer aktuellen Mitteilung werteten die Forschenden 377 Wärmepläne aus, die insgesamt 938 Kommunen umfassen. Darin beziffern die Kommunen das Potenzial der Solarthermie auf rund 457 Milliarden kWh pro Jahr. Damit liegt die Technologie bei den erfassten Energiepotenzialen an erster Stelle. 

In den Szenarien für die Wärmeversorgung des Jahres 2045 findet sich die Solarthermie hingegen deutlich seltener wieder. „Die Sonne steht bei den Potenzialen ganz oben, in den konkreten Wärmeplanungen aber weit unten. Das passt nicht zusammen“, erklärte Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar), in einer Pressemitteilung vom 2. November. Weniger als 40 Prozent der untersuchten Kommunen berücksichtigen demnach die Technologie in ihren Planungen. Bei den Kommunen, die Angaben zum künftigen Erzeugungsmix ihrer Wärmenetze machen, erreicht Solarthermie lediglich einen Anteil von 3,6 Prozent.

Nach einer Befragung des Kompetenzzentrums Kommunale Wärmewende (KWW) unter 778 Städten, Gemeinden und Landkreisen befinden sich mittlerweile 40 Prozent der teilnehmenden Kommunen in der Umsetzungsphase ihrer Wärmeplanung. Ein Jahr zuvor lag dieser Anteil noch bei 17 Prozent. Weitere 32 Prozent erarbeiten derzeit ihre Wärmepläne, während 18 Prozent entsprechende Vorbereitungen treffen. Damit rücken Entscheidungen über die künftige Erzeugungsstruktur der Wärmenetze in den Vordergrund. Der BSW-Solar fordert deshalb, Solarthermie sowohl bei der Konkretisierung der kommunalen Wärmepläne als auch in den Transformationsplänen der Netzbetreiber stärker zu berücksichtigen.

Nach Angaben des BSW-Solar existieren bundesweit rund 3.800 Wärmenetze. Dem stehen etwa 75 große Solarthermie-Freiflächenanlagen gegenüber. Der Verband sieht insbesondere bei der Integration in bestehende Netze und bei der Planung neuer Versorgungsgebiete zusätzliche Einsatzmöglichkeiten. 

Dabei hängt die Wirtschaftlichkeit solarthermischer Anlagen unter anderem von der Verfügbarkeit geeigneter Flächen, dem Temperaturniveau des Wärmenetzes, den Investitionskosten und der Einbindung von Wärmespeichern ab. Während Kollektorfelder vor allem im Sommer hohe Erträge liefern, steigt der Wärmebedarf in der Heizperiode. Tages- und Saisonalspeicher können diese zeitliche Verschiebung teilweise ausgleichen. In Verbindung mit Wärmepumpen, Abwärme und weiteren Erzeugungstechnologien lässt sich Solarthermie in unterschiedliche Wärmenetzkonzepte integrieren.

Verband fordert frühzeitige Flächensicherung

Der BSW-Solar fordert deshalb, bei der Umsetzung kommunaler Wärmepläne geeignete Flächen frühzeitig zu sichern und wirtschaftlich tragfähige solare Deckungsanteile zu untersuchen. Darüber hinaus sollen Planer die Integration von Tages- und Saisonalspeichern prüfen. Verlässliche Förderbedingungen und kürzere Genehmigungsverfahren sieht der Verband als weitere Voraussetzungen für den Ausbau.

Neben der Reduzierung von CO2-Emissionen verweist der BSW-Solar auf die geringere Abhängigkeit von Brennstoffimporten und Energiepreisschwankungen. Solarthermische Anlagen benötigen während des Betriebs keinen Brennstoff für die Wärmeerzeugung. Dadurch können sie den Verbrauch fossiler Energieträger und den Bedarf an Biomasse reduzieren. „Sonnenwärme braucht weder Pipelines noch Öltanker. Sie wird direkt vor Ort gewonnen und macht Kommunen, Unternehmen und Verbraucher unabhängiger von internationalen Energiemärkten“, sagte Körnig.

Entscheidend ist aus Sicht des Verbandes nun, ob Kommunen und Wärmenetzbetreiber die ermittelten Solarthermie-Potenziale bei ihren Investitionsentscheidungen berücksichtigen. Die Ergebnisse von „KOMpare 2026“ zeigen, dass zwischen dem rechnerisch ausgewiesenen Potenzial und dem bislang vorgesehenen Beitrag zur Wärmeerzeugung hierzulande eine Differenz besteht. Aus den Potenzialangaben allein lässt sich allerdings noch nicht ableiten, welcher Anteil unter den jeweiligen örtlichen und wirtschaftlichen Bedingungen tatsächlich erschlossen werden könnte. (hr)

Montag, 2.11.2026, 14:28 Uhr
Heidi Roider

Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?

Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.