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Bild: Fotolia.com, zentilia
WINDKRAFT OFFSHORE:
Japaner nutzen Aachener Teststand
Die aerodyn-Gruppe testet im Aachener Center for Wind Power Drives einen Zweiflügler mit 3 MW Leistung, der im Frühjahr 2018 auf einem schwimmenden Fundament errichtet werden soll.
 
„Der mehrwöchige Testlauf hier ist schon ideal“, sagt Jörg Zeumer von der Recase Regenerative Energien GmbH, die das Team von aerodyn engineering GmbH bei Entwicklung und Bau einer zweiflügeligen Windturbine mit einer Leistung von 3 MW unterstützt, die für den Einsatz auf einer schwimmenden Plattform vor der japanischen Küste vorgesehen ist.

Elektrotechniker Jörg Zeumer, der früher beim einstigen Anlagenhersteller REpower Systems (heute Senvion) den Bereich Systemtechnik leitete, wundert sich, dass bisher nur relativ wenige Windturbinenhersteller das Equipment des Center for Wind Power Drives (CWD) an der RWTH Aachen nutzen. Dabei ist in dem Getriebeteststand neben der Volllastmessung aller Dreh- und Biegemomente, Zeitreihensimulation, Netzausfallbedingungen auch ein Test bei Netzfrequenz von 60Hertz möglich, die auch im Süden Japans im Offshore-Testfeld von Kitakyūshū anzutreffen ist. Dort soll der von aerodyn entwickelte Zweiflügler in einem Pilotprojekt eingesetzt werden, das von der japanischen Agentur New Energy and Industrial Technology Development (NEDO) finanziert wird.

„Der Teststand in Aachen bietet schon große Vorteile“, freut sich Chef-Konstrukteur und Geschäftsführer der in Büdelsdorf ansässigen aerodyn engineering, Sönke Siegfriedsen, in dem mit Computer-Bildschirmen voll gestellten CWD-Teststand. Wenn alles nach Plan läuft, soll der extra für das schwimmende Fundament modifizierte Zweiflügler, in Frühjahr 2018 in japanischen Gewässern errichtet sein. „Wir wollen schon in fünf Jahren so weit sein, dass wir 50 schwimmende Zweiflügler pro Jahr aufstellen“, gab Seiichiro Okuhara, Vorstandschef des japanischen Unternehmens Glocal, in Aachen einen Einblick in die Zukunftspläne. Die in Hiroshima beheimatete Glocal ist erst seit Kurzem in der Windenergie engagiert und hat von der aerodyn engineering GmbH die Rechte für den Bau der sogenannten SCD-Maschinen mit 3, 6 und 8 MW Leistung erworben. Zu diesem Paket gehört auch die Lizenz zum Bau der schwimmenden Offshore-Plattform nezzy. „Wir müssen das Meer erobern, ansonsten kommt der Ausbau der erneuerbaren Energien in unserem Land nicht entscheidend weiter“, postuliert Okuhara.

Aktuell liegt der Anteil der erneuerbaren Energien in Japan bei fünf Prozent, den die Regierung in Tokio bis 2025 auf 25 Prozent erhöhen will. Okuhara ist optimistisch: „Dann wollen wir den japanischen Stromkunden die Kilowattstunde Offshore-Windstrom für zwölf Cent anbieten können.“

Froh um den Auftrag von aerodyn engineering und Glocal ist CWD-Direktor Ralf Schelenz: „Wir haben zwar eine Auslastung unseres Teststandes bis Ende 2018, dabei handelt es sich aber vor allem um Forschungsvorhaben unserer Studenten.“ Aufträge aus der Windenergieindustrie sind indessen noch rar. „Die Branche ist noch sehr verhalten“, räumt Schelenz ein. Allerdings ist er davon überzeugt, dass sich das in Zukunft ändern wird: „Wenngleich unser Teststand relativ teuer ist, verhält es sich mit Tests im Feld bei variierenden Windverhältnissen wesentlich komplizierter; zudem muss man draußen ständig Rücksicht auf den Netzbetrieb nehmen, bei uns nicht.“
 

Dierk Jensen
© 2017 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 17.05.2017, 13:04 Uhr

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