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Bild: PopTika / Shutterstock
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E&M-Ökostromumfrage: Immer mehr Grün
Fridays for Future hat dem heimischen Ökostrommarkt gutgetan, wie die 15. E&M -Ökostromumfrage zeigt. Und auch bei den grünen Regiotarifen gibt es langsam einen Aufwärtstrend.
 
Die heimische Ökostromstrombranche zeigt sich wieder optimistischer. Im vergangenen Jahr konnten einige führende Anbieter, getragen von den von Fridays for Future ausgelösten Debatte und Aktionen zum Klimawandel, durchaus deutliche Kundenzuwächse verzeichnen – was durchaus zu erwarten gewesen ist.
 
Auch für dieses und das kommende Jahr rechnet eine Reihe von Unternehmen trotz der Corona-Pandemie mit steigenden Kunden- und Absatzzahlen. Das zeigen die Ergebnisse der 15. Ökostromumfrage der Fachzeitung Energie & Management, die mit dieser bundesweit nach wie vor einzigartigen Erhebung bereits im Jahr 2005 begonnen hatte. Danach erwarten die von E&M befragten Anbieter für 2021 ein mengengewichtetes mittleres Wachstum beim Privatkundenabsatz von 7 %. Und auch bei den Gewerbekunden gibt es eine positive Tendenz.
 
Robert Werner, der mit einem Team vom Hamburg Institut auch dieses Mal die E&M-Erhebung betreut hat, will diese Zahlen nicht überbewertet wissen: „Ökostrom erfreut sich weiterhin stetigen Zuspruchs der Stromkunden, was als Zustimmung zur Energiewende gewertet werden kann.“

30 % der Stromanbieter haben auf Grün umgestellt
 
Dass die Entwicklung zu immer mehr Grünstrom anhält, zeigt noch eine weitere Zahl. Für die E&M-Umfrage hat der Daten- und Informationsdienstleister Get AG aus Leipzig exklusiv auf Basis der von den Versorgern ausgewiesenen Tarife und Stromkennzeichnung ermittelt, dass mittlerweile bundesweit 326 Anbieter ihr Privatkundenportfolio komplett auf Grün umgestellt haben. Das entspricht nach Angaben der Leipziger Energiedaten-Spezialisten rund 30 % der untersuchten Stromanbieter. Für E&M-Redakteur Ralf Köpke zeichnet sich daher folgende Entwicklung ab: „In wenigen Jahren erwarte ich eine nahezu vollständige Versorgung der Privatkunden mit Ökostrom."
 
Mit dazu beitragen dürften auch die seit Anfang 2019 möglichen grünen Regionalstromtarifen, deren Zahl, wie die jüngste E&M-Erhebung zeigt, endlich steigt. Solche Produkte sind möglich, wenn nach den gesetzlichen Vorgaben dafür EEG-geförderte Anlagen in einem Radius von 50 Kilometern zu den Kunden genutzt werden. An die Spitze bei der Belieferung setzen sich übrigens die Stadtwerke Osnabrück: Ende Juni kündigte der Versorger an, alle seine Privatkunden zu Beginn des kommenden Jahres mit grünem Regiostrom zu beliefern − und zwar ohne Aufpreis.

Aktuelle Regionalstromkennzeichnung in der Kritik
 
Für Ökostromfachmann Werner vom Hamburg Institut setzt sich mit den Regiotarifen ein neuer Trend beim Grünstromabsatz „ganz langsam“ in Bewegung: „Dieser Zug hätte schon längst mehr an Fahrt aufgenommen, wenn die Regelungen nicht so kompliziert wären.“ Genau das beklagten auch die meisten Teilnehmer der E&M-Ökostromumfrage. Das System der aktuellen Regionalstromkennzeichnung, so ihr übereinstimmender Tenor, sei „schlecht, intransparent und verbrauchertäuschend“ und müsse daher komplett reformiert werden. Eine Chance dafür bietet die in diesem Herbst anstehende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes.
 
Neben den regionalen Ökostromtarifen gibt es nach der E&M-Ökostromumfrage ein grundsätzlich großes Interesse an grünen Power Purchase Agreements (PPA). Dabei präferiert die Mehrheit der Befragten eine Laufzeit der PPAs von bis zu fünf Jahren, längere Kontrakte werden nur von sehr wenigen Anbietern gewünscht.

Euphorie für PPA wird ausgebremst
 
Trotz des wachsenden Interesses beschaffen lediglich 12 % der Befragten ihren Ökostrom bereits heute mittels PPA. Immerhin 7 % haben entschieden, PPA-Vereinbarungen künftig zu nutzen. Bei weiteren 5 % ist eine Umsetzung konkret geplant. 43 % überlegen noch, ob sie künftig auf PPA zurückgreifen oder nicht. Diese Zahlen bewertet Robert Werner vom Hamburg Institut so: „Die Euphorie für PPA wird durch die niedrigen Großhandelspreise gebremst werden. Hoffnung erwächst aber aus der rasant steigenden Nachfrage der Großabnehmer, für die Klimaneutralität ein ernstes Ziel geworden ist."
 
Wie bei der letztjährigen E&M-Umfrage ist Eprimo weiterhin mit mehr als einer Million Kunden der führende Grünstromanbieter im Haushaltskundensegment. Nach der E&M-Analyse beliefern hierzulande neben Eprimo und Lichtblick, Entega, Lekker Energie sowie Enercity die meisten Haushalte mit Ökostrom.
 
Eine ausführliche Auswertung der 15. E&M-Ökostromumfrage lesen Sie in der E&M-Printausgabe 15-16/2020 auf den Seiten 9 bis 19.
 

Ralf Köpke
© 2020 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 15.07.2020, 09:24 Uhr

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