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Enerige & Management > Strom - Kapazitätsmarkt soll Stromlücke bis 2030 schließen
Quelle: Fotolia / animaflora
STROM:
Kapazitätsmarkt soll Stromlücke bis 2030 schließen
Eine Enervis-Studie im Auftrag von Zukunft Gas kommt zum Schluss, dass Deutschland ohne Zubau von Kraftwerken und Speichern bei einem Kohleausstieg 2030 nicht genug Strom produziert.
 
Damit Deutschland auch im Jahr 2030 ohne Kohlekraftwerke eine sichere Stromversorgung gewährleisten kann, müssten dringend Kapazitäten errichtet werden, die die volatile Einspeisung aus Sonne und Wind ergänzen. Diese Speicher oder Kraftwerke sollten über Ausschreibungen in einem Kapazitätsmarkt finanziert und errichtet werden. Das schlägt eine Studie des Beratungsunternehmens Enervis im Auftrag des Branchenverbandes Zukunft Gas vor. Sie wurde am 6. Dezember von Julius Ecke, Partner bei Enervis Energy Advisors, online vorgestellt.

Im Zuge des Ausstiegs aus Kernenergie und Kohleverstromung steuert Deutschland auf große Stromlücke zu, warnte Ecke. Zusätzliche Kapazitäten seien deshalb nötig, die bei Flaute und Dunkelheit Strom liefern, wenn die erneuerbaren Erzeuger ausfallen. Diese sollten über einen umfassenden Kapazitätsmarkt errichtet werden, schlug Ecke zugleich vor. Timm Kehler, Vorstand von Zukunft Gas, sagte: "Nur wenn für Investoren und Betreiber zeitnah ein darstellbares Geschäftsmodell für vorgehaltene Kapazitäten entsteht, kann der Zubau benötigter Leistung rechtzeitig beginnen."

Kapazitätsmarkt muss schnell kommen

Da der Aufbau dieser Kapazitäten viel Zeit benötigt, müsse schnell ein Marktdesign für solche Kapazitäten etabliert werden, forderte Kehler von der Bundesregierung. Diese könnten aus Gaskraftwerken bestehen, die auch klimaneutralen Wasserstoff oder Biogas nutzen könnten, aus Batterien, Pumpspeichern, Geothermieanlagen oder anderen Stromerzeugern. Daher sollten die Ausschreibungen technologieoffen gestaltet werden und nur Kriterien der Kosten, der Klimafreundlichkeit und Zuverlässigkeit berücksichtigen, so die Studie.
  Eine Anpassung der bisherigen Marktmechanismen, bei der allein die gelieferte Strommenge vergütet wird, ist zwingend notwendig. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) kündigte Arbeiten an einem neuen Strommarktdesign für das erste Quartal 2023 an. Die Studien-Autoren gehen davon aus, dass 2031 mindestens 15.000 MW an gesicherter Leistung fehlen werden. Diese Lücke wäre ohne den geplanten intensiven Ausbau der Erneuerbaren noch größer.
 
Möglicher Zeitplan zur Umsetzung der Kapazitätsbeschaffung laut Strommarktdesignstudie 2022 von Zukunft Gas
(zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken)
Quelle: Enervis Energy Advisors

Auktionsmodell vorgeschlagen

Die Stromlücke wird nach Eckes Ansicht durch den vermehrten Einsatz elektrischer Wärmepumpen und den Ausbau der Elektromobilität künftig noch größer. "Deshalb brauche es den Zubau flexibel einsetzbarer Energie in Form von wasserstofffähigen Gaskraftwerken, Großbatterien, Pumpspeichern oder abschaltbaren Lasten", forderte er. Dafür müssten Betreiber auch für das Bereitstellen gesicherter Leistung einen Preis bekommen, schlägt die Studie vor. Verglichen mit vermiedenen anderen Kosten wie einem verstärkten Netzausbau oder den heutigen Zahlungen für Redispatch werde dieses System nicht spürbar teurer, sagte Ecke.

Ähnliche Modelle seien in Ländern wie Großbritannien, Belgien oder auch Frankreich bereits praxiserprobt und wurden im Rahmen der Studie vergleichend analysiert. Kehler sagte: "Dafür benötigen wir unter anderem eine Rechtsgrundlage und eine zentrale Instanz, die die auszuschreibenden Kapazitätsmengen festlegt. Die Beschaffung dieser Kapazitäten erfolgt dann durch Auktionen, bei denen sich der Preis bildet."

Die vollständige Studie "Marktdesign für einen sicheren, wirtschaftlichen und dekarbonisierten Strommarkt " steht auf der Internetseite von Zukunft Gas als PDF zum Download bereit.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Dienstag, 06.12.2022, 14:06 Uhr

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