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IT:
In zwei Schritten aus der Zwickmühle
SAP-Anwender müssen demnächst auf einen neuen Standard, den Common Layer, umstellen. Viele EVU scheuen den Umstieg; Jens Voshage* über den richtigen Umstellungs-Zeitpunkt.
 

Zwei Fakten liegen für Klaus Nitschke klar auf der Hand: „Wer mit dem Umstieg auf Common Layer und Idex-GC wartet, verpasst Chancen zur Effizienzsteigerung. Und wer den neuen SAP-Standard für den Wechselprozess zu schnell einführt, geht ein deutliches Risiko ein.“ Aus dieser Zwickmühle gibt es aus Sicht des Geschäftsführers des Ettlinger SAP-Partners Cortility jedoch ein Entkommen: den Umstieg in zwei Schritten.

Aktuell sind noch nicht für alle Marktprozesse Standard-Workflows verfügbar. Außerdem haben die EVU mit Idex-GC noch relativ wenig Erfahrung sammeln können. Diese beiden Hemmnisse lassen derzeit viele Energieversorger abwarten. „Aus wirtschaftlicher Sicht muss man sagen: So schnell wie möglich Common Layer einführen“, betont jedoch Nitschke. Bei jedem Formatwechsel, der noch nicht im SAP-Standard erfolge, werde unnötig Personal gebunden. „Im Endeffekt investiert man zu viel Geld in Systeme, die schon mittelfristig nicht mehr eingesetzt werden“, betont er. Denn aufgrund des Kostendrucks führe am Common Layer kein Weg vorbei: „Die Frage ist nicht, ob ein Umstieg erfolgt, sondern nur das Wann und das Wie.“

Testmöglichkeit und einfachere Fehlereingrenzung

Da jedoch der Umstieg von den individuell ausgeprägten Prozesse hin zum SAP-Standard und den IDOC-Basistypen komplex ist und einige Risiken beinhaltet, empfiehlt der IT-Dienstleister einen zweistufigen Umstieg: Zuerst erfolgt die Implementierung der IDOC-Basistypen, der zweite Schritt ist die Einführung des Frontends und das Anpassen der Workflows an den Standard. Dieses Umstellungskonzept hat für die Anwender in den Fachabteilungen den Vorteil, dass es bei der Einführung der Basistypen und der neuen Datenhaltung keine Veränderung beim Abarbeiten von Wechselprozessen gibt.

 

Klaus Nitschke: „Pflegeaufwendige Individuallösungen bei der Marktkommunikation durch den Standard ersetzen“
Bild: Jens Voshage

Das erleichtert Tests und Fehlereingrenzung: Idex-GC läuft bereits im Hintergrund mit. „Beim Auto sind der Motor und das Fahrwerk ausgetauscht – die Karosserie und das Fahrverhalten blieben aber noch unverändert“, umschreibt Nitschke das Vorgehen rund um das vollständige Einführen des SAP-Prozessdokuments im ersten Schritt. Während im täglichen Einsatz weiter die erprobten Systeme arbeiten, läuft Idex-GC im Hintergrund: „Es durchläuft alle relevanten Prozessschritte, lediglich die Marktkommunikation ist ausgeschaltet.“ Hierdurch habe der unterstützende IT-Dienstleister und der Kunde nun die Möglichkeit, parallel zum produktiven System Prozessdokumente, Prozesse und Workflows zu überprüfen. „Wir erkennen dadurch vor der tatsächlichen Umstellung auf den Common Layer, wo zwingend noch nachgearbeitet werden muss“, betont Nitschke. Die Tests können somit viel umfangreicher erfolgen, als dies im Rahmen eines einphasigen Umstiegs möglich ist. Auch sei ein direkter Vergleich zwischen Wechselbeleg und Prozessdokument im Produktivsystem möglich.

Überraschungen trotzdem nicht ausgeschlossen

Vorteile hat das zweistufige Vorgehen besonders beim Eingrenzen von Fehlern: Wenn sich das Prozessdokument schon während der ersten Phase bewährt hat, kann sich das Projektteam in Phase 2 vollständig auf die Funktionalität der Standard-Workflows konzentrieren.

Auch bei einem sehr strukturierten Vorgehen gebe es immer wieder Überraschungen. „Dass die Anzahl der Prozessdokumente nicht zwangsläufig mit der Anzahl der Wechselbelege übereinstimmt, erwarten viele Kunden nicht“, berichtet Nitschke. Grund hierfür sei oft, dass die bestehenden Lieferantenwechsel-Workflows im Laufe der Jahre immer wieder erweitert wurden und mittlerweile mehrere Prozesse vereinen. „Das ist bei den gewachsenen Systemen in der Branche durchaus üblich, da immer wieder neue Anforderungen von den Regulierern kamen“, weiß der Ettlinger IT- und EVU-Experte. Mit dem Common Layer dagegen sind die Prozesse entflochten, so dass mehrere Prozessdokumente entstehen.

Kernelement der Software Idex-GC sind die SAP-Basistypen. Neben den bereits genannten Vorteilen bei der geschilderten Umstellung stellt Nitschke besonders die Entlastung der Hauptnutzer bei den EVU in den Vordergrund: Durch das 2-Phasen-Modell kann die Umstellung der Prozesse in Phase 2 frei geplant werden, so lassen sich zum Beispiel Synergien mit anderen Tätigkeiten erreichen. Je eher der Umstieg auf den Common Layer erfolgt, desto schneller könne man von den Effizienzgewinnen profitieren. Es sei nachhaltiger, nicht mehr so viel Geld in die alte Welt zu investieren, als in die Zukunft.

*Jens Voshage, Journalist, Hannover

 

Redaktion
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Mittwoch, 23.04.2014, 12:17 Uhr

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